Die Grillsaison auf der Landesgartenschau
offiziell eröffnet
Wie steht es um Tierwohl und Zukunftsstrategien?

27. April 2017

Die Grillsaison ist auf der Landesgartenschau offiziell eröffnet worden (von links nach rechts): Hermann Seeker (stellvertretender Bezirksverbandsvorsitzender), Hubertus Beringmeier (Bezirksverbandsvorsitzender), Eventkoch Christoph Klare und Wilhelm Brüggemeier (WLV-Vizepräsident)

WLV (Re) Mit der schönen Jahreszeit beginnt sie wieder - die Grillzeit. Der Landwirtschaftliche Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe hat die Grillsaison auf der Landesgartenschau in Bad Lippspringe beim „Treffpunkt Landwirtschaft“ im Rahmen des deutschlandweiten Aktionstages des Deutschen Bauernverbandes am Mittwoch (26. April 2017) eröffnet. Verschiedene Grillshows mit Zubereitung vom Grillgut bis zur Grillsauce, vielen kreativen Rezepten, umfassender Warenkunde sowie Tipps und Tricks … vom Grillmärchen bis zur wahren Geschichte sind von den Besuchern interessiert aufgenommen worden. Auch der General-Caterer der Gartenschau hatte an diesem Tag Gegrilltes für die Besucher im Programm.

Grillen ist voll im Trend. Unter dem Stichwort „Grillen 2.0“ hat sich mit enormer technischer Aufrüstung die Neuerfindung des Barbecues vollzogen. Schon Frühmenschen bruzelten Fleisch am Feuer. Doch heute ist diese alte Kulturtechnik zum „Livestyle“ geworden. Das spiegeln nicht nur die Erfolge verschiedener Hochglanz-Magazine zum Thema Fleisch wieder. Vom Profi- bis hochpreisigen Premiumgrill der neuesten Generation: Die „German Barbecue Association“ schätzt den Umsatz, der 2016 allein mit Grill-Zubehör gemacht wurde, auf rund 1.2 Milliarden Euro. Der Umsatz des Grillgutes ist darin nicht enthalten. „Grillen ist eine der beliebtesten Freizeit-Beschäftigungen der Deutschen nicht nur in der warmen Jahreszeit“, berichtet der Bezirksverbandsvorsitzende Hubertus Beringmeier. Neben Wintergrillen seien Gourmetgrillen, Grillseminare und Grillschule angesagt – Experten würden sogar von der trendigen Akademisierung der alten Zubereitungstechnik sprechen. Ein weiterer Wandel in der Grillkultur: „Die Herkunft des Grillguts spielt eine viel größere Rolle als noch vor zehn Jahren“, so der Vizespräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes Wilhelm Brüggemeier. „Diese Entwicklung begrüßen wir.“ Den teuersten Grill, aber das billigste Steak, dass passe doch nicht zusammen. Lebensmittel seien mehr wert, gute Qualität „Made in Germany“ hätte nun mal ihren Preis. Das Bestreben mit der Angrill-Aktion sei auch, den Mehrwert von deutschen Erzeugnissen für den Verbraucher herauszustellen. Es gelte nicht nur über Nachhaltigkeit zu reden und sie zu fordern, sondern auch, danach zu handeln.

Tierschutz, Tiergesundheit, Tierwohl und Zukunftsstrategien– rund um diese Thematik informierte der Landwirtschaftlichen Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe weiter im Pressegespräch. „Unter dem Motto ‚Veränderung gestalten‘ sind wir Landwirte für eine sinnvolle Weiterentwicklung der Tierhaltung offen“, so Beringmeier. „Doch wir Bauern schaffen uns nicht selbst ab.“ Landwirte müssen in einem Spagat zwischen Verbrauchererwartungen, globalen Märkten und ökonomischen Zwängen agieren. Sie würden mit immer höheren Anforderungen konfrontiert. Auf der einen Seite wüchsen die Ansprüche an eine Tierhaltung und an den Naturschutz enorm. Immer mehr Auflagen erhöhten die Kosten der Erzeugung. Auf der anderen Seite seien der Lebensmittelhandel und die Ernährungswirtschaft bisher kaum bereit, solche Qualitäten und Produktionsprozesse zu honorieren, die den Verbrauchererwartungen entgegenkommen.

