Mit 200 Kühen im Wasserschutzgebiet – und Nitratwerte vorbildlich

03. Juli 2019

Landwirtschaftlicher Kreisverband: „Wir brauchen keine neue Düngeverordnung, wir brauchen mehr know-how!“

Benjamin Jacob, Christian und Hendrik Vedder, Günter Buttighoffer, Judith Wenzler, Axel Blüm, Ralf Brinkmann und Nikola Galla (v. links) beim Pressetermin auf dem Betrieb Vedder GbR an der Genkeltalsperre.

Meinerzhagen/Märkischer Kreis. Spätestens seit Bekanntwerden der EU-Nitratrichtlinie ist Wasserschutz im Bewusstsein der Allgemeinheit angekommen – in Güntenbecke, einem Ort nahe Meinerzhagen am Rande zum Oberbergischen Kreis, hat man das Thema schon viel länger auf dem Schirm. Schließlich liegen die Wiesen im Einzugsgebiet der Genkeltalsperre, und aus deren Rohwasser der Aggerverband Trinkwasser aufbereitet. Also müssen Dünger und Pflanzenschutzmittel mit besonderem know-how eingesetzt werden, damit der Aggerverband den Verbrauchern exzellentes Trinkwasser zur Verfügung stellen kann. Und die Landwirte in der Gegend können das. Wie, das stellte der Landwirtschaftliche Kreisverband Märkischer Kreis im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) jetzt vor Ort gemeinsam mit dem Aggerverband vor.

 

Günter Buttighoffer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis, macht gleich zu Beginn einen Vorschlag an die Politik: „Die Wasserkooperationen sind Vorreiter in Sachen Landwirtschaft und Gewässerschutz. Das Wissen über Pflanzenschutz und Düngung sowie der Einsatz besonderer Maschinen ist Vorbild für den ganzen Berufsstand. Statt ständig wie im Moment die Düngeverordnung zu verschärfen wäre es wesentlich zielführender, Förderung für besseres know-how und ausgefeiltere Technik flächendeckend anzubieten.“ Zudem gibt der Vorsitzende zu bedenken, dass man nicht alle Systeme überall anwenden könne und warnt vor einer Generalisierung: „Für immer größere Maschinen werden auch immer größere Schlepper gebraucht, um die im Märkischen Kreis stark hängigen Flächen zu erreichen – das geht nicht überall.“

 

Der Aggerverband ist zufrieden mit den Landwirten. Axel Blüm, Leiter des Vorstandsbüros und Klaus Walbeck von der  Abteilung „Talsperren und Fließgewässer“: „Wir kontrollieren die Zuläufe zur Talsperre regelmäßig – derzeit haben wir an allen Messpunkten vorbildliche Werte. Die Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern beugt Konflikten oder Missverständnissen vor. Zudem koordinieren wir die Förderung der erhöhten Bewirtschaftungsauflagen für die Bauern im Schutzgebiet.“

 

Benjamin Jacob, Wasserberater bei der Kooperation „Landwirtschaft/Wasserwirtschaft Bergisches Land“ bei der Landwirtschaftskammer NRW: „Mit der „Kooperation Wasserschutz“ erreichen wir Verbesserungen, die von den Landwirten getragen werden. Die Landwirtschaftskammer berät dabei vorrangig zum effizienten und schonenden Flächenmanagement sowie zu Fördermöglichkeiten der Maßnahmen durch das Land NRW.“

 

Die Praxis vor Ort zeigt Familie Vedder. Hendrik und Vater Christian haben vor fünf Jahren einen neuen Stall gebaut. Dieser steht am Grunde eines Tales, die Flächen des Bauernhofes sind rundherum sichtbar, an teils ziemlich steilen Hängen. Und das Wasser fließt bergab genau in den Einzugsbereich der Talsperre. Hendrik Vedder: „Zur Gülleausbringung nutzen wir Schleppschlauchverteiler, die den Dünger bodennah ausbringen. Dadurch riecht die Gülle wesentlich weniger und die Sache rechnet sich sogar: Wir haben deutlich geringere Stickstoffverluste und eine präzisere Düngung.“ In Güntenbecke geht man jetzt noch weiter: Statt Pflanzenschutzmittel aufzubringen wird das Unkraut im Mais ausgehackt. Aber nicht von Hand. Vater Christian: „Die mechanische Maishacke ist derzeit ein großer Trend. Wir müssen aber erst einmal herausfinden, ob das funktioniert, ob wir nicht zu nicht zuviel Hangabdriftung haben.“

 

Ralf Brinkmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Meinerzhagen/Valbert: „Wir Landwirte in Meinerzhagen tauschen uns natürlich aus. Was hier gemacht wird, war schon Vorbild für viele Berufskollegen. Zum Beispiel die Untersaat unter die Maispflanzen. Diese verhindert die Erosion und sorgt dafür, dass es im Winter grün ist. Zudem bleiben die Reifen sauberer, weil man auf der Grasnarbe fährt. All diese Maßnahmen kosten Geld und sind häufig eine große Umstellung für die Bauernfamilien. Aber Landwirtschaft entwickelt sich immer weiter. Früher haben wir wirklich gedacht viel hilft viel, aber da ist man heutzutage sensibler, wie in allen Bereichen der Gesellschaft das Umweltbewusstsein gewachsen ist. Heute achten wir auch mehr auf Wasserkreisläufe auf unseren Betrieben, sichern  Sickersäfte bei der Silagelagerung und haben „tankstellenartige“ Untergründe für die Gülleentnahme. Das geht natürlich nicht alles konfliktfrei ab und nicht alle machen sofort mit. Da sind vertrauensbildende Maßnahmen wichtig.“

 

Nikola Galla, Geschäftsführerin des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes: „Wir haben Kooperationen im Kreisgebiet überall dort, wo es um Trinkwasserschutz geht und sehen die Erfolge dieser Zusammenschlüsse im vorbeugenden Gewässerschutz. Anders wäre Landwirtschaft im Einzugsgebiet von Trinkwassertalsperren wohl nur mit deutlichen Einschränkungen möglich. Wichtig ist mir aber auch der Hinweis, dass wir im gesamten Kreisgebiet – auch außerhalb der Wasserschutzzonen - keine überhöhten Nitratwerte im Wasser finden. Es geht also darum, vorsorgend darauf hinzuwirken, dass die Gewässerbelastung möglichst gering gehalten wird.“

 Bericht Meinerzhagener Zeitung ( Dateigröße: 608 KB)

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