Hüllhorster Bürgermeister bekommt Erntekrone

02. September 2013

Unsere Lebensmittel sind kostbar, vielseitig verwendbar und gesund

Minden-Lübbecke/WLV (Re): Eine stattliche Erntekrone war es, die der Hüllhorster Bürgermeister Wilhelm Henke am Sonntag (1. 9. 2013) vom Kreislandfrauenverband und Landwirtschaftlichen Kreisverband bekam. Das Erntesymbol wurde im Rahmen der KreisLandfrauen-Aktion Land (er)fahren, an der über 700 Personen teilnahmen, auf dem Hof der Familie Jutta und Christof Meyer zu Kniendorf übergeben. Nach dem Gottesdienst auf der prächtig geschmückten Fachwerkdeele in Hüllhorst-Oberbauerschaft sprachen der Landrat Dr. Ralf Niermann, die Kreislandfrauenvorsitzende Marlies Klocke und der Kreisverbandsvorsitzende Karl-Heinz Becker.

Die Erntekrone ist kultureller Bestandteil unserer Geschichte und unserer Gegenwart, führt Marlis Klocke ein. Und das Erntedankfest ist für uns Bauernfamilien kein folkloristisches Medienevent, sondern ein Höhepunkt im Ablauf eines Jahres. Nach 12 Monaten harter Arbeit, nach Saat, Pflege und Ernte und manchen Rückschlägen sei es die Zeit, Gott zu danken, dass die Ernte trotz manch widriger Witterung wieder eingebracht werden konnte. Erntedank zu feiern sei eine schöne Tradition, die die Jahrhunderte überdauert habe und heute aktueller denn je sei: Die Vorsitzende erinnert an das Hochwasser in Süd- und Ostdeutschland. Die Flut habe vielen Menschen ihre Existenz vernichtet. Sie verweist auf Trockenheit und Hagel in der Region mit erheblichen Schäden an Obst, Gemüse und Getreide.

Die Vorsitzende macht deutlich, dass Landwirte und Landfrauen sich als Sachwalter des ländlichen Raumes verstehen. Der grüne Berufsstand bewirtschaftete 80 % der Fläche in Deutschland. Wir sehen uns als lebendigen Teil unserer Wirtschaft und Gesellschaft, ergänzt Klocke. Bauern und Bäuerinnen hätten einen besonderen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung, dessen sie sich sehr bewusst seien. Das Erntedankfest solle daher auch Anlass sein, dass Landwirtschaft, Verbraucher, Politiker und Interessenvertreter diesen gemeinsamen Auftrag in den Blick nehmen. Weiter spricht die Vorsitzende die Diskrepanz zwischen den gesellschaftlichen Ansichten und Meinungen von der heutigen Landwirtschaft und deren Realität an. Klocke: Statt sich mit dem Thema Landwirtschaft objektiv auseinander zu setzen, wird allzu oft versucht, die Wirklichkeit an die idyllischen Vorstellungen anzupassen.

Der Kreisverbandesvorsitzende Karl-Heinz Becker erinnert in seiner Rede daran, dass die Ernte keineswegs von selbst komme. Allzu oft werde von der Bevölkerung vergessen, dass die Bauern mit viel Fleiß und Arbeit Produkte erzeugen, die alle brauchen  Lebensmittel, die unverzichtbar sind. Becker: Daher sollten wir alle dankbar sein, in einer Gemeinschaft zu leben, in der es an Nichts fehle. Mehr als 170 000 verschiedene Lebensmittel ständen in den Supermärkten im Regal. Sie seien immer verfügbar und zum Großteil für alle Verbraucher bezahlbar. Trotzdem lasse der Umgang mit den Nahrungsmitteln zu wünschen übrig: Sieben Millionen Tonnen landen in Deutschland jedes Jahr im Müll, mahnt Becker. Dies sei ein Zeichen unserer Überflussgesellschaft. Die respektvolle Verwendung muss uns wieder bewusst werden, fordert der Vorsitzende. Es lohne sich, denn unsere Lebensmittel sind kostbar, vielseitig verwendbar und gesund.

