Rückblick des Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptvereins

22. Dezember 2013

Vorsitzender zieht durchwachsene Jahresbilanz

Lippe /wlv (Re) Eine durchwachsene Bilanz zum Jahr 2013 zieht der Vorsitzende des Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptvereins Dieter Hagedorn. „Wir konnten in diesem Jahr eine zufriedenstellende Ernte allerdings mit schlechteren Preisen als im Vorjahr einfahren“. Sein Blick ist verhalten optimistisch: „Die landwirtschaftliche Lage sieht derzeit im Großen und Ganzen ganz gut aus.“

Ackerbaulich war es ein herausforderndes Jahr. So zeichnete sich der Witterungsverlauf durch einen langen, kalten Winter, einem kühlem Frühjahr sowie einer Hitzewelle im Juli aus. „Gleich mehrere Rekorde konnten wir verbuchen“, fasst der Vorsitzende zusammen. Januar und Februar seien die sonnenscheinärmsten Monate seit 1951 gewesen. „Weiter konnten wir den kältesten März seit 25 Jahren vermelden“, berichtet Hagedorn. Der Sommer erreichte dann nur rund 60 Prozent des Niederschlagssolls in NRW, lag aber mit 636 Sonnenstunden deutlich über dem Schnitt der Jahre (554 Stunden).

Die Bauern im Kreis Lippe konnten 2013 eine ordentliche Getreideernte einfahren. „Die Preissituation ist jedoch schlechter aufgrund der Weltmarktlage“, begründet der Vorsitzende. „Bescheidener fiel dagegen die Mais- und Kartoffelernte aus.“ Die Zuckerrübenernte sei dagegen mit mittleren bis guten Erträgen und guten Zuckergehalten besser als erwartet. Der Vorsitzende hebt hervor, dass die Milchpreise zufriedenstellend seien: „Die Milchbauern können derzeit Luft holen und Einbußen vergangener, magerer Jahre ausgleichen.“ Weiter sei der Schweinemarkt starken Preisschwankungen unterworfen, im Schnitt „sind die Erlöse keineswegs zum Jubeln“. Darüber hinaus ist Hagedorn überzeugt, dass die Lebensmittelpreise nicht ins Unermessliche steigen werden. „Nahrungsmittel waren bisher inflationshemmend und werden sich im Rahmen der allgemeinen Inflation bewegen. Nahrungsmittel seien in Deutschland immer noch sehr preiswert.

Ein großes Thema war die Reform der Europäischen Agrarpolitik. „Der große Wurf ist diese Agrarreform nicht“, urteilt der Vorsitzende. Zumindest aber gebe sie Planungssicherheit für die nächsten sieben Jahre. Das bedeute aber noch nicht, dass der Weg schon bis ins Detail vorgezeichnet sei, auch eine gleichmäßige europäische Umsetzung sehe er noch nicht. Gewisse Sorge bereite den Landwirten, wie sie tatsächlich ausgestaltet werde. Dies werde sich in den kommenden Monaten zeigen. Hagedorn: „Hier fordern wir eine möglichst praxisbezogene Umsetzung.“ Des Weitern bewertet er den Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD als einen tragfähigen Kompromiss jedoch mit Schattenseiten. Der Berufsstand fordert die Politik auf, nun schnell und sachorientiert mit der fachlichen Arbeit zu beginnen. „Wir Landwirte brauchen verlässliche Zeichen, um betriebliche Entscheidungen planen zu können“, bekräftigt der Vorsitzende.

Den ansässigen Landwirten machen zudem die steigenden Auflagen und Vorgaben vor allem im Bereich Stallbau und Tierhaltung zu schaffen. Eine große finanzielle Belastung bedeutete für viele Schweinehalter in den letzten zwei Jahren beispielsweise der geforderte Austausch der Spaltenböden. Die verbundenen Mehrkosten zwängen fatalerweise gerade kleinere und mittlere Betriebe häufig zur Aufgabe. Die Politik fördere damit den Strukturwandel und leiste wachsenden Größenordnungen Vorschub, die keiner wolle. „Immer neue Regelungen ziehen immer neue Investitionen nach sich“, schildert Hagedorn. Einen Mehrerlös brächten all diese Investitionen aber nicht. Besorgt seien die Bauernfamilien auch um die zunehmende gesellschaftliche Diskussion. „Hier ist Transparenz die beste Form, die landwirtschaftlichen Leistungen der Bevölkerung nahe zu bringen“, betont der Vorsitzende. Eine Chance biete die branchenweite „Initiative Tierwohl“, mit der sich Land- und Fleischwirtschaft sowie der Lebensmitteleinzelhandel zu einer nachhaltigen Erzeugung bekennen. Hagedorn: „Die Branche hat sich gemeinsam auf dem Weg gemacht.“

Abschließend blickt der Vorsitzende positiv in das kommende Jahr. Die großen Themen unserer Zeit – Klimawandel, Welternährung, Bioenergie – seien ohne den Beitrag der Landwirtschaft nicht zu bewältigen. Die Bauern erzeugten hochwertige Lebensmittel in einer Güte, die weltweit gefragt seien. Die grüne Berufssparte mit ihren vor- und nachgelagerten Bereichen sei ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und eine Zukunftsbranche.“ Doch die Bauernfamilien, insbesondere die jungen Menschen auf den Höfen, bräuchten Verlässlichkeit. Er bekräftigt, dass sich Landwirte der Nachhaltigkeit und einem Ausgleich zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung in der täglichen Arbeit verpflichtet fühlen. „Wir sind Bauern mit Leib und Seele, wir begreifen das als generationenübergreifende Verpflichtung“, unterstreicht Hagedorn.

Der Jahresausklang gebe neben dem Blick zurück auch die Gelegenheit „Danke“ zu sagen. Der Vorsitzende bedankt sich bei allen im Kreis Lippe für ihre Rücksichtnahme und ihr Verständnis im Straßenverkehr. Insbesondere in den Erntezeiten komme es vor, dass Landwirte mit ihren Maschinen den Verkehr behindern würden oder der Ernteeinsatz am Abend später werde. „Wir Bauern wirtschaften und arbeiten mit dem Wetter“, erklärt Hagedorn, „und die Erntezeit ist für uns die absolute Hochzeit um unseren Ertrag einzubringen.“

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