2018: Das Jahr, das ein Sommer war

27. Dezember 2018

Landwirte ziehen Jahresbilanz

Ruhr-Lippe (WLV). „Ein Jahr, das zum größten Teil aus Sommer bestand“, so wird  2018 vermutlich vielen Menschen in Erinnerung bleiben. Auch Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe (Kreis Unna, kreisfreie Städte Bochum, Dortmund, Hamm und Herne) sagt: „Wir Bauern und Bäuerinnen sind es gewohnt, mit dem Wetter zu leben und zu arbeiten, aber dieses Jahr war schon extrem.“  So eine lang anhaltende Wärme und Trockenheit habe er selten erlebt.

Seien die Landwirte im beginnenden Frühjahr nach einem sehr nassen Herbst und Winter über die trockene Phase froh gewesen, so hätten sie mit zunehmend anhaltender Trockenheit jeden Regenschauer herbeigesehnt. Dürre und Hitze hätten das Jahr 2018 geprägt und zu erheblichen Ertragseinbußen geführt. „Trotzdem müssen wir Bauern in der Region zufrieden sein“, sagt er. Die Berufskollegen in Ost- und Norddeutschland seien wesentlich stärker betroffen gewesen, dort gehe es bei vielen um die Existenz.

Je nach Bodenverhältnissen und lokaler Witterung würden die Ernteergebnisse in Ruhr-Lippe eine große Bandbreite aufweisen. „Die wenigen, aber wichtigen, Regenschauer gingen lokal sehr begrenzt nieder und die Bodenqualitäten spielten bei der Trockenheit eine extrem große Rolle“, berichtet Wortmann. Besonders problematisch sei die Situation auf den leichteren, flachgründigen Böden gewesen, die Wasser nicht lange speichern könnten. Schon bei der Getreide-  und Rapsernte seien die Ertragsunterschiede groß gewesen. Einen Vorteil hätte das trockene Sommerwetter allerdings gehabt: Der Verlauf der Erntearbeiten sei ideal gewesen und die Landwirte mussten das Getreide vor dem Einlagern nicht, wie in nassen Jahren erforderlich, trocknen. „Anfang August konnten wir die Getreideernte abschließen“, sagt Wortmann. An einen so frühen Zeitpunkt könne sich kaum jemand erinnern.

Schon im August habe die Maisernte begonnen, so zeitig wie nie. „Auch hier streuen die Erträge stark“, sagt Wortmann. Bodenqualitäten und lokal begrenzte Regenfälle seien entscheidende Faktoren zwischen zufriedenstellenden Erträgen und Missernten gewesen.

Bei den Kartoffeln habe  die Dürre ebenso deutliche Spuren hinterlassen. Die Mindererträge lägen  bei zum Teil über 50 Prozent. „In diesem Jahr ist der Anteil kleiner Kartoffeln deutlich höher“, sagt der Vorsitzende. Die Preise seien gut, allerdings sei es besonders im Bereich der Verarbeitungs­kartoffeln üblich, im Frühjahr Kontrakte mit den Abnehmern zu schließen, so dass die Landwirte mit festen Verträgen nicht von den gestiegenen Preisen profitieren könnten.

Ebenfalls von der Hitze beeinträchtigt seien die Zuckerrüben gewesen. Durch hohe Sonnen­einstrahlung gäbe es zwar süße Zuckerrüben, da sie aber kleiner seien, seien die Mengen geringer ausgefallen. „Positiv an der Trockenheit war, dass die Zuckerrüben sehr sauber aus dem Boden gekommen sind und somit wenig Erdanhang zur Fabrik transportiert werden musste“, sagt Wortmann.

Besonders hart treffe die Trockenheit in diesem Jahr die Rinder-, Pferde- und Schafhalter. Auf Wiesen und Weiden sei schon im Juli kaum noch etwas nachgewachsen. So hätten die Tiere vielfach mit dem für den Winter eingeplanten Futter zugefüttert werden müssen und auch in den vertrockneten Wiesen habe der dritte und vierte Grasschnitt häufig nicht erfolgen können. „Das bedeutet, dass die aufgrund der Trockenheit eh knappen Wintervorräte schon im Sommer angebrochen werden mussten“, sagt Wortmann.

Den Schweinhaltern stehe die inzwischen von Osten und von Westen drohende Gefahr der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im Nacken. Nachdem die Gefahr der ASP schon seit einiger Zeit von Osteuropa her immer näher an Deutschland heran rückte, erreichte die Landwirte im September dieses Jahres die Nachricht, dass in Belgien, 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, bei zwei verendeten Wildschweinen ASP diagnostiziert wurde. „Das war eine schockierende Botschaft für uns Landwirte“, sagt Hans-Heinrich Wortmann. Mit dem Fund sei die Gefahr, dass die Seuche auch auf Deutschland übergreife, deutlich konkreter geworden.

„Wenn ich drei landwirtschaftliche Wünsche für 2019 frei hätte, dann wären es politische Rahmenbedingungen, die für uns annähernd tragfähig sind, dass die Afrikanische Schweinepest uns nicht erreicht und nicht ganz so extreme Wetterbedingungen“, blickt der Landwirt ins neue Jahr. „Nichtsdestotrotz beschäftigen wir Bauern und Bäuerinnen uns aktuell damit, wie wir mit veränderten Wetterbedingungen umgehen“, sagt Wortmann. Nur ganz so einfach sei das nicht. „Parolen selbsternannter Agrarexperten helfen uns nicht weiter, hier ist gute und seriöse Forschung gefragt.“

 

Presse-Kontakt

Hans-Heinrich Wortmann Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe blickt auf das Jahr 2018 zurück.

- Schon zeitig im Sommer waren die Getreidefelder in der Region abgeerntet.

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