Weltmilchtag: Lehrer der Milchquelle Kuh auf der Spur

15. Mai 2014

Lippe /WLV (Re): Wie funktioniert ein Melkroboter? Wie leben Kuh und Kalb? Nutztierhaltung gestern – heute: Was hat sich geändert und warum? Fragen, die der Lippische Landwirtschaftliche Hauptverein in einer Lehrerfortbildung mit 18 angehenden Lehrern für Biologie und Erdkunde am Mittwoch (14.5.2014) diskutierte. Auf dem Milchbetrieb von Volker Stölting in Lage erfuhren die Lehramtsanwärter Landwirtschaft aus erster Hand. Anlässlich des „Internationalen Tages der Milch“ (weltweit 1. Juni) standen für die Pädagogen Theorie und Praxis rund um die Kuh und den weißen Saft im Focus.

„Wussten Sie, dass eine Kuh erst Milch gibt, wenn sie ein Kalb geboren hat?“, fragt der Landwirt Volker Stölting. Er erklärt, dass die Kuh im Alter von zwei bis zweieinhalb Jahren ihr erstes Kalb bekommt. Erst nach der Geburt des Kalbes beginne der Körper der Kuh mit der Milchproduktion. Das sei wie beim Menschen auch. Während der Hofführung veranschaulicht Volker Stölting: „90 % unserer Arbeit dient dem Wohlbefinden unserer Tiere.“ Die Tierhaltung sei in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich verbessert worden. Bei den Kühen gehörten komfortable Liegeboxen, breite Lauf- und Fressgänge, offene Ställe mit guter Luftführung und viel Licht zum „Rundum-Wohlfühlprogramm“. Hinzu kämen Spezialbereiche auf Stroh wie für abkalbende – also gebärende - Kühe und für die jungen Mütter, sozusagen die Geburts- bzw. Wöchnerinnenstation. Zum „Wellnessprogramm“ gehört zudem die Kuhbürste: „Hier können sich die Kühe ihre Massage abholen“, betont der Landwirt. Sie erinnere an eine Bürste in einer Autowaschanlage, die von den Tieren selbst betätigt wird.

Besonders beeindruckt waren die Pädagogen von dem Melkroboter. Das ist moderne Technik - ein System mit dem die Kühe vollautomatisch gemolken werden. „Hierzu fährt ein mit einem Laserauge ausgerüsteter Melkarm unter das Euter der Vierbeiner und sucht sich die vier Zitzen“, schildert Stölting. Diese werden automatisch gewaschen, bevor die Milch abgesaugt wird. Der Vorteil des Systems: „Die Kühe können rund um die Uhr gemolken werden“, bemerkt der Landwirt. Wenn die Tiere einen Innendruck im Euter spüren, können sie jederzeit zum Melken gehen und so ihren eigenen Rhythmus finden. „Die Kühe suchen den Melkroboter durchschnittlich dreimal am Tag auf“, weiß Stölting. Traditionell werden die Kühe dagegen zweimal am Tag gemolken. Stölting: „Ich muss nicht mehr zu festen Zeiten im Stall die Kühe melken.“ Er könne freier über seine Arbeitszeit verfügen und habe mehr Zeit für die Tierbeobachtung.

Nach der Praxis kam die Theorie im Infozentrum der Zuckerfabrik Pfeifer & Langen in Lage. Dr. Herbert Quakernack, Geschäftsführer des Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptvereins referierte über die Themen Tierwohl, Tierschutz, Verbraucherinteressen, Kritik, ökonomische Zwänge sowie Marktchancen der heimische Höfe. „Beim Thema Tierhaltung ist heute vielfach die Meinung verbreitet, dass die Tiere weniger tiergerecht gehalten werden als früher“, erzählt Dr. Quakernack. „Doch die moderne Haltung – gerade in den Offenklimaställen - ist tiergerechter.“ Den Tieren gehe es heute besser als in den dunklen, feuchten Ställen mit Anbindung. „Doch welche Fortschritte jeder heutige Stall für die Tiere bedeutet, sehen Außenstehende oft nicht. Das müssen wir erklären und zeigen“, ergänzt der Hauptvereinsvorsitzende Dieter Hagedorn. Die Landwirte hätten ihre Tiere genau im Blick. Und jedes sei ihnen wichtig. Denn sie leben mit und von ihren Tieren. In den modernen Ställen seien die Größenordnungen zwar höher als früher, doch die Haltungsbedingungen und Umweltmaßnahmen seien stetig verbessert worden.

