Dankbarkeit aber extrem angespannte Lage

05. Oktober 2019

Landwirte zum Erntedank

Ruhr-Lippe (wlv). Am kommