"In Braunshausen sieht das Grünland aus wie eine Steppe"

27. September 2018

Erntedankpressekonferenz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland

Markus Stratmann, Franz-Josef Berkenkopf senior und junior, Karina Berkenkopf, Christian Niggemann und Josef Schreiber (v. links) stellten den Medienvertretern die Bilanz nach einem außergewöhnlichen Sommer in Hallenberg-Braunshausen vor.

Was für ein Sommer – Bauern können immer noch nicht durchatmen

Erntedankgespräch des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes über Stress, Verluste und eine der trockensten Stellen im Hochsauerlandkreis

Hochsauerlandkreis. Vier Wochen früher als üblich ist in diesem Jahr Ende August die Maisernte gestartet – nur ein Beispiel dafür, wie ungewöhnlich dieser Sommer für die Landwirtschaft war. „Ein spannendes, anderes Jahr, trotzdem können wir Erntedank feiern und Danke sagen. Unter schwierigeren Voraussetzungen als in anderen Jahren haben wir in diesem Jahr gewirtschaftet, häufig mit bangem Blick zum Himmel geblickt, weil immer wieder der Regen ausblieb. Aber trotzdem ist es hier im Sauerland nicht so schlimm wie in anderen Bundesländern“ bilanziert Kreisverbandsvorsitzender Josef Schreiber bei der diesjährigen Erntedank-Pressekonferenz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland auf dem Betrieb der Familie Berkenkopf in Hallenberg. Familie Berkenkopf gehört zu den Bauern, die am heftigsten von der Dürre getroffen wurden: Das Grünland sieht aus wie eine Steppe.

Schreiber lässt das Bauernjahr Revue passieren: „Am 15. März hatten wir noch 10 Grad Frost, am 4. Mai haben wir den ersten Schnitt einfahren können – zwischen Winter und Frühsommer ist eigentlich der ganze Frühling ausgefallen.“ Sehr gutes Gras habe man ernten können, auch der zweite Schnitt war an Menge und Qualität gut. „Und dann ging es los, es fiel kein Regen mehr und das Gras begann braun zu werden – der dritte und vierte Schnitt sind nahezu ausgefallen, wir haben nur ein Bruchteil der normalen Menge von den Wiesen geholt.“ Nun hoffen die Bauern im Hochsauerlandkreis eventuell im Herbst noch etwas Gras ernten zu können, um ihre Tiere mit dem wichtigen Raufutter zu füttern. Schreiber: „Mancherorts gibt es noch Restbestände aus 2017, die über die Knappheit hinweghelfen, ansonsten gibt es nur zwei Möglichkeiten: Grundfutter zukaufen oder Tierbestand abstocken.“

Bei der Getreideernte sieht es eigentlich noch ganz gut aus. Zwar sind die Mengen geringer, „aber“, „durch das gleichmäßige Sommerwetter war die Ernte entspannter als sonst, die Lohnunternehmer hatten nicht solchen Stress wie in den sonstigen Jahren, wo sie kurze Regenlöcher nutzen mussten, um möglichst bei allen Kunden zu dreschen.“

Die Resultate sind aber auch schon allein im Hochsauerlandkreis sehr sehr unterschiedlich: Die Unterschiede bei den Regenmengen kann man nicht regional oder lokal benennen, sondern „es hat in diesem Jahr punktuelle Regenschauer gegeben.“  Daher habe vor allem der Mais sehr unterschiedliche Menge und Qualität. Die Maisernte hat im Kreisgebiet etwa 1/3 weniger Ertrag als in normalen Jahren gebracht, auch der Zukauf gestaltet sich schwierig, da es in der ganzen Umgebung ähnlich aussieht. Und jetzt? Jetzt stehen die Aussaat von Raps, Gerste, Weizen und Triticale an – wenn es denn mal regnet….Noch immer kein Durchatmen für die Landwirte.

Nach solch einem heftigen Jahr voller Sorgen für die Bauern hat der Vorsitzende des Landwirtschaftliche Kreisverbandes deutliche Forderungen für die Zukunft: „Wir brauchen angemessene Preise für unsere Produkte, damit wir in guten Jahren für schlechtere Zeiten Rücklagen schaffen können. Das ist nicht mit einer Dürrehilfe getan, sondern muss langfristiger gedacht werden.“ Und um in Zukunft für Extremwetterlagen gewappnet zu sein und einzelbetrieblich besser Vorsorge treffen zu können, werde die Möglichkeit zur Bildung einer steuerlichen Gewinnrücklage gebraucht, so der Kreisverbandsvorstand.

Bei Familie Berkenkopf hat die Trockenheit verbunden mit Dauersonne ganze Grasnarben braun werden lassen. „Ob das Gras noch mal wächst, werden wir sehen müssen“, so  Josef Berkenkopf. Der Regen der letzten Tage hat ihm Hoffnung gegeben, dass noch einmal letztes Grün sprießt.

 

Presse-Kontakt

Dieses Silagelager sollte eigentlich voll sein - der dritte und der vierte Schnitt sind in Braunshausen aber komplett ausgefallen.

Daten werden geladen …