Als das erfolgreichste Beispiel für solche Verbesserungen in Nutztierställen nannte Dr. Bernhard Schlindwein, Referent für Tierhaltung beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) die Initiative Tierwohl (ITW). Während bisherige Labels lediglich geringfügige Marktanteile erreicht hätten, sei es mit der Initiative Tierwohl erstmals gelungen, höhere Tierwohlstandards außerhalb der Marktnische zu etablieren. Die tiergerechtere Haltung komme 14 Millionen Schweinen und 235 Millionen Hähnchen und Puten zugute. Dass nun geplante zusätzliche staatliche Tierwohllabel dürfe diesen erfolgreichen Ansatz nicht gefährden. „Dass die Initiative Tierwohl in der Breite der Tierhaltung in kurzer Zeit so umgesetzt werden konnte, ist bisher noch keiner Organisation und keinem Label gelungen“, bemerkt Dr. Schlindwein. Daher sollte das staatliche Label mit der Initiative Tierwohl verzahnt und vorhandene Strukturen genutzt werden. „Wir unterstützen die Ausgestaltung des Labels und sehen dieses als mögliche Ergänzung zur Initiative Tierwohl“, unterstreicht der Fachmann. „Wir sind der Auffassung, dass das staatliche Label nur dann erfolgreich am Markt sein kann, wenn die Initiative Tierwohl auf deutlich breiteren Füssen gestellt wird.“ Die Bauern bräuchten keine zusätzliche Bürokratie und komplizierte Organisationsstrukturen. Der Verband sieht die Initiative Tierwohl (ITW) weiter auf einer sicheren vertraglichen Basis. So wurde Ende 2016 eine Verlängerung bis 2020 beschlossenen. Getragen wird die Initiative Tierwohl ab 2018 nach derzeitigem Stand von ALDI Nord, ALDI Süd, EDEKA, Kaufland, LIDL, Netto, Penny, REWE und Wasgau. Das Handelsunternehmen Real ist bis zum Ende der ersten Vertragsperiode am 31.12.2017 Partner der ITW. Zum Hintergrund: „Bei der Initiative wollten mehr Landwirte mitmachen als erwartet, das Geld reichte aber nur für die Hälfte der Antragssteller. Die Marktbeteiligten haben sich Ende letzten Jahres geeinigt, dass die Initiative Tierwohl für 2018 bis 2020 mit mehr Geld ausgestattet wird und die über 2.000 wartenden Schweinehalter auch an der Initiative Tierwohl teilnehmen können. Bei der Initiative bekommt der Landwirt einen Kostenausgleich für Maßnahmen, die über das gesetzliche Maß hinausgehen wie mehr Platz, größere Fenster und mehr Lebensqualität für ihre Tiere.

Vizepräsident Wilhelm Brüggemeier verdeutlichte zudem, dass gesellschaftlich und politisch verlangte Veränderungen nicht dazu führen dürften, dass die Höfe überfordert oder dass die Tierhaltung gar aus Deutschland verdrängt würde. Es dürfe nicht vergessen werden: Deutschland habe einen sehr hohen Standard und verfüge über eines der strengsten Tierschutzgesetzte weltweit! Klar müsse auch sein, dass solche Verbesserungen für die Konsumenten nicht zum Nulltarif zu haben seien. „Hinsichtlich nichtkurativer Eingriffe setzen wir auf technische Innovationen, mit denen der Tierschutz in der Praxis vorangebracht werden kann, ohne dass die Wirtschaftlichkeit der Tierhaltung leidet“, betont Beringmeier. Er unterstreicht abschließend: „Wir befinden uns in einem steten Wandel mit dem Ziel, das Wohl der Tiere zu verbessern.“ Entwicklungen müssten auf der Grundlage der Beobachtungen und Erfahrungen der Landwirte in Kombination mit wissenschaftlichen Erkenntnissen stattfinden.

Presse-Kontakt

Um die Themen Tierschutz, Tiergesundheit, Tierwohl informierte der Landwirtschaftsverband in einem Pressegespräch auf der Landesgartenschau (von links nach rechts): Hermann Seeker (stellvertretender Bezirksverbandsvorsitzender), Hubertus Beringmeier (Bezirksverbandsvorsitzender) und Wilhelm Brüggemeier (WLV-Vizepräsident)

Um die Themen Tierschutz, Tiergesundheit, Tierwohl informierte der Landwirtschaftsverband in einem Pressegespräch auf der Landesgartenschau (von links nach rechts): Hermann Seeker (stellvertretender Bezirksverbandsvorsitzender), Wilhelm Brüggemeier (WLV-Vizepräsident) und Hubertus Beringmeier (Bezirksverbandsvorsitzender)

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