Gipfeltreffen der Bergbauern

06. September 2019

Vorsitzende aus dem Bergland argumentieren gegen eine neuerliche Verschärfung der Düngeverordnung

Hier treffen die drei Kreise aus dem Bergland genau zusammen: im Ort "Ingemerterstraße".

Südwestfalen/Oberberg. In den Grünlandregionen im Sauer- und im Bergischen Land können die Bauern mit den deutschlandweit niedrigsten Nitratwerten von stellenweise unter 10 mg pro Liter aufwarten – dennoch werden sie durch die neue Düngeverordnung abgestraft. „Es gibt Unmut ohne Ende“, betont Günter Buttighoffer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis. Sein Berufskollege Helmut Dresbach, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Oberbergischer Kreis, ergänzt: „Die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Restriktionen für die Düngung von Flächen mit mehr als 10 % Hangneigung sollen nunmehr bereits für Flächen mit einer Hangneigung ab 5 % gelten. Das betrifft in der Region mehr als die Hälfte unserer Flächen  und geht an die Existenz der Betriebe.“ Auch der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Olpe, Michael Richard, beobachtet das Unverständnis der Bauern für die „Panikreaktion aus Berlin“: „Die Kosten für immer größere Lagerkapazitäten von Silage oder auch Wirtschaftsdünger verbunden mit den Gewässerschutzauflagen sind für unsere Betriebe nicht mehr zu stemmen.“

Buttighoffer: „Wir haben diese Situation nicht verursacht“

Günter Buttighoffer beklagt beim gemeinsamen kreisübergreifenden Ortstermin am „Dreiländereck“ der drei Landkreise in Ingemerterstraße: „Wir stehen jetzt hier, weil wir Auflagen bekommen, die alles verteuern, obwohl wir nicht zu den erhöhten Nitratwerten beigetragen haben. Wir arbeiten in Wasserkooperationen und haben selbst bei intensiver Bewirtschaftung vorbildliche Nitratwerte. Wir hier im südlichen Bergland haben diese neue Situation nicht verursacht. Besonders ärgerlich: Ob „rot“ oder „grün“ – so sind die Ergebnisse der Messwerte in Gebiete aufgeteilt - alle sollen die gleichen Einschränkungen erfüllen. Das sehen wir nicht ein.“

Helmut Dresbach: „Wirtschaften fast überall in Hanglagen“

Helmut Dresbach: „Oberberg, Eifel und Sauerland sind von den neuen Auflagen am meisten betroffen, weil wir nahezu überall in Hanglagen wirtschaften. Ausgerechnet da, wo das Wasser tiptop ist, soll die Düngung eingeschränkt werden.

Ein Blick zurück: Die erste Düngeverordnung kam 1996. Da hat der Berufsstand begonnen, einen schärferen Blick auf die Düngung zu richten. Im Jahr 2017 kam die Verschärfung der Düngeverordnung mit zahlreichen neuen Auflagen zum Gewässerschutz. Wir Landwirte sind bereit, immer mehr zur Reinhaltung unseres Wassers beizutragen, aber Nitratwerte im Grundwasser, die über Jahrzehnte entstanden sind, lassen sich nicht in zwei Jahren umdrehen. Grundwasser hat ein langes Gedächtnis. Jetzt soll – wahrscheinlich noch bis Ende Oktober – eine neuerliche drastische Verschärfung der Düngeverordnung in Kraft treten, weil seitens der EU-Kommission bemängelt wird, Deutschland habe nicht genug zur Senkung der Nitratwerte unternommen. Und auch wir hier im sogenannten Bergland leiden unter den Auflagen. Und das, obwohl wir keine „roten“ Gebiete haben.“

Michael Richard: „Bauern werden mit den Kosten allein gelassen“

Michael Richard: „Man muss auch mal die betriebswirtschaftliche Seite der Auflagen betrachten: Die Kosten für immer größere Lagerkapazitäten von Silage oder auch Wirtschaftsdünger verbunden mit den Gewässerschutzauflagen sind für unsere Betriebe nicht mehr zu stemmen. Wir lernen täglich dazu, was unsere Wasserkreisläufe betrifft. Aber die Schäden, die in vielen Jahren durch Nichtwissen entstanden sind, können wir nicht in zwei Jahren wiedergutmachen. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, das know-how aus den Wasserkooperationen und modernste Ausbringungstechnik voran zu bringen, anstatt mit Gesetzen die Landwirte allein zu lassen.“

Presse-Kontakt

Dirk Eckern aus Imhausen zeigt, dass seine flacheste Wiese bereits 15 % Hangneigung hat.

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