Heimische Plakataktion:
Landwirte gegen Schleuderpreise für Lebensmittel

04. April 2016

Bauern fordern bessere Erzeugerpreise

„Vom Lebensmittelpreis an der Ladentheke erhalten die Bauern immer weniger“, erklärt der Hauptvereinsvorsitzende Dieter Hagedorn.

Lippe /WLV (Re) 25 Cent für 1 Liter Milch, 26 Cent von 200 Gramm Wurst, 1 Cent von einem Brötchen – das, was Landwirte für Lebensmittel erhalten, wird immer weniger. Mit Plakaten machen nun die Bauern im Kreis Lippe gegen das Verramschen von Lebensmitteln aufmerksam. Während die Erzeugerpreise der Landwirte gesunken sind, haben sich die Ladenpreise wenig verändert. „Die Spannen verbleiben bei den Vermarktern, Verarbeitern und vor allem bei dem Lebensmitteleinzelhandel“, kritisiert der Vorsitzende des Lippischen Landwirtschaftlichen Hauptvereins Dieter Hagedorn. Gleichzeitig schreiben immer mehr landwirtschaftliche Betriebe rote Zahlen und geraten unter massiven wirtschaftlichen Druck. Nicht wenige fürchten um ihre Existenz.

Mit Plakaten weisen die Bauernfamilien darauf hin, dass Schleuderpreise für Lebensmittel eine nachhaltige Landwirtschaft und eine heimische Lebensmittelerzeugung zu hohen Standards mit Erzeugnissen „Made in Germany“ mittel- und langfristig gefährden. „Wir brauchen Preise, die allen Akteuren der Lebensmittelkette eine Perspektive und vor allem uns Landwirten ein Überleben ermöglicht“, untermauert Hagedorn. Nur noch rund 10 Prozent gab der Verbraucher 2014 für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke aus. Der Anteil der Ausgaben für Lebensmittel an den gesamten Konsumausgaben ist im langjährigen Zeitvergleich deutlich zurückgegangen. Der Grund für diesen Langfristtrend liegt in den Einkommenssteigerungen und in dem unterdurchschnittlichen Anstieg der Nahrungsmittelpreise.

Die Situation der Bauernfamilien ist seit über einem Jahr äußerst angespannt. Die Erzeugerpreise für Milch und Fleisch sind drastisch gefallen und befinden sich auf einem historischen Tiefstand. „Mit Erzeugerpreisen von 0,25 Euro für ein Liter Milch und 1,30 Euro für ein Kilogramm Schweinefleisch können wir nicht wirtschaften“, untermauert der Vorsitzende. Auch mit Blick auf das Jahr 2016 sei keinerlei Trendwende in Sicht. Die derzeitige wirtschaftliche Situation auf den Höfen ist besorgniserregend. Einkommens- und Liquiditätsprobleme haben dramatisch zugenommen. Viele Betriebe sehen ihre Zukunft mit Sorge.

Der Lebensmitteleinzelhandel übt dagegen großen Preisdruck aus. Vier Unternehmen (EDEKA, REWE, ALDI und die Schwarz-Gruppe, also Lidl und Kaufland) teilen sich 85 Prozent des Marktes auf. Lebensmittelpreise stiegen im Laden in den Jahren 2014 und 2015 an, obwohl die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise stark zurückgegangen sind (2014: - 7,4 Prozent, 2015: - 6 Prozent). „Niedrigere Agrarpreise schlagen damit kaum auf die Lebensmittelpreise durch“, bemerkt Hagedorn.

Die heimischen Bauern wollen nachhaltig erzeugen, 77 % der Verbraucher geben an, großes Vertrauen in deutsche Lebensmittel zu haben. Wer aber nachhaltig wirtschaften soll muss auch so entlohnt werden, dass dies möglich ist. Auf Grund hoher gesetzlicher Standards ist eine deutsche Landwirtschaft dem weltweiten Wettbewerb auf Dauer nicht gewachsen. Wer hier ein Ungleichgewicht erzeugt muss entweder einen Ausgleich schaffen oder ehrlich zugeben, dass die landwirtschaftliche Erzeugung in Deutschland nicht mehr gewollt ist. Bauern erzeugen nicht nur heimische Lebensmittel, sie erhalten die Kulturlandschaft, produzieren erneuerbare Energie und sind eine verlässliche Größe im ländlichen Raum. Deshalb fordert der Vorsitzende: „Lebensmittel sind mehr wert und haben ihren Preis!“

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