Ernte und Artenschutz in der Diskussion

02. März 2018

Kreisverbandstag der Landwirte 2018

Ruhr-Lippe (wlv). „Landwirtschaft zwischen Ernährungssicherung und Biodiversität - Ernte versus Artenschutz“, so lautete das Thema des diesjährigen Kreisverbandstages, zu dem der Landwirt¬schaftliche Kreisverband Ruhr-Lippe (Kreis Unna, kreisfreie Städte Bochum, Dortmund, Hamm und Herne) gemeinsam mit seinem Nachbarkreis¬verband Ennepe-Ruhr/Hagen am Donnerstagabend in den Freischütz in Schwerte eingeladen hatte.
Knapp 500 Landwirtinnen und Landwirte sowie weitere Gäste konnte der Vorsitzende Hans-Heinrich Wortmann zu einer kontroversen Podiumsdiskussion begrüßen. Es diskutierten: Dr. Heinrich Bottermann (MUNLV NRW), Josef Tumbrinck (NABU NRW), Prof. Dr. Werner Kunz (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) und Johann Prümers (Vorsitzender des Umweltausschusses des Westfälisch Lippischen Landwirtschaftsverbandes). Durch den Abend moderierte der Journalist Patrick Liste.
Wortmann machte in seiner Begrüßung deutlich, dass ein Artenrückgang viele Ursachen habe; von der Versiegelung vieler Flächen für Wohn-, Straßen und Gewerbegebiete bis zur Veränderung der Feldflur durch größere Bewirtschaftungs-einheiten und damit weniger Säumen und Rainen. „Wir Bauern und Bäuerinnen denken in Generationen und sind natürlich bereit, Kritik anzunehmen und uns positiv zu verändern“. Das könne aber nur als gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe angegangen werden und nicht alleine auf den Schultern der Landwirte lasten, sagte er.

Der Biologe Prof. Dr. Werner Kunz vertrat in der Podiumsdiskussion die Seite der Wissenschaft und machte deutlich: „Die meisten Arten Mitteleuropas brauchen Freiflächen.“ Es sei ein Irrtum, wenn man meine, es sei gut, die Natur sich selber zu überlassen. Damit würden die Flächen zuwachsen und das sei für viele Arten fatal. „Der Artenreichtum Mitteleuropas ist überwiegend der Landwirtschaft  zu verdanken und wir brauchen ein Management, das die Flächen offen hält und gute Bedingungen für die besonders seltenen Arten schafft.“
Dem NABU-Vorsitzenden Josef Tumbrinck war es wichtig, dass Ernte und Biodiversität keine Gegensätze sein dürften, sondern dass nur es für die Landwirtschaft und den Naturschutz nur gemeinsam gehe. Er sagte: „Wer es nicht schafft, diesen Gegensatz aufzulösen, der wird seiner Verantwortung für die zukünftigen Generationen nicht gerecht.“
Der Staatssekretär des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW beteuerte, dass der Politik beide Ziele wichtig seien und die Landwirtschaft in NRW eine multifunktionale Bedeutung habe. Er erklärte: „Dies bedeutet, dass sie sowohl Produzent von Lebensmitteln ist und gleichzeitig zum Erhalt und der Weiterentwicklung der Biodiversität beiträgt.“
Der Landwirt und WLV-Umweltausschussvorsitzende hob die Komplexität des Rückgangs verschiedener Arten hervor. „Den vielfältigen Ursachen müssen wir auf den Grund gehen“, sagte er. Das Thema sei zu wichtig, um es oberflächlich zu betrachten und einseitig Schuldige zu finden. Flächenfraß, ein hoher Anteil an Raubtieren und fehlende Rückzugsräume seien nur einige der Faktoren. „Da, wo die Ursachen in der Landwirtschaft zu finden sind, müssen wir uns verändern“, sagte er. Die Bauern und Bäuerinnen seien dazu bereit. Das müsse aber auch für alle anderen Ursachenbereiche gelten.
Zum Abschluss der Veranstaltung wurden Samenbeutel für Blühmischungen verteilt, mit denen die Landwirte im Kreisverbandsgebiet im kommenden Frühjahr Blühstreifen an verschiedenen Ackerflächen anlegen wollen.

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Presse-Kontakt

Es diskutierten (v.l.n.r.): Johann Prümers (Vorsitzender des WLV-Umweltausschusses), Prof. Dr. Werner Kunz (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), Patrick Liste (Moderation). Dr. Heinrich Bottermann (MUNLV NRW), Josef Tumbrinck (NABU NRW)

Die Akteure des Kreisverbandstages (v.l.n.r.): Patrick Liste (Moderator), Prof. Dr. Werner Kunz (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), Heinz-Wilhelm Büscher (Geschäftsführer), Hans-Heinrich Wortmann (Kreisverbandsvorsitzender Ruhr-Lippe), Josef Tumbrinck (NABU NRW), Johann Prümers (Vorsitzender des WLV-Umweltausschusses), Dirk Kalthaus (Kreisverbandsvorsitzender Ennepe-Ruhr/Hagen) und Dr. Heinrich Bottermann (MUNLV NRW)

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