Mit Blick auf das oftmals verzerrte Bild, das in der Öffentlichkeit von der Landwirtschaft gezeichnet wird, findet der Vorsitzende klare Worte: Wir möchten mit Transparenz einen Dialog führen. Wir wollen die Menschen mitnehmen und ihnen den ständigen Wandel verdeutlichen, dem auch der grüne Berufszweig wie jeder anderer Wirtschaftszweig unterliegt. Dies könne beispielsweise mittels Gespräche, Hofbesuche und Hofführungen erfolgen, die der Berufsstand anbiete. Wir sind Bauern mit Leib und Seele, wir leben und arbeiten mit Leidenschaft, untermauert Becker. Nachhaltiges Denken und Handeln hat für uns einen hohen Stellenwert. Doch nur gesunde Höfe seien in der Lage, das zu leisten, was die Gesellschaft wolle. Deshalb brauche die grüne Berufsparte gesellschaftliche Anerkennung, politische Unterstützung und Verlässlichkeit. Die Berufsvertreter appellieren an die Politik, die heutige Landwirtschaft durch Rahmenbedingungen zu begleiten, die eine nachhaltige betriebliche Planung ermöglichen.

Erntebilanz

Weiter zog der Vorsitzende Becker eine Erntebilanz. Wir konnten eine zufriedenstellende Ernte allerdings mit schlechteren Preisen als im Vorjahr einfahren.

Die Witterung war in diesem Jahr von einem langen, kalten Winter, einem kühlem Frühjahr sowie einer Hitzewelle zu Erntebeginn im Juli geprägt. Teilweise beeinträchtigten regional Starkniederschläge und Hagel die Ackerkulturen. Durch den langen und kalten Winter starteten die Kulturen mit einer Verzögerung von zwei, teilweise sogar vier Wochen in den Frühling, erklärt Becker. Dieser Rückstand konnte im kühlen und feuchten Frühjahr auch nur zum Teil aufgeholt werden, so dass die Ernte in weiten Teilen des Kreises etwa 10 bis 14 Tage später begann.

Da die Wintergerste naturgemäß als erste Getreidekultur gedroschen wird, konnte sie in diesem Jahr unter guten Erntebedingungen eingebracht werden. Die Erträge liegen im guten Durchschnitt, schwanken jedoch regional. Ähnlich sieht es bei Roggen, Triticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen) und Hafer aus: Die Bauern konnten hier ebenso eine zufriedenstellende Ernte einfahren.

Der letzte Raps sei, so der Vorsitzende, in diesen Tagen gedroschen worden. Becker: Die Ernte fiel nach einem schwierigen Vegetationsverlauf aber noch ordentlich aus, allerdings mit regionaler Spannbreite. Ebenso konnte die Weizenernte im Mühlenkreis, nach einer Unterbrechung aufgrund durchwachsener Witterung, in dieser Woche weitgehend abgeschlossen werden. Die Erträge sind durchaus zufriedenstellend, freut sich der Vorsitzende. Die Bauernweisheit Mai kühl und nass, füllt des Bauern Scheun und Fass, habe sich in diesem Jahr beim Weizen bewahrheitet: Im Mai wird im Getreide das Korn ausgebildet, berichtet Becker. Sei diese Phase lang und bekomme die Pflanze genügend Nährstoffe und Wasser, sei das eine gute Voraussetzung für die Pflanzen. Die Erntebedingungen beim Weizen waren zunächst sehr gut, schildert der Vorsitzende. Der Regen, der den Erntefortschritt dann verzögert habe, sei allerdings für Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben gut gewesen. Diese Ackerkulturen brauchten dringend Wasser. Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben weisen allerdings nur einen befriedigenden Wachstumsstand auf. Wir erwarten hier keine Spitzenerträge, erläutert der Vorsitzende. Der Mais sehe in der Region je nach Bodenqualität sehr unterschiedlich aus. Auch die Kartoffeln hätten mit dem ungünstigen Wetter zu kämpfen gehabt. Ebenso seien bei den Zuckerrüben die ersten Proberodungen deutlich schwächer ausgefallen als im Mittel der letzten Jahre.

Des weiterem mussten sich gerade die Obst- und Gemüsebauern in diesem Jahr mit unterdurchschnittlichen Erntemengen und Qualitäten zufrieden geben.

Foto: Marlis Klocke - Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes Minden-Lübbecke, Wilhelm Henke - Bürgermeister der Gemeinde Hüllhorst, Dr. Ralf Niermann - Landrat des Kreises Minden-Lübbecke und Karl-Heinz Becker - Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisbandes Minden-Lübbecke

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