Lippischer Landwirtschaftlicher Hauptverein zieht gemischte Jahresbilanz

21. Dezember 2012

Lippe /wlv (Re) Eine gemischte Bilanz zum Jahr 2012 zieht der Vorsitzende des Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptvereins (LLHV) Dieter Hagedorn. Die Bauern konnten trotz Wetterkapriolen in diesem Jahr eine ordentliche Ernte einfahren. Auch die Preise seien gut. Höheren Erlösen ständen jedoch durchweg stark gestiegene Kosten für Energie und Futter gegenüber. „Diese Entwicklung wird auch im laufenden Wirtschaftsjahr anhalten“, prognostiziert der Vorsitzende.

Gerade zu Beginn des Jahres 2012 mussten zahlreiche Landwirte ackerbaulich heftige Einbußen verzeichnen. Ein plötzlich auftretender Temperatursturz Anfang Februar hatte besonders in Höhenlagen vielen Gersten- und Weizenflächen massiv geschadet. „Im Landesschnitt waren wir in Ostwestfalen-Lippe weit überdurchschnittlich betroffen“, berichtet der Vorsitzende. „Im Kreis Lippe fiel die Wintergerste zu 90 Prozent aus, der Winterweizen zur Hälfte aus“, berichtet der Hagedorn. Das Saatgut wurde teilweise knapp und teuer. Hinzu kamen doppelter Arbeits- und Energieaufwand.

„Betrachten wir die Preise, so sind diese für Ackerbaubetriebe erfreulich gut“, erklärt Hagedorn. Bedingt durch die knappe Versorgung auf den internationalen Märkten hätten die Preise angezogen. „Insbesondere die Dürre in den USA und Überschwemmungen in Teilen Russlands haben die Mengen auf dem Weltmarkt schrumpfen lassen“, erläutert der Vorsitzende. Des einen Freud sind aber des anderen Leid: „Die gestiegenen Getreidepreise führen zu höheren Futterkosten. Für viele Schweine- und Rinderhalter ist dies eine bittere Pille“, betont der Vorsitzende. Besonders hart trifft es zudem die Sauenhalter. Sie schreiben seit Jahren kaum bis keine Gewinne und benötigen dringend eine langfristige Phase.

Neben den aktuellen Marktentwicklungen sind es aber die gesellschaftlichen Diskussionen und die Entwicklungen in der Politik, die die Bauern zunehmend große Sorgen bereiten. „Wir Landwirte werden derzeit von inflationär steigenden Auflagen wie in den Bereichen Stallbau, Tierhaltung, Arzneimitteleinsatz geradezu überrollt“, kritisiert der Vorsitzende. Zudem werde in weiten Teilen der Öffentlichkeit die Tierschutzdebatte häufig nicht mit Fachargumenten geführt. Laute Kritik finde leider mehr Gehör als sachliches Fachwissen. „Kritiker sammeln oft unter dem Mäntelchen der Aufklärung Medienpräsenz, die sich wiederum in Geld niederschlägt“, so der Vorsitzende. Dies alles verunsichere die Tierhalter stark. Hagedorn: „Allerdings können gerade kleinere und mittlere Betriebe häufig die Kosten für die höheren Anforderungen nicht leisten.“ Vielfach sähen sie keine andere Chance als den Ausstieg aus der Landwirtschaft. Die Politik befördere damit den Strukturwandel und leiste Größenordnungen Vorschub, die in der öffentlichen Kritik stünden und auch keiner wolle.

Weiter macht der Vorsitzende deutlich, dass der Bedarf an Nahrungsmitteln und Bioenergie zukünftig steige. Gleichzeitig gehe der hohe Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen immer weiter. „Dass können wir uns nicht mehr leisten“, unterstreicht Hagedorn. Der Verbrauch durch Straßen- und Siedlungsbau, Gewerbegebiete, Infrastrukturprojekte und Maßnahmen des Natur- und Umweltschutzes stellten eine Gefahr für die Landwirtschaft aber auch für die gesamte Gesellschaft dar. Die Ressource Boden sei unvermehrbar! „Wir brauchen in der Öffentlichkeit und in der Politik ein neues Bewusstsein für den Wert unseres Bodens und neue Ansätze zum Schutz der Flächen“, mahnt der Vorsitzende. „Nicht der Anbau von CO2-zehrenden Pflanzen gefährdet die Nahrungsmittelversorgung, sondern die Versiegelung der Landschaft.“

Abschließend stellt Hagedorn fest, dass der grüne Berufszweig die Schlüsselbranche des 21. Jahrhunderts sei. Die großen Themen unserer Zeit – Klimawandel, Welternährung, Bioenergie – seien ohne den Beitrag des grünen Berufszweiges nicht zu bewältigen. Allerdings verfolge die Gesellschaft die Arbeit der Bauern mit großer Aufmerksamkeit. Hier sei Transparenz die beste Form, die Leistungen der Bevölkerung nahe zu bringen. „Die Landwirte sind dabei die besten Botschafter“, so der Vorsitzende. „Kein Landwirt will die Umwelt, von der wir alle leben, bewusst schädigen, ich werbe für Vertrauen in unseren Berufsstand als Fachleute.“ Nur gesunde Tiere und gesunde Früchte könnten so gedeihen, das sie auch ein Einkommen gewährleisten.“

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