Diese Blumen kann man hören:
Insekten tummeln sich zwischen Borretsch und Phacelia

17. Juli 2019

Landwirte haben im Märkischen Kreis über 50 Kilometer Blühstreifen gesät

Im Braachbachtal blüht der Randstreifen derzeit in voller Pracht.

Iserlohn/Märkischer Kreis. Jetzt kann man sie sogar hören, die bunten Blumen: Alle möglichen Insekten tummeln sich in den extra für sie ausgesäten Blühstreifen auf landwirtschaftlichen Flächen. Im Märkischen Kreis auf mindestens 50 km Länge, in ganz Westfalen-Lippe 5.000 Kilometer lang*. Bei Ulrich Brinckmann in Iserlohn-Kalthof sind solche Blühflächen.

„Blühendes Band durch Bauernhand“ heißt die Aktion der Landwirte in Westfalen-Lippe, die in diesem Jahr flächendeckend gestartet wurde (Überblick: https://www.offensive-nachhaltigkeit.de/). Damit setzen die Bauernfamilien ein Zeichen für den Insektenschutz: Es ist zwar praktischer und effizienter für den Landwirt, wenn auf dem gesamten Acker Getreide wächst, aber diese Effizienz gibt zu wenig Lebensraum für Insekten, die ja in der Landwirtschaft auch dringend zum Bestäuben der Pflanzen gebraucht werden. Und so verzichten sie auf einen Teil der Ernte von Getreide, Kartoffeln oder Mais zugunsten von Biene, Schmetterling und Hummel und genießen den Nebeneffekt, dass die Mischung** aus verschiedenen Wildblumen und Kräutern so freundlich bunt aussieht. Zudem finden hier Bodenbrüter Brutflächen und Wildtiere Rückzugsgebiete. Die Samen sind auch Nahrung zahlreicher Vögel.

Für Ulrich Brinckmann, stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis und Schweinehalter und Getreidebauer in Iserlohn, sind die Blühstreifen und Blühflächen ein eindrucksvolles Beispiel für gelebten Artenschutz der heimischen Landwirtschaft. „Die blühenden Streifen erfreuen das Auge, geben aber zu allererst Insekten und anderen Wildtieren Lebensraum und Nahrung“, sagt Brinckmann bei der Zwischenbilanz des Projekts „Blühendes Band durch Bauernhand“ in Iserlohn. Das Projekt ist Teil der „Offensive Nachhaltigkeit“ des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Brinckmann: „ Mit der „Offensive Nachhaltigkeit“ verfolgen wir einen ambitionierten Maßnahmenplan mit zahlreichen Projekten aus allen Bereichen der Landwirtschaft. Diese Blühstreifen sind ein Teil davon.“

Dr. Christina Große-Frericks, deren Familie einen Bauernhof in Iserlohn betreibt, berichtet von einem immer stärker wachsenden Engagement der heimischen Landwirte beim Anlegen von Blühstreifen und Blühflächen. Mindestens neun Hektar Blühstreifen haben die Landwirte im Kreisgebiet angelegt. Große-Frericks erläutert: „Von Reptilien und kleinen Säugetieren werden die Blühstreifen als Wohn- und Nistplatz genutzt, die zudem dort auch Deckung vor Greifvögeln finden. Bei der Mischung haben wir besonders auf eine Zusammensetzung von heimischen Pflanzen mit unterschiedlichen Blühzeitpunkten geachtet, damit den Tieren ein kontinuierliches Nahrungsangebot geliefert wird.“

Die Blühstreifen im Märkischen Kreis sind Teil der landesweiten Aktion. Unterstützt wird diese durch die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft. Da viele Landwirte zusätzlich auf eigene Rechnung Saatgut gekauft haben und der Märkische Kreis auch vielen Landwirten kostenloses Saatgut zur Verfügung gestellt hat, ist das blühende Band durch Bauernhand wohl noch sehr viel länger. Überall – von Menden bis Meinerzhagen, von Schalksmühle bis Plettenberg – sieht man die Zeichen wachsenden Bewusstseins für den Insektenschutz.

*So haben wir gerechnet:
Nach uns vorliegenden Zahlen sind von Landwirten in Westfalen-Lippe in den vergangenen Wochen 30.000 Kilogramm Saatgut für Blühstreifen abgenommen worden. Bei einer geschätzten Saatmenge von 20 kg/ha (empfohlene Menge: 15-20 kg/ha) ergibt dies mindestens eine Fläche von 1.500 Hektar. Umgerechnet auf einen Blühstreifen von 3 Meter Breite entsteht jetzt in Westfalen-Lippe ein blühendes Band von mindestens 5.000 Kilometern.

**Die Blühmischung besteht aus:

  • Buchweizen, nicht steril
  • Rauhafer
  • Öllein
  • Inkarnatklee
  • Phacelia
  • Sonnenblume
  • Wicke
  • Koriander
  • Fenchel
  • Dill
  • Rotklee
  • Futtermalve
  • Borretsch
  • Ringelblume

https://www.kulturlandschaft.nrw/bluehendes-band-durch-bauernhand/

 

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