"Bauernhöfe entwickeln sich immer weiter"

19. September 2019

Erntedank-Pressekonferenz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes

Ulrich Brinckmann, Günter Buttighoffer, Nikola Galla, Carola, Uwe, Johanna und Bastian Klaas.

Bauern haben Mut und Durchhaltevermögen – und immer neue Ideen, Betriebe zu modernisieren und weiter zu entwickeln

Erntedankgespräch des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes

Märkischer Kreis. „Das zweite Trockenjahr in Folge in Verbindung mit Hitze hat die Erträge in der Landwirtschaft erheblich gemindert. Die Katastrophe spielt sich allerdings im Wald ab“ bilanziert Kreisverbandsvorsitzender Günter Buttighoffer bei der diesjährigen Erntedank-Pressekonferenz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis auf dem Betrieb der Familie Klaas in Meinerzhagen-Valbert. „Auch wenn wir trotzdem zu Erntedank Danke sagen möchten, fällt es mir in diesem Jahr schwer. Völlig zu Unrecht steht die Landwirtschaft immer wieder bei vielen Themen als erste am Pranger. Die Menschen scheinen zu vergessen, dass wir verlässlich ausreichend qualitativ hochwertig Lebensmittel produzieren.“ In der Landwirtschaft seien Flexibilität, Mut und Durchhaltevermögen gefragt, um neuerlichen Anforderungen aber auch Wetterextremen zu trotzen, das verdiene Anerkennung. Buttighoffer: „Bauern haben immer neue Ideen, Betriebe zu modernisieren und weiter zu entwickeln“ und verweist auf den heutigen Gastbetrieb der Familie Klaas: Neben der florierenden Eiervermarktung hat sie jetzt am Fuße des Ebbegebirges zwischen Mittel- und Echternhagen einen Hofladen eröffnet.

Erster Schnitt mit Top-Qualität, zweiter gut und dann war Ende

Buttighoffer lässt das Bauernjahr Revue passieren: „Die Niederschläge im Winter und Frühjahr konnten die fehlende Bodenfeuchte des letzten Jahres nicht kompensieren. Dennoch hat uns  der verregnete Mai beim Grünland einen hervorragenden ersten Schnitt beschert: Trotz aller Befürchtungen konnten wir dichtes junges Gras in allerbester Qualität mit sehr guten Mengenerträgen einfahren.“ Auch der zweite Schnitt im Juni habe gute Qualität und ausreichende Menge für die Fütterung der Milchkühe eingebracht. Buttighoffer: „Und dann war Schluss. Das fehlende Wasser hat kein Graswachstum mehr möglich gemacht.“ Beim Heu sei dasselbe passiert: In der Trockenheit konnte eine gute erste Heuernte eingebracht werden, „die zweite steht immer noch auf den Wiesen.“ Buttighoffer erläutert weiter, dass daher in vielen rinderhaltenden Betrieben das Grundfutter fehle. „Aus dem Trockenjahr 2018 waren ja keine Vorräte übrig geblieben. Jetzt muss Grundfutter teuer zugekauft werden.“

Mais hat stellenweise keine Kolben

Jetzt soll der Silomais alles retten: Die Bodenfeuchte ist im Sauerland zwar besser als im Münsterland, aber die Hoffnung auf eine geglückte Maissilage sei sehr unterschiedlich. Der Mais könne sich zwar schnell mit ein paar Regenschauern erholen, aber oft habe er keine Kolben ausgebildet und sei daher als Viehfutter minderwertiger. „Auch in diesem Jahr hat es wieder nur punktuell geregnet, in manchen Ecken ist es aber die ganze Zeit trocken geblieben“, hat der Kreisverbandsvorsitzende beobachtet.

Die Katastrophe spielt sich im Wald ab

Die Katastrophe spiele sich jedoch im Wald ab sagt Buttighoffer weiter: „Die Fakten zur Situation des Waldes sind ja inzwischen bekannt. Er ist dauerhaft geschädigt, wenn nicht sogar auf ewig vernichtet. Die Forstbetriebe, die von der Forstwirtschaft leben, sind am stärksten betroffen. Aber auch wir „Wald-Bauern“, die wir zum Beispiel die Bäume, die unsere Großväter gepflanzt haben, für die Aufstockung der Rente gedacht hatten, müssen auf diese Einkünfte verzichten.“

Getreidescheune ist bei uns randvoll – das ist nicht überall so

Schweinehalter Ulrich Brinckmann aus Iserlohn, zweiter Vorsitzender des Kreisverbandes, hingegen ist mit seiner Getreideernte rundum zufrieden: „Meine Scheune ist randvoll, das gesamte Futter für meine Tiere für das nächste Jahr lagert hier vor unseren Augen.“ Durchweg über alle Getreidesorten -  Gerste, Weizen und Triticale – lobt er eine üppige Ernte: „Qualität und Quantität waren überdurchschnittlich gut, wir haben 80 bis 100 Doppelzentner pro Hektar trocken einfahren können und waren am 6. August mit allem fertig.“ Brinckmann weiß jedoch auch, dass das längst nicht überall so war. „Landesweit lag die Ernte unterhalb des langjährigen Durchschnitts und brachte unterschiedliche Qualitäten, die zu mäßigen Erzeugerpreisen vermarktet werden können.“

Kartoffeln sind kleiner

„Für das Gemüse sieht es böse aus, vieles ist unterentwickelt, einige Obst- und Gemüsesorten sind regelrecht verbrannt. Kartoffeln sind klein, trotzdem natürlich schmackhaft. Eine Chance haben unsere Gemüsebauern noch bei den letzten Herbstsorten bis November“ sagt Brinckmann. Stellenweise werde bereits Bewässerung der Felder getestet, was jedoch teuer sei und sich deshalb später im Preis widerspiegeln müsse.

Schelte Richtung Lebensmittelhandel

Was die Gemüseernte betrifft, so kann der Landwirt aus Iserlohn die Schelte Richtung Lebensmittelhandel nicht verkneifen: „Wir haben ein trockenes Jahr, Kartoffeln und Gemüse werden aber natürlich trotzdem geerntet, sind aber deutlich kleiner. Wenn der Handel immer gleiche Qualitäten haben will, so können wir Landwirte nur den Kopf schütteln: Gucken die eigentlich nie nach draußen?“

Hofladen ist ein neuer Versuch

Zwischen Mittel- und Echternhagen am Rande von Meinerzhagen-Valbert hat Familie Klaas im April diesen Jahres ein Geschäft eröffnet. Einen Bauernhofladen, Schwerpunkt Eier und Fleischvermarktung. Alles direkt vom Erzeuger, Name steht auf jedem Produkt drauf. Und die Hühnerschar dürfen die Kunden sogar aus der Nähe betrachten.

 

 Direktvermarkter im Märkischen Kreis ( Dateigröße: 11 KB)

Presse-Kontakt

Gespräch im Hofladen: Johanna, Bastian und Carola Klaas unterhalten sich mit Ulrich Brinckmann.

Kostbare Erzeugnisse: Wenn es eng wird, packt Uwe Klaas fix beim Eiersortieren mit an.

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