"Bauern brauchen Mut und Durchhaltevermögen"

18. Oktober 2019

Erntedankgespräch des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland

Margit, Franz, Maria und Johannes Greitemann, Josef Schreiber, Markus Stratmann, Michael Hellermann und Moritz Hennecke (v. links).

„Bauern brauchen Mut und Durchhaltevermögen“

Erntedankgespräch des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes

Hochsauerlandkreis. „Das zweite Trockenjahr in Folge in Verbindung mit Hitze hat die Erträge in der Landwirtschaft erheblich gemindert. Die Katastrophe spielt sich allerdings im Wald ab“ bilanziert Kreisverbandsvorsitzender Josef Schreiber bei der diesjährigen Erntedank-Pressekonferenz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland auf dem Betrieb der Familie Greitemann in Sundern-Seidfeld.  „Auch wenn wir trotzdem zu Erntedank Danke sagen möchten, fällt es mir in diesem Jahr schwer. Völlig zu Unrecht steht die Landwirtschaft immer wieder bei vielen Themen als erste am Pranger. Die Menschen scheinen zu vergessen, dass wir verlässlich ausreichend qualitativ hochwertig Lebensmittel produzieren.“ In der Landwirtschaft seien Flexibilität, Mut und Durchhaltevermögen gefragt, um neuerlichen Anforderungen aber auch Wetterextremen zu trotzen, das verdiene Anerkennung. Schreiber: „Bauern haben immer neue Ideen, Betriebe zu modernisieren und weiter zu entwickeln und Mut zu Investitionen“ und verweist auf den heutigen Gastbetrieb der Familie Greitemann: Dort wird in Kürze in Kooperation mit einem Nachbarbetrieb ein neuer Kuhstall mit mehr Tierwohl gebaut, zudem trägt der Hofladen an der Seidfelder Straße seit nun schon fast 20 Jahren zum Familieneinkommen bei.

Erster Schnitt mit Top-Qualität, zweiter gut und dann war Ende

Josef Schreiber lässt das Bauernjahr Revue passieren: „Die Niederschläge im Winter und Frühjahr konnten die fehlende Bodenfeuchte des letzten Jahres nicht kompensieren. Dennoch hat uns  der verregnete Mai beim Grünland einen hervorragenden ersten Schnitt beschert: Trotz aller Befürchtungen konnten wir dichtes junges Gras in allerbester Qualität mit sehr guten Mengenerträgen einfahren.“ Auch der zweite Schnitt im Juni habe gute Qualität und ausreichende Menge für die Fütterung der Milchkühe eingebracht. Schreiber: „Und dann war Schluss. Das fehlende Wasser hat kein Graswachstum mehr möglich gemacht.“ Beim Heu sei dasselbe passiert: In der Trockenheit konnte eine gute erste Heuernte eingebracht werden, „die zweite steht immer noch auf den Wiesen.“ Der Vorsitzende erläutert weiter, dass daher in vielen rinderhaltenden Betrieben das Grundfutter fehle. „Aus dem Trockenjahr 2018 waren ja keine Vorräte übrig geblieben. Jetzt muss Grundfutter teuer zugekauft werden.“

 

Mais hat stellenweise keine Kolben

Jetzt sollte der Silomais alles retten: Die Bodenfeuchte ist im Sauerland zwar besser als im Münsterland, aber die Bilanz nach der nahezu abgeschlossenen Maisernte sei sehr unterschiedlich. Der Mais könne sich zwar schnell mit ein paar Regenschauern erholen, aber oft habe er keine Kolben ausgebildet und sei daher als Viehfutter minderwertiger. „Auch in diesem Jahr hat es wieder nur punktuell geregnet, in manchen Ecken ist es aber die ganze Zeit trocken geblieben“, hat der Kreisverbandsvorsitzende beobachtet.

Die Katastrophe spielt sich im Wald ab

Die Katastrophe spiele sich jedoch im Wald ab sagt Schreiber weiter: „Die Fakten zur Situation des Waldes sind ja inzwischen bekannt. Er ist dauerhaft geschädigt, wenn nicht sogar auf ewig vernichtet. Die Forstbetriebe, die von der Forstwirtschaft leben, sind am stärksten betroffen. Aber auch wir „Wald-Bauern“, die wir zum Beispiel die Bäume, die unsere Großväter gepflanzt haben, für die Aufstockung der Rente gedacht hatten, müssen auf diese Einkünfte verzichten.“

Getreidescheunen sind gut gefüllt – das ist nicht überall so

Markus Stratmann, Junglandwirt mit Biobetrieb und Sprecher des Öffentlichkeitsaus-schusses im Landwirtschaftlichen Kreisverband Hochsauerland, hat sich bei Berufskollegen zur Getreideernte umgehört: Stellenweise seien sie mit der Getreideernte rundum zufrieden: „Manche Scheune ist gut gefüllt, das Futter für die Tiere für das nächste Jahr konnte eingebracht werden.“ Durchweg über alle Getreidesorten -  Gerste, Weizen und Triticale – lobt er eine üppige Ernte: „Qualität und Quantität waren überdurchschnittlich gut, und bei langfristig trockenem Wetter verlief die Ernte stressfrei.“ Stratmann weiß jedoch auch, dass das längst nicht überall so war. „Landesweit lag die Ernte unterhalb des langjährigen Durchschnitts und brachte unterschiedliche Qualitäten, die zu mäßigen Erzeugerpreisen vermarktet werden können.“

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