"Ein stressiges und teures Jahr"

18. September 2018

Erntedankpressekoferenz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis

Kreisgeschäftsführerin Nikola Galla, Kreisverbandsvorsitzender Günter Buttighoffer und Hubertus und Birgit Schulte präsentieren Erzeugnisse des Hofes in Balve.

Märkischer Kreis. Vier Wochen früher als üblich ist in diesem Jahr Ende August die Maisernte gestartet – nur ein Beispiel dafür, wie ungewöhnlich dieser Sommer für die Landwirtschaft war. „Stressig und teuer, aber nicht katastrophal wie in anderen Bundesländern machte die Trockenheit verbunden mit der Hitze das Erntejahr für die heimischen Bauern“ bilanziert Kreisverbandsvorsitzender Günter Buttighoffer bei der diesjährigen Erntedank-Pressekonferenz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis auf dem Betrieb der Familie Schulte in Balve-Leveringhausen. „Ein Grund mehr zum Erntedankfest „Danke“ zu sagen“, so Milchviehhalter Buttighoffer weiter. Aber Familie Schulte hat neben aller Sorge um die Futterversorgung der Tiere auch profitiert:  Der „Schultenhof“ bietet neben Räumlichkeiten für Klassenfahrten und Ferienwohnungen nämlich auch ein Außencafé an und das war in diesem Sommer regelmäßig bis auf den letzten Platz besetzt.

Buttighoffer lässt das Bauernjahr Revue passieren: „Anfang März hatten wir noch 15 Grad Frost, am 9. Mai haben wir den ersten Schnitt einfahren können – zwischen Winter und Frühsommer ist eigentlich der ganze Frühling ausgefallen.“ Sehr gutes Gras habe man ernten können, auch der zweite Schnitt war an Menge und Qualität gut. „Und dann ging es los, es fiel kein Regen mehr und das Gras begann braun zu werden – der dritte und vierte Schnitt sind nahezu ausgefallen, wir haben nur ein Bruchteil der normalen Menge von den Wiesen geholt.“ Nun hoffen die Bauern im Märkischen Kreis eventuell im Herbst noch etwas Gras ernten zu können, um ihre Tiere zu füttern. Buttighoffer: „Mancherorts gibt es noch Restbestände aus 2017, die über die Knappheit hinweghelfen, ansonsten gibt es nur zwei Möglichkeiten: Grundfutter zukaufen oder Tierbestand abstocken.“

Schweinehalter Ulrich Brinckmann aus Iserlohn, zweiter Vorsitzender des Kreisverbandes, ist mit seiner Getreideernte da schon zufriedener: „Meine Scheune ist zu zwei Dritteln gefüllt, wir leben alle noch und werden satt, ich bin zufrieden“ beschreibt er die diesjährige Ausbeute. Und er kann der Trockenheit sogar etwas Positives abgewinnen: „Das Sommerwetter hatte Charme, die Ernte war entspannter als sonst, die Lohnunternehmer hatten nicht solchen Stress wie in den sonstigen Jahren, wo sie kurze Regenlöcher nutzen mussten, um möglichst bei allen Kunden zu dreschen.“

Beim Gemüse sieht er jedoch einen Ausfall von 70 bis 80 Prozent, „der Brokkoli ist regelrecht verbrannt auf den Feldern“. Auch Blumen-, Rot- und Weißkohl seien deutlich kleiner. Die heimischen Kartoffeln seien teilweise sehr klein und schwer aus dem Boden zu holen. Beim Mais müsse man abwarten, wie sich die Ernte und der Preis entwickelten. Denn in einem Fakt stimmt er seinem Kollegen Buttighoffer zu: Die Unterschiede bei den Regenmengen kann man nicht regional oder lokal benennen, sondern „es hat in diesem Jahr punktuelle Regenschauer gegeben.“  Daher habe vor allem der Mais sehr sehr unterschiedliche Menge und Qualität. Und jetzt? Jetzt stehen die Aussaat von Raps, Gerste, Weizen und Triticale an – wenn es denn mal regnet….Noch immer kein Durchatmen für die Landwirte.

Nach solch einem heftigen Jahr voller Sorgen für die Bauern haben die Vorsitzenden des Landwirtschaftliche Kreisverbandes deutliche Forderungen für die Zukunft: „Wir brauchen angemessene Preise für unsere Produkte, damit wir in guten Jahren für schlechtere Zeiten Rücklagen schaffen können. Das ist nicht mit einer Dürrehilfe getan, sondern muss langfristiger gedacht werden.“ Buttighoffer wörtlich: "Wir wollen keine staatliche Dürrehilfe." Um in Zukunft für Extremwetterlagen gewappnet zu sein und einzelbetrieblich besser Vorsorge treffen zu können, werde die Möglichkeit zur Bildung einer steuerlichen Gewinnrücklage gebraucht, so der Kreisverbandsvorstand.

Birgit und Hubertus Schulte wissen auch noch nicht, ob das Raufutter für die Rinder über den ganzen Winter reichen wird. Aber sie haben im Sommer 2018 ein gutes Geschäft im angegliederten Gastronomie-Betrieb gemacht: Birgit Schulte: „Das ist natürlich herrlich, wenn man sich auf das Sommerwetter verlassen kann und jeden Tag mit vollem Kaffeegarten planen kann.“

 

Presse-Kontakt

Kreisverbands-Vize Ulrich Brinckmann hat zur Veranschaulichung Proben seiner Getreideernte mitgebracht

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