„Oft wird von Massentierhaltung gesprochen. Aber was ist das eigentlich?“, fragt Hagedorn. Er verdeutlicht, dass der Begriff nie wirklich definiert wurde. Geht es den Tieren heute in größeren Ställen besser oder schlechter als früher? „Die Anzahl von Tieren in einem Stall sagt nichts über deren Wohlbefinden aus“, unterstreicht der Vorsitzende. Wichtig sei, dass der Stall auf die Bedürfnisse der Tiere abgestimmt werde, sie gutes Futter erhielten und vor allem der Bauer sich gut um die Tiere kümmere, sich genau mit ihnen auskenne und sich darum sorge, dass es ihnen gut gehe. „Vergleichen Sie es doch mit Ihrer Schule“, bemerkt der Vorsitzende. Die Gesamtzahl der Schüler, die eine Schule besuchen, sei doch nicht entscheidend. Wichtig sei, dass sich die Lehrer um die Schüler kümmerten und einen guten Unterricht machten. Auch der Klassenraum sei nicht ganz unerheblich: „Hell, luftig und gesund, genau wie ein guter Stall“, so Hagedorn. Die Tiergesundheit sei Garant für gute Leistung.“

Der Vorsitzende verdeutlichte, wie wichtig die Vermittlung des grünen Berufszweiges sei. „Uns geht es um eine ehrliche Debatte und reale Einblicke auf den Höfen“, so Hagedorn. „Wir wollen zeigen, wie es ist! Das Vertrauen der Verbraucher sei für die Landwirte wichtig. Doch durch eine Entfremdung bestehe leider oft Unkenntnis über die tatsächlichen Gegebenheiten in den heutigen Ställen, stellt Hagedorn fest. „Deshalb setzen wir auf Offenheit, auf die Erfahrbarkeit der heutigen Landwirtschaft.“ Auch die Lehrerschaft ist überzeugt: „Wir erlebten Landwirtschaft aus erster Hand. Hochinteressant war zu sehen, wie Kuh und Kalb gehalten werden“, fasst die Fachseminarleiter Reinhard Piening aus Lage zusammen.

Kasten: Internationaler Tag der Milch am 1. Juni: „Mit der Kuh auf du und du“ Schüler auf die Höfe und in den Stall „Wo kommt die Milch her? Sind Kühe lila?“ Einmal im Jahr ist dem weißen Saft ein besonderer Tag gewidmet: Am 1. Juni wird jährlich in vielen Ländern der Erde der „Internationale Tag der Milch“ gefeiert. Anlass für den Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptverein, Schulklassen auf die Bauernhöfe einzuladen. „Schaut dem Bauern über die Schulter und der Kuh in den Trog“, appelliert der Hauptvereinsvorsitzende Dieter Hagedorn. Für viele Kinder ließe sich die Herkunft ihrer Nahrungsmittel nur noch bis zum Supermarkt zurückverfolgen. Deshalb lädt der Landwirtschaftsverband anlässlich des Internationalen Tages der Milch auf die Höfe ein. „Die Zeit bis zu den Sommerferien kann gut genutzt werden, um Bauernhöfe zu besuchen und das Klassenzimmer mit dem Kuhstall zu tauschen“, sagt Hagedorn. „Wir laden Schüler aller Altersgruppen und Schultypen ein.“ Kinder und Jugendliche könnten im Stall und auf dem Acker mit allen Sinnen Natur, Umwelt und die Herkunft ihrer Nahrungsmittel erkunden. Pädagogen, die Interesse am „Lernort Bauernhof“ haben, können sich beim Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptverein, Auf der Helle 16, 32052 Herford, Tel: 05221-34 204 10, Mail: info-lag@wlv.de, melden. Informationen gibt es im Internet unter www.wlv.de, Schaltfläche „Lernort Bauernhof“. Dort sind zudem unter der Rubrik „Hof finden“ die Höfe aufgelistet, die in der Region ihre Tore für Schulklassen öffnen.

 

Presse-Kontakt

Daten werden geladen …