Ernte geht dem Ende entgegen

29. August 2013

Zufriedenstellende Ernte, jedoch schlechtere Preise als im Vorjahr

Lippe/wlv (Re) Die Ernte befindet sich in den letzten Zügen. Nach einer Unterbrechung aufgrund durchwachsender Witterung haben die Landwirte nun in den letzten Tagen Weizen gedroschen. Bis zum Wochenende, so schätzt der Lippische Landwirtschaftliche Hauptverein, wird in weiten Teilen des Kreises die Getreideernte zum Abschluss kommen. Der Vorsitzende Dieter Hagedorn spricht insgesamt von einer zufriedenstellenden Ernte allerdings mit schlechteren Preisen als im Vorjahr.

Die Witterung war in diesem Jahr von einem langen, kalten Winter, einem kühlem Frühjahr sowie einer Hitzewelle zu Erntebeginn im Juli geprägt. Teilweise beeinträchtigten regional Starkniederschläge und Hagel die Ackerkulturen.

Ein erheblicher Teil der sommerlichen Ernte konnte bei schönen Wetter im Juli und Anfang August eingebracht werden. Bei der Wintergerste, die naturgemäß als erste Getreidekultur gedroschen wird, liegen die Erträge im guten Durchschnitt, schwanken jedoch regional. Ähnlich sieht es bei Roggen, Triticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen) und Hafer aus: Die Landwirte konnten hier ebenso eine zufriedenstellende Ernte einfahren. Beim Raps fiel die Ernte nach einem schwierigen Vegetationsverlauf noch ordentlich aus, allerdings mit regionaler Spannbreite.

Die Erträge beim Weizen sind durchaus gut, vereinzelt sehr gut, so der Vorsitzende. Allerdings sei die Preissituation deutlich schlechter. Die Einstandspreise bewegten sich teilweise 25% denen des letzten Jahres. Beim Weizen habe sich in diesem Jahr die Bauernweisheit Mai kühl und nass, füllt des Bauern Scheun und Fass bewahrheitet: Im Mai wird im Getreide das Korn ausgebildet, berichtet Hagedorn. Sei diese Phase lang und bekomme die Pflanze genügend Nährstoffe und Wasser, sei das eine gute Voraussetzung für die Pflanzen. Die Erntebedingungen beim Weizen waren zunächst sehr gut, schildert der Vorsitzende. Der Regen, der den Erntefortschritt dann verzögert habe, sei allerdings für Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben gut gewesen. Diese Ackerkulturen brauchten dringend Wasser. Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben weisen allerdings nur einen befriedigenden Wachstumsstand auf. So sieht der Mais in der Region je nach Bodenqualität ganz unterschiedlich aus. Er hat ebenso wie die Zuckerrüben unter den diesjährigen Witterungsbedingungen gelitten. Zunächst erschwerte das kühle und feuchte Frühjahr den jungen Pflanzen den Start. Anschließend setzten hohe Temperaturen und Trockenheit die Bestände zu. Hagedorn: Nun hoffen die Landwirte für den Mais, die Zuckerrüben sowie den neu ausgesäten Raps Regen, doch dieser ist leider in den nächsten Tagen nicht in Sicht. Weiter hätten die Kartoffeln unter dem kühlen Wetter im Frühjahr gelitten. Der Kartoffelansatz sei nur schwach, gleichzeitig fehlten größere Sortierungen, die vor allem von der Pommes-Industrie nachgefragt würden. Ebenso seien bei den Zuckerrüben die ersten Proberodungen deutlich schwächer ausgefallen als im Mittel der letzten Jahre.

Foto: Getreideernte im Schlussspurt: Bis zum Wochenende, wird in weiten Teilen des Kreises die Getreideernte beendet sein. Der Vorsitzende Dieter Hagedorn spricht insgesamt von einer zufriedenstellenden Ernte allerdings mit deutlich schlechteren Preisen als im Vorjahr.

Hintergrundinformationen Getreide: Die Getreidearten gehören zur Familie der Gräser und sind über die Jahrhunderte hinweg aus Wildgräsern gezüchtet worden.

Gerste: Gerste ist die älteste Getreideart, da sie bereits 10500 v.Chr. angebaut wurde. Seit etwa 5000 v.Chr. gibt es Gerste auch hier in Deutschland. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wird die Wintergerste besonders als Viehfutter geschätzt. Sommergerste wird zum Brauen von Bier benötigt. Für die Menschen werden zudem aus Gerste Grieß und Graupen hergestellt. Bei uns in Ostwestfalen ist Gerste die am zweit meisten angebaute Getreideart.

Weizen: Weizen ist die zweitälteste Getreideart. Die ältesten Weizenfunde lassen sich auf das Jahr 7800 vor Christus zurückdatieren. Aber erst ab dem 11. Jahrhundert, als Weißbrot in adligen Kreisen beliebt wurde, dehnte sich die Anbaufläche aus. Heute nimmt Weizen in ganz Deutschland, den größten Anteil der Getreidefläche ein. Weizen wird als Brotgetreide zu Mehl vermahlen und dann zum Backen von hellem Brot, Brötchen und anderen Backwaren verwendet. Aber genau wie die Gerste ist der Weizen auch ein wichtiges Futtermittel.

Roggen: Roggen wird seit etwa 4000 v. Chr. angebaut. Vom 12. bis in das letzte Jahrhundert hinein war er in Deutschland das wichtigste Brotgetreide und hatte damit eine bedeutende Funktion für die Ernährung der Menschen. Auch heute noch wird aus Roggen Brot gebacken, aber seit dem zweiten Weltkrieg hat ihn der Weizen von seiner Spitzenposition verdrängt. In geringerem Umfang wird Roggen auch als Futtermittel eingesetzt.

Hafer: Hafer ist eine verhältnismäßig jüngere Getreideart. Ab etwa 2400 v. Chr. wurde er in Mitteleuropa angebaut. Ab dem Hochmittelalter bis zur ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war er in Deutschland nach dem Roggen die wichtigste Getreideart, die besonders als Pferdefutter genutzt wurde. Heute wird nur noch wenig Hafer angebaut. Man kennt ihn in Form von Haferflocken, der größte Teil der Haferernte wird jedoch an Pferde, Rinder oder Geflügel verfüttert.

Weitere heimische Getreidearten sind Dinkel, der aber bei uns nur sehr selten angebaut wird, Triticale, ein sehr junges Getreide, das eine Kreuzung aus Roggen und Weizen ist und Mais, der aber erst im Herbst geerntet wird.

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