Lehrer lernen: Woher kommt der Zucker?

06. Dezember 2012

Lippe/wlv (Re) Woher kommt der Zucker? Alles rund um die Quelle des weißen Kristalls erfuhren Lehranwärter bei einer Fortbildung des Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptvereins (LLHV). Am Mittwoch (5. Dezember) verfolgten 15 angehende Erdkunde-Pädagogen vom Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung (Zfsl) in Detmold den Weg der Rübe bis zum Zucker. „Die Themenpalette reichte vom Rübenanbau, über die Rübenzüchtung bis hin zu den geplanten Änderungen der EU-Zuckermarktordnung“, erklärt Dieter Hagedorn, Vorsitzender des Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptvereins (LLHV). Anschießend stand die Besichtigung der Zuckerfabrik Pfeifer & Langen in Lage auf dem Programm. Der Zfsl-Fachseminarleiter Raimund Piening: „Wir konnten heute das Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur hautnah erleben. Die Ökologie, Ökonomie, aber auch das Spannungsfeld in dem sich die Bauern befinden, wurde uns anschaulich nahe gebracht.“

„Der Zucker ist ein Naturprodukt. Der Ursprung sind unsere heimischen Rübenäcker“, führt der Rübenanbauer Dieter Hagedorn ein. Zucker entsteht zwar in vielen Pflanzen, aber die Zuckerrübe gehört zu den wenigen Pflanzen, die den Zucker als Energiereserve speichern und direkt als Naturprodukt liefern kann. „Wir rechnen in diesem Jahr mit einer guten Durchschnitts-Ernte und guten Zuckergehalten“, berichtet der Rübenanbauer. Die in der Region angebauten Rüben werden jetzt, in der Kampagnezeit, verarbeitet, beendet wird sie im Januar. „Ostwestfalen-Lippe zählt bundesweit zu den ertragsstärksten Rübenanbaugebieten“, verdeutlicht Hagedorn.

Die Pädagogen sahen während der Fortbildung eine der Lipper Rübenmäuse im Einsatz. „Die Rübenmaus säubert die Zuckerrüben und sorgt für eine schnelle Beladung der Transportfahrzeuge“, erläutert Peter-Eric Froböse, Geschäftsführer der LippeMaus GbR mbH und stellvertretender Rübenanbauverbandsvorsitzender. Schmeckt eine Zuckerrübe wirklich süß? Auch das konnten die Pädagogen testen. Sie probierten Stücke der Rüben. „Von einer Rübe erhält man ca. eine halbe Tasse Zucker“, weiß der Anbauberater der Zuckerfabrik Pfeifer & Langen, Markus Decker. Eine Rübe ist allerdings nicht nur süß, sie kann noch viel mehr: „Eine Fläche Zuckerrüben von 12 x 12 m erzeugt so viel Sauerstoff wie eine Person ein Jahr lang benötigt!“, erklärt Decker. „Zuckerrüben tragen erheblich zur Verbesserung der Luft bei.“ Ein Hektar mit ca. 80.000 Pflanzen binde etwa 26 t Kohlendioxid und produziere ca. 13.000 m³ Sauerstoff.

Um die Rübenzüchtung ging es dann in dem Vortrag von Dr. Enno Blumenberg vom Saatzuchtunternehmen Syngenta in Bad Salzuflen. Aber auch die Änderungen zur EU-Zuckermarktordnung waren ein Thema für die angehenden Gymnasial- und Gesamtschullehrer. So sind die Rübenanbauer höchst besorgt über die geplante Abschaffung der Zuckerquoten nach der Kampagne 2014. „Unsere Versorgung aus heimischer Erzeugung wäre nicht mehr gewährleistet“, bekräftigt Hagedorn. „Die Quoten garantieren in der EU eine Eigenversorgung mit Zucker von zumindest 85 % und sind daher ein Sicherheitsnetz für Rübenbauern und Verbraucher.“ Auch Froböse befürchtet, dass ein Wegfall der Zuckerquoten in Europa zunehmend abhängig mache von überseeischen Exporteuren und die Verbraucher ungeschützt den Preisschwankungen des Weltmarktes ausliefern werde. Ferner würde der Rübenanbau in der Region seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren und die heimische Rübenverarbeitung mit ihren Arbeitsplätzen gefährdet.

Hagedorn zum Ziel der Fortbildung: „Wir wollen den Pädagogen die heutige Landwirtschaft und die Herkunft unserer Lebensmittel näher bringen.“ Der Berufsstand möchte ihnen zeigen, wie Zucker erzeugt wird, wie die heimischen Landwirte arbeiten, welche Sorgen sie haben, wie die Äcker bewirtschaftet werden und welche jahreszeitlichen Unterschiede es gibt.“ Der Fachseminarleiter Piening kann dies unterstützen: „Für uns war es ein spannender Tag rund um die Zuckerrübe und das weiße Kristall. Es war interessant hinter die Kulissen zu schauen, zu sehen wie vor Ort Nahrungsmittel erzeugt werden und Hintergründe zu erfahren.“

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