Weltmilchtag am 1. Juni: Schüler auf die Höfe

Bauern brauchen langfristig vernünftige Preise

„Trotz langem Atem geht irgendwann die Luft aus“

28. Mai 2019

Die Zahl der Milchkuhhalter in der Region sinkt kontinuierlich wie im gesamten Bundesgebiet auch. Die immer wieder angespannte Situation der Bauernfamilien mit ganz tiefen und lang anhaltenden Preistälern, dazu nur kurzfristigen Phasen mit auskömmlichen oder höheren Preisen und die hohe Arbeitsbelastung gerade im Milchviehbereich – dies alles sind Gründe, die Milchkuhhalter dann irgendwann zur Aufgabe zwingen.

Zum weltweiten „Tag der Milch“ laden der Landwirtschaftliche Kreisverband Herford-Bielefeld und der KreislandFrauenverband Herford Schulkassen ein, den Ursprung der Lebensmittel zu erkunden. Das Projekt „Clever Esser“ bietet eine Kombination von Unterricht in den Schulen mit Besuchen auf Bauernhöfen.

Herford /WLV (Re) Rund 53 Liter trinkt der Bundesbürger im Jahr, dazu kommen noch die verschiedensten Verarbeitungsprodukte. Die Rede ist von der Milch. Einmal im Jahr ist ihr ein besonderer Tag gewidmet: Am 1. Juni wird jährlich in vielen Ländern der Erde der „Internationale Tag der Milch“ gefeiert. „Obwohl sich die Milchpreise etwas erholt haben, ist nach wie vor Luft nach oben“, schildert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld Hermann Dedert. „Da wir jedoch bei den Milchprodukten eine gute Nachfrage haben, hoffen wir auf weiter anziehende Preise“, ist der Vorsitzende optimistisch. Das sei auch notwendig. Die Landwirte bräuchten zum Überleben ihrer Höfe langfristig vernünftige Preise. In den letzten Jahren sei allerdings kaum eine auch nur annährend angemessene Entlohnung der Arbeit erfolgt.

„So sinkt leider die Zahl der Milchkuhhalter in unserer Region, wie im gesamten Bundesgebiet, kontinuierlich“, sagt Dedert. Höfe würden aufgeben, obwohl der Milchpreis aktuell nicht am Boden läge. Dieser Schritt sei aber letztendlich Entwicklung und Folge der vergangenen zehn bis 15 Jahre: den Milchkrisen und dem immerwährenden Preisdruck des Lebensmitteleinzelhandels geschuldet. Der Handel diktiere zudem ständig neue Erzeugerkriterien, wolle dafür allerdings kaum mehr bezahlen. Der Verbraucher suche günstige Lebensmittel. Die immer wieder angespannte Situation der Bauernfamilien mit ganz tiefen und lang anhaltenden Preistälern, dazu nur kurzfristigen Phasen mit auskömmlichen oder höheren Preisen und die hohe Arbeitsbelastung gerade im Milchviehbereich – dies alles seien Gründe, die Milchkuhhalter dann irgendwann zur Aufgabe zwingen. „Trotz langem Atem und gutem Willen vieler Bauernfamilien geht dann doch die Luft aus“, schildert der Vorsitzende. „Dieser Schritt ist für die betroffenen Bauernfamilien ein schwerer, unsere Milchviehhalter sind mit viel Herzblut dabei. Bevor die Kühe den Stall für immer verlassen, hat es meistens viele schlaflose Nächte gegeben“, unterstreicht Dedert. „Für die Milchkuhbauern gehören die Kühe zum Leben.“ Jeden Tag, auch an den Feiertagen, Ostern, Weihnachten versorgen sie die Tiere. Sie füttern, melken und schauen, ob alles in Ordnung ist. So sei es selbstverständlich, die Familienfeier oder den Heiligabend zu unterbrechen, wenn einer Kuh bei der Geburt ihres Kalbes geholfen werden müsse oder sonst etwas mit den Tieren sei, um das man sich kümmern müsse.

Bäuerliche Familienbetriebe seien gesellschaftlich und politisch erwünscht, doch gerade ihnen werde von allen Seiten das Überleben schwer gemacht. „Hochwertige, regionale Lebensmittel haben und müssen ihren Preis haben“, fordert Dedert, mehr noch: „Wir müssen uns als Gesellschaft fragen, welche Landwirtschaft wollen wir? Wenn wir zu lange warten, ist es zu spät.“

Schüler auf die Höfe

Selbstverständlich ist das Wissen rund um die Herkunft von Milch, Joghurt und Co. für viele Kinder heute nicht mehr. Deshalb rufen der Landwirtschaftliche Kreisverband Herford-Bielefeld und der KreislandFrauenverband Herford Schulkassen auf, sich auf den Spuren ihrer Lebensmittel zu begeben. Im Rahmen des Projektes „Clever Esser“ bieten sie in einer Kombination von Unterricht in den Schulen mit Besuchen auf Bauernhöfen an, den Ursprung unserer Lebensmittel zu erforschen. Das Projekt „Clever Esser“ besteht aus zwei Modulen: 90 Minuten Unterricht und etwa zwei Stunden Hofbesuch. „Eine Kombination aus Theorie und Praxis, mit der wir den jungen Menschen wichtiges Wissen über die Nahrungsmittelerzeugung in der Landwirtschaft und über die anschließende Zubereitung dieser Lebensmittel zu leckerem Essen vermitteln wollen“, erläutert Petra Schröder, stellvertretende Landfrauenvorsitzende und Koordinatorin des Projektes „Clever Esser“. Sie führt als Fachfrau für Ernährungs- und Verbraucherbildung auch die Unterrichtseinheiten in den Schulen durch. Im Nachgang zu den Schulbesuchen sind Besichtigungen auf Bauernhöfen an gesonderten Terminen vorgesehen. Über 20 Höfe im Kreis beteiligen sich an dem Projekt.

Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I die Interesse haben, wenden sich bitte an: KreislandFrauenverband Herford, Petra Schröder, Tel.: 05223/87224, Mail: petraschroeder@gmx.de, www.wllv.de oder Landwirtschaftlicher Kreisverband Herford-Bielefeld, Tel.: 05221/3420410, Mail: info-hf@wlv.de.

 

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