Es blüht entlang der Felder

23. Juli 2019

Bauern machen es bunt

Ruhr-Lippe (wlv). Wer durch die Landschaft fährt, dem fällt auf: Am Rande vieler Felder blüht es. Viele heimische Landwirtinnen und Landwirte haben einen Streifen ihrer Äcker nicht mit Früchten bestellt, sondern dort eine Mischung aus verschiedenen Blumen und Kräutern ausgesät.


Die blühenden Streifen sehen schön aus, das ist aber nicht der wichtigste Grund, warum die Bauern in der Region Ruhr-Lippe (Kreis Unna, kreisfreie Städte Bochum, Dortmund, Hamm und Herne) die Blühpflanzen ausgesät haben. „Wir verzichten hier auf einen Teil des Ertrages, weil wir Insekten und anderen Wildtieren Lebens-raum und Nahrung geben möchten“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe Hans-Heinrich Wortmann. Rund 500 Kilometer haben die Landwirte in der Region Ruhr-Lippe entlang ihrer Felder mit blühenden Pflanzen bestellt, die Länge der Blühsteifen ist so groß, dass man damit mehr als den Weg von Unna nach Berlin säumen könnte. 

Wer die Natur aufmerksam beobachte, der sehe, dass sich die Blühflächen wandeln würden, sagt Wortmann. „Erst blühte es weiß, dann violett und jetzt strecken die gelben Sonnenblumen ihre Köpfe heraus“, so der Bauernvorsitzende. Bei der Auswahl der Mischung hätten die Landwirte besonders darauf geachtet, dass viele Pflanzen mit unterschiedlichen Blühzeitpunkten enthalten seien und somit ein langer Blühzeitraum von Frühjahr bis Herbst entstehe. Nur so könne den Tieren ein kontinuierliches Nahrungsangebot geliefert werden. Die bunte Farbenpracht biete Nektar für Schmetterlinge, Bienen und viele weitere Insekten. „Wenn man sich an den Rand einer Blühfläche stellt, macht es Freude zu beobachten, wie es dort brummt und summt“, so der Landwirt. Zudem fänden hier Bodenbrüter Brutflächen und Wildtiere Rückzugsgebiete und die Samen seien Nahrung zahlreicher Vögel. Von Reptilien und kleinen Säugetieren werde der Blühstreifen als Wohn- und Nistplatz genutzt, die zudem dort auch Deckung vor Greifvögeln fänden.

Was blüht denn hier?

Schnellkeimende Arten, wie der Buchweizen stellen bereits wenige Wochen nach der Aussaat ein Angebot an attraktiver Nahrung für Wildtiere inklusive Pollen und Nektar in annähernd 1800 Einzelblüten pro Pflanze für Insekten zur Verfügung.
Phacelia und Kulturmalve sind besonders bei Hummeln sehr beliebt, da sie sehr reichhaltige Pollen- und Nektarquellen darstellen.
Arten, wie Ringelblume oder Öllein wirken bei Feldhase oder Reh beim Verzehr antibakteriell und regen zudem das Immunsysmen an. Ihr Blühzeitraum sei zudem recht lang und biete bei mehrmaliger Blüte im Jahr auch im Spätsommer Nahrung für bestäubende Insekten.
Auch die Versorgung von Jungtieren wird durch eine protein- und eiweißhaltige Nahrung beispielweise über Kleesorten begünstigt, da die Muttermilch nahrhafter wird und Jungtiere effizienter ernährt werden können. Der Blühmischung sind aus diesem Grund auch Rot- und Inkarnatklee beigemischt. Beide Kleearten sind zudem für Insekten, zum Beispiel Hummeln sehr attraktiv, da sie an den Blüten in kurzer Zeit große Nektarmengen aufnehmen können.
Weitere Pflanzen von Fenchel über Koriander sind seit jeher in der Naturheilkunde verbreitet und tragen zur aktiven Gesunderhaltung vieler Wildtiere bei. Alle verwendeten Pflanzen produzieren zudem eine Vielzahl an Samen und Körnern, welche von Singvögeln ab dem Spätsommer auf dem Vogelzug aufgenommen werden. Die Beimischung von Rauhhafer dient ebenfalls der Samenproduktion für Singvögel, jedoch werden auch andere Pflanzenteile von vielen Tierarten gern gefressen. Die Anlage von möglichst vielfältigen Blühstreifen trägt somit aktiv zum Singvogelschutz bei und eröffnet vielen Vögeln eine zusätzliche Nahrungsquelle in der Kulturlandschaft.



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