Mit Buswerbung mahnen Landwirte massiven Landverlust an

Bauern fordern strategische Stadtplanung mit Augenmaß

09. Oktober 2019

Neue Buswerbung der Bauern in Bielefeld: Landwirte mahnen massiven Landverlust an

Bielefeld /WLV (Re): „Ackern für regionale Nahrungsmittel hier in Bielefeld“ – dieses Motto ist seit Anfang Oktober auf Bussen in Bielefeld zu lesen, dazu ein Bild von einem Weizenfeld. Die heimischen Landwirte mahnen aktuell mit einer Buswerbung den massiven Landverlust in und um Bielefeld an. Sie möchten veranschaulichen, wie wichtig es ist, die Ressourcen der Natur und die vorhandenen Lebensräume zu bewahren und zu schützen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um Klimawandel sei eine regionale Erzeugung und ein Verzicht auf einen unnötigem Flächenfraß wichtiger denn je, erklärt Heinrich Quakernack, Vorsitzender des Vereins zu Förderung der Landwirtschaft in Bielefeld.

Die mittlerweile vierte Bielefelder Buswerbung rollt im Linienbusverkehr auf rotierenden Bustouren von Vilsendorf bis Brackwede, von Oerlinghausen bis Jöllenbeck im gesamten Stadtgebiet über die Knotenpunkte Jahnplatz und Kesselbrink.

Straßen- und Infrastrukturmaßnahmen, Gewerbe- und Wohnbebauung: Die Nachfrage nach Flächen ist groß. Landwirtschaftsflächen sind nicht nur für diverse Bauprojekte gefragt, sondern sie müssen allzu oft herhalten, wenn es um Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen geht. Bei jedem Eingriff in die Natur und Landschaft muss die beanspruchte Fläche eins zu eins ausgeglichen werden. „Die entsprechenden Flächen werden dann aus der landwirtschaftlichen Erzeugung genommen, weil Ackerflächen billiger als das Aufarbeiten von Industriebrachen sind“, erläutert Quakernack

Seit Jahren mahnen die Bielefelder Landwirte, wertvolle landwirtschaftliche Flächen zu erhalten gerade im Blick auf Pläne der Stadt, weitere Flächen für Infrastrukturmaßnahmen, Wohnungs- oder Gewerbebau wie in Dornberg und Babenhausen auszuweisen. „Fläche ist nicht vermehrbar – was weg ist, ist unwiederbringlich weg und steht für die Erzeugung regionaler Lebensmittel dauerhaft nicht mehr zur Verfügung“, weiß Heinrich Quakernack, auch aus eigner Erfahrung, der den Verlust von wertvoller Fläche selbst bei seinem Hof durch den Bau der A 33 deutlich zu spüren bekommen hat. Insgesamt seien die landwirtschaftlichen Flächen in der Stadt in den letzten 15 Jahren erheblich zusammengeschrumpft. Gab es 2004 noch über 10.000 Hektar Acker-, Feld-, Wiesen- und Weidenflächen, sind es inzwischen weniger als 8.000 Hektar.

Müssen gemeinsam neue Wege gehen

„Wir appellieren an die Politik, zum Schutz unserer wertvollen Flächen strategische Stadtplanung mit Augenmaß zu betreiben“, untermauert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld Hermann Dedert. Innenverdichtung und die primäre Nutzung von Industriebrachen sowie Konversionsflächen müssen hierbei oberste Prämisse haben. Erst müssen nachweislich alle Möglichkeiten in der Stadt selbst ausgeschöpft sein, bevor neue Wohn- und Gewerbegebiete ausgewiesen werden dürfen. Sofern Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen notwendig werden, gilt es, diese gemeinsam mit Landwirten zu erörtern und beispielsweise durch die Aufwertung bestehender Naturschutzflächen landwirtschaftliche Äcker und qualifizierte Verbesserung von Gewässern zu schützen. „Hier müssen wir gemeinsam neue Wege gehen“, unterstreicht Dedert. „Eine Stadt, die den Klimanotstand ausgerufen und ein Ernährungsbeirat einberufen hat, kann nicht einfach die hiesige Landwirtschaft immer mehr Fläche rauben.“ Wenn der regionale Anbau aus landwirtschaftlicher Erzeugung gewünscht sei, dürfe man die Höfe nicht um ihre Zukunftschancen bringen.

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