Raiffeisen-Präsident Franz-Josef Holzenkamp: „Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern ist unverzichtbar“

26. November 2018

Kreisverbandstag der Münsteraner Landwirte auf Gut Havichhorst

Münster <WLV> Im Rahmen des diesjährigen Kreisverbandstages auf Gut Havichhorst in Münster-Handorf erinnerten sich rund 150 Landwirtinnen und Landwirte aus Münster an das vergangene Jahr: Nach einem Jahr, das stark geprägt war von der extremen Dürre und Hitze, war die Ernte teils deutlich kleiner als in den Vorjahren. Die Münsteraner Landwirte hatten schon während der Getreideernte deutlich gemacht, dass der Berufsstand keine Nothilfen vom Staat wolle, sondern sich vielmehr bessere Möglichkeiten für eigenbetriebliche Risikovorsorge wünscht.

Gastredner Franz-Josef Holzenkamp, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), betonte, dass Genossenschaften in der Agrarwirtschaft seit ihrer Erfindung vor etwa 150 Jahren nichts an ihrer Bedeutung verloren hätten: „Unsere genossenschaftlich orientierten Unternehmen sind die Wirtschaftskraft von nebenan. Sie agieren gleichermaßen erfolgreich auf regionalen und weltweiten Märkten und haben so im vergangenen Jahr gemeinsam einen Umsatz von 63 Milliarden Euro erwirtschaftet. Seit Friedrich Wilhelm Raiffeisen die Genossenschaft erfunden hat, hat sich vieles verändert, sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich. Geändert haben sich aber nur die Formen, der Grundgedanke des gemeinschaftlichen Wirtschaftens bleibt bestehen.“

„In diesem Jahr hat uns auch das Thema Flächenverbrauch intensiv beschäftigt, denn mit Justizvollzugsanstalt, Infrastrukturmaßnahmen, Wohnbebauung und neuen Gewerbegebieten und zusätzlichen Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen ist die Nachfrage nach Flächen in der wachsenden Stadt groß. Landwirtschaftsflächen sind dafür vielfach gefragt, gleichzeitig brauchen wir unsere wertvollen Äcker, um gesunde und qualitativ hochwertige Nahrungsmittel weiterhin vor Ort zu produzieren“, machte Susanne Schulze Bockeloh, Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Münster, beim Kreisverbandstag deutlich.

Der Schutz wertvoller landwirtschaftlicher Flächen spielt insbesondere auch für den Nachwuchs eine zentrale Rolle, da Äcker die Grundlage der Landwirtschaft bilden. Auf dem Podium diskutierten Johanna Greve-Taphorn (30 Jahre, Schweinemästerin aus Handorf), Alexander Kreuzheck (27 Jahre, Sauenhalter und Rindermäster aus Gievenbeck) und Christof Konermann (21 Jahre, Sauenhalter und Ferkelzüchter aus Amelsbüren) gemeinsam mit Moderatorin Nina Sehnke über Herausforderungen der modernen Landwirtschaft. „An uns Junglandwirte werden bei Übernahme der Höfe besondere Herausforderungen gestellt. Tierschutz  und Tierwohl stehen für uns dabei im Fokus. Es gilt auch, die Familienbetriebe zukunftsfähig aufzustellen, zum Beispiel durch den Aufbau neuer Betriebsbereiche wie einer Direktvermarktung“, machte Alexander Kreuzheck deutlich.

Auch künftig wollen die Münsteraner Bauernfamilien den Dialog über die moderne Landwirtschaft mit den Verbrauchern suchen. Hierzu wurde zum Jahresende ein „Grünes Sofa“ angeschafft, das künftig das Dialogangebot der Landwirte auch optisch unterstreichen soll und bei diversen Veranstaltungen im Stadtgebiet zum Einsatz kommen soll. Auf dem Kreisverbandstag wurde es nun offiziell „eingeweiht“, als Oberbürgermeister Markus Lewe und Gastredner Franz-Josef Holzenkamp darauf Platz nahmen. DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp machte deutlich, wie wichtig es sei, dass die Landwirtschaft mit den Verbrauchern im Dialog bleibe. „Leider kennen heutzutage viele Menschen die Landwirtschaft nicht mehr aus eigener Anschauung und aus Nichtwissen entstehen Vorurteile. Das ist ein Problem, dem alle Teile in der Wertschöpfungskette Agrarwirtschaft begegnen müssen“, so Holzenkamp.

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