Erntejahr verlief nicht optimal

07. Oktober 2019

Erntedankgespräch des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes

Hildegard Hansmann-Machula, Michael Richard und Bernd Eichert vom Landwirtschaftlichen Kreisverband Olpe auf dem Betrieb von Anne und Bernd Kaiser (von links) in Attendorn-Keseberg

Erntejahr verlief nicht optimal

Erntedankgespräch des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes

Kreis Olpe. „Das zweite Trockenjahr in Folge in Verbindung mit Hitze hat die Erträge in der Landwirtschaft erheblich gemindert. Die Katastrophe spielt sich allerdings im Wald ab“ bilanziert Kreisverbandsvorsitzender Michael Richard bei der diesjährigen Erntedank-Pressekonferenz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Olpe auf dem Betrieb der Familie Kaiser in Attendorn-Keseberg: „Auch wenn wir trotzdem zu Erntedank Danke sagen möchten, fällt es mir in diesem Jahr schwer. Völlig zu Unrecht steht die Landwirtschaft immer wieder bei vielen Themen als erste am Pranger.“

Regelungswut der Behörden

Der Kreisverbandsvorsitzende führt weiter aus: „Die Menschen scheinen zu vergessen, dass wir verlässlich ausreichend qualitativ hochwertig Lebensmittel produzieren.“ In der Landwirtschaft seien Flexibilität, Mut und Durchhaltevermögen gefragt, um neuerlichen Anforderungen aber auch Wetterextremen zu trotzen, das verdiene Anerkennung. Richard: „Aber die Regelungswut der Behörden macht uns mürbe. Ordnungsrecht ohne Ende, Aktionsprogramm Insektenschutz, Tierwohl-Label, Mittelumschichtung in die zweite Säule oder das seit Monaten diskutierte neue Düngepaket: Die Bauern im Kreis Olpe sind empört über die Ignoranz, mit der ordnungsrechtliche Maßnahmen für alle Bereiche des Wirtschaftens auf Hof und Feld von der Politik rücksichtslos vorangetrieben werden.“

Erster Schnitt mit Top-Qualität, zweiter gut und dann war Ende

Richard lässt das Bauernjahr Revue passieren: „Die Niederschläge im Winter und Frühjahr konnten die fehlende Bodenfeuchte des letzten Jahres nicht kompensieren. Dennoch hat uns  der verregnete Mai beim Grünland einen hervorragenden ersten Schnitt beschert: Trotz aller Befürchtungen konnten wir dichtes junges Gras in allerbester Qualität mit sehr guten Mengenerträgen einfahren.“ Auch der zweite Schnitt im Juni habe gute Qualität und ausreichende Menge für die Fütterung der Milchkühe eingebracht. Richard: „Und dann war Schluss. Das fehlende Wasser hat kein Graswachstum mehr möglich gemacht.“ Beim Heu sei dasselbe passiert: In der Trockenheit konnte eine gute erste Heuernte eingebracht werden, „die zweite steht immer noch auf den Wiesen.“ Richard erläutert weiter, dass daher in vielen rinderhaltenden Betrieben das Grundfutter fehle. „Aus dem Trockenjahr 2018 waren ja keine Vorräte übrig geblieben. Jetzt muss Grundfutter teuer zugekauft werden.“ Kleiner (ironischer) Lichtblick: „Aber die Champignon-Ernte auf den Wiesen war reichlich!“

Mais hat stellenweise keine Kolben

Jetzt soll der Silomais alles retten: Die Bodenfeuchte ist im Sauerland zwar besser als im Münsterland, aber die Hoffnung auf eine geglückte Maissilage sei sehr unterschiedlich. Der Mais könne sich zwar schnell mit ein paar Regenschauern erholen, aber oft habe er keine Kolben ausgebildet und sei daher als Viehfutter minderwertiger. „Auch in diesem Jahr hat es wieder nur punktuell geregnet, in manchen Ecken ist es aber die ganze Zeit trocken geblieben“, hat der Kreisverbandsvorsitzende beobachtet.

Die Katastrophe spielt sich im Wald ab

Die Katastrophe spiele sich jedoch im Wald ab sagt der Kreisverbandsvorsitzende weiter: „Die Fakten zur Situation des Waldes sind ja inzwischen bekannt. Er ist dauerhaft geschädigt, wenn nicht sogar auf ewig vernichtet. Die Forstbetriebe, die von der Forstwirtschaft leben, sind am stärksten betroffen. Aber auch wir „Wald-Bauern“, die wir zum Beispiel die Bäume, die unsere Großväter gepflanzt haben, für die Aufstockung der Rente gedacht hatten, müssen auf diese Einkünfte verzichten.“

Getreidescheunen sind gut gefüllt – das ist nicht überall so

Mutterkuhhalter Bernd Eichert aus Wenden, zweiter Vorsitzender des Kreisverbandes, hat sich bei Berufskollegen zur Getreideernte umgehört: Stellenweise seien sie mit der Getreideernte rundum zufrieden: „Manche Scheune ist gut gefüllt, das Futter für die Tiere für das nächste Jahr konnte eingebracht werden.“ Durchweg über alle Getreidesorten -  Gerste, Weizen und Triticale – lobt er eine üppige Ernte: „Qualität und Quantität waren überdurchschnittlich gut.“ Eichert weiß jedoch auch, dass das längst nicht überall so war. „Landesweit lag die Ernte unterhalb des langjährigen Durchschnitts und brachte unterschiedliche Qualitäten, die zu mäßigen Erzeugerpreisen vermarktet werden können.“

Blauzungenkrankheit ist nicht ausgebrochen

Bernd Eichert richtet sein Augenmerk noch auf ein anderes Thema: „Viele Rinderhalter zeigen ihren Unmut über die Einschränkungen beim Kälberhandel durch die Vorsorge vor der Blauzungenkrankheit. Eichert: „Es hat keinen Ausbruch der Krankheit gegeben und wir wünschen uns, dass das Restriktionsgebiet aufgehoben wird und wir unsere Kälber wieder verkaufen können.“

Weniger Gras auch in Keseberg

Familie Kaiser in Keseberg lebt von der Milch. Daneben verkaufen Bernd und Anne Kaiser Weihnachtsbäume und Kartoffeln im kleineren Rahmen. Auch sie haben in diesem Jahr weniger Gras für ihre Kühe ernten können. Beim Betriebsrundgang zeigt Bernd Kaiser die Futtervorräte.

 

Presse-Kontakt

Daten werden geladen …