Süße vom Acker: Sonnige Tage verhalfen den Früchten zu mehr Süße
Reformvorschläge gefährden heimische Versorgung

09. November 2012

Minden-Lübbecke /wlv (Re) Die Zuckerrüben im Mühlenkreis sind zu etwa zwei Drittel geerntet, teilt der Landwirtschaftliche Kreisverband Minden-Lübbecke mit. Die Verarbeitung – die Gewinnung von Zucker - läuft derzeit auf Hochtouren. „Wir rechnen in diesem Jahr mit einer guten Durchschnitts-Ernte und guten Zuckergehalten“, so der Kreisverbandsvorsitzende und Rübenanbauer Karl-Heinz Becker. Die sonnigen Tage im Spätsommer und Herbst verhalfen den Früchten zu mehr Süße.

„In der Rübenverarbeitung haben wir derzeit Halbzeit“, erklärt Becker. „Etwa die Hälfte der heimischen Rüben sind in den beiden Zuckerfabriken in Ostwestfalen-Lippe in Lage (Kreis Lippe) und in Warburg (Kreis Höxter) inzwischen verarbeitet“. Wie war der Witterungsverlauf? Der Vorsitzende berichtet, dass der zu kalte April zu anfänglichen Wachstumsverzögerungen geführt habe. „Im Jahresverlauf konnten sich die Rübenpflanzen jedoch weitgehend erholen“, erläutert Becker. Allerdings hat regional und auf weniger tiefgründigen Böden die Trockenheit ab August den Zuwachs der Rüben deutlich begrenzt. „Bei günstigeren Wachstumsbedingungen stehen dagegen die Zuckererträge kaum hinter den Rekordergebnissen des Vorjahres zurück“, bekräftigt der Vorsitzende. Die spätsommerliche Sonne habe die Rüben schließlich süßer gemacht und den Zuckergehalt der Rüben überdurchschnittlich ansteigen lassen. Im Vergleich zum fünfjährigen Mittel liege der Ertrag auf gutem Niveau.

Sorgen bereitet den Rübenanbauer allerdings die geplante Abschaffung der Zuckerquoten nach der Kampagne 2014. „Unsere Versorgung aus heimischer Erzeugung wäre nicht mehr gewährleistet“, betont Becker. „Die Quoten garantieren in der EU eine Eigenversorgung mit Zucker von zumindest 85 % und sind daher ein Sicherheitsnetz für Rübenbauern und Verbraucher.“ Er befürchtet, dass ein Wegfall der Zuckerquoten in Europa zunehmend abhängig mache von überseeischen Exporteuren und die Verbraucher ungeschützt den Preisschwankungen des Weltmarktes ausliefern werde. Ferner würde der Rübenanbau in der Region seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

Übrigens: Zucker entsteht zwar in vielen Pflanzen, aber die Zuckerrübe gehört zu den wenigen Pflanzen, die den Zucker als Energiereserve speichern und direkt als Naturprodukt liefern kann. Eine Rübe ist allerdings nicht nur süß, sie kann noch viel mehr: „Eine Fläche Zuckerrüben von 12 x 12 m erzeugt so viel Sauerstoff wie eine Person ein Jahr lang benötigt“, unterstreicht der Vorsitzende. „Zuckerrüben tragen erheblich zur Verbesserung der Luft bei.“ Ein Hektar mit ca. 80.000 Pflanzen würde etwa 26 t Kohlendioxid binden und ca. 13.000 m³ Sauerstoff produzieren.

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