Olper Blühstreifen auch in der Weihnachtsbaumkultur

18. Juli 2019

Neue Ideen zur Verschönerung des Landschaftsbildes

Michael Richard, Lisa Sternberg Gerhard und Bettina Höniger (v. links).

Lennestadt/Kreis Olpe. Jetzt kann man sie sogar hören, die bunten Blumen: Alle möglichen Insekten tummeln sich in den extra für sie ausgesäten Blühstreifen auf landwirtschaftlichen Flächen. Im Kreis Olpe auf mindestens zehn Kilometern Länge, in ganz Westfalen-Lippe 5.000 Kilometer lang*. Bei Lisa Sternberg in Lennestadt sind solche Blühflächen ebenso wie bei Gerhard Höniger in Altenvalbert.

„Blühendes Band durch Bauernhand“ heißt die Aktion der Landwirte in Westfalen-Lippe, die in diesem Jahr flächendeckend gestartet wurde (Überblick: https://www.offensive-nachhaltigkeit.de/). Damit setzen die Bauernfamilien ein Zeichen für den Insektenschutz: Es ist zwar praktischer und effizienter für den Landwirt, wenn auf dem gesamten Acker Getreide wächst, aber diese Effizienz gibt zu wenig Lebensraum für Insekten, die ja in der Landwirtschaft auch dringend zum Bestäuben der Pflanzen gebraucht werden. Und so verzichten sie auf einen Teil der Ernte von Getreide, Kartoffeln oder Mais zugunsten von Biene, Schmetterling und Hummel und genießen den Nebeneffekt, dass die Mischung** aus verschiedenen Wildblumen und Kräutern so freundlich bunt aussieht. Zudem finden hier Bodenbrüter Brutflächen und Wildtiere Rückzugsgebiete. Die Samen sind auch Nahrung zahlreicher Vögel.

Für Lisa Sternberg, Landwirtin aus Lennestadt, sind die Blühstreifen und Blühflächen ein eindrucksvolles Beispiel für gelebten Artenschutz der heimischen Landwirtschaft. „Die blühenden Streifen erfreuen das Auge, geben aber zu allererst Insekten und anderen Wildtieren Lebensraum und Nahrung“, sagt Sternberg bei der Zwischenbilanz des Projekts „Blühendes Band durch Bauernhand“ in Lennestadt. Das Projekt ist Teil der „Offensive Nachhaltigkeit“ des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Michael Richard, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Olpe: „ Mit der „Offensive Nachhaltigkeit“ verfolgen wir einen ambitionierten Maßnahmenplan mit zahlreichen Projekten aus allen Bereichen der Landwirtschaft. Diese Blühstreifen sind ein Teil davon.“

Richard berichtet von einem immer stärker wachsenden Engagement der heimischen Landwirte beim Anlegen von Blühstreifen und Blühflächen. Mindestens drei Hektar Blühstreifen haben die Landwirte im Kreisgebiet angelegt. Richard erläutert: „Von Reptilien und kleinen Säugetieren werden die Blühstreifen als Wohn- und Nistplatz genutzt, die zudem dort auch Deckung vor Greifvögeln finden. Bei der Mischung haben wir besonders auf eine Zusammensetzung von heimischen Pflanzen mit unterschiedlichen Blühzeitpunkten geachtet, damit den Tieren ein kontinuierliches Nahrungsangebot geliefert wird.“

Eine andere Idee hatte Gerhard Höniger aus Altenvalbert: Nach der Ernte eines Weihnachtsbaumfeldes lässt er für gewöhnlich die Fläche ein Jahr ruhen. Diesmal hat er allerdings die Blühmischung eingesät. Das sieht wunderschön aus und dient nebenbei auch dem Erosionsschutz. Höniger: „Einige der Blumen wurzeln bis zu einem Meter tief“. Er hält die Aktion für nachahmenswert für andere Weihnachtsbaumanbauer. „Der Anblick lockert die sonst eher langweiligen Weihnachtsbaumkulturen auf, ist eine große Bereicherung fürs Landschaftsbild.“

Die Blühstreifen im Kreis Olpe sind Teil der landesweiten Aktion. Unterstützt wird diese durch die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft. Da viele Landwirte zusätzlich auf eigene Rechnung Saatgut gekauft haben, ist das blühende Band durch Bauernhand wohl noch sehr viel länger. Überall – von Drolshagen bis Kirchhundem, von Finnentrop bis Wenden – sieht man die Zeichen wachsenden Bewusstseins für den Insektenschutz.

*So haben wir gerechnet:
Nach uns vorliegenden Zahlen sind von Landwirten in Westfalen-Lippe in den vergangenen Wochen 30.000 Kilogramm Saatgut für Blühstreifen abgenommen worden. Bei einer geschätzten Saatmenge von 20 kg/ha (empfohlene Menge: 15-20 kg/ha) ergibt dies mindestens eine Fläche von 1.500 Hektar. Umgerechnet auf einen Blühstreifen von 3 Meter Breite entsteht jetzt in Westfalen-Lippe ein blühendes Band von mindestens 5.000 Kilometern.

**Die Blühmischung besteht aus:

  • Buchweizen, nicht steril
  • Rauhafer
  • Öllein
  • Inkarnatklee
  • Phacelia
  • Sonnenblume
  • Wicke
  • Koriander
  • Fenchel
  • Dill
  • Rotklee
  • Futtermalve
  • Borretsch
  • Ringelblume

https://www.kulturlandschaft.nrw/bluehendes-band-durch-bauernhand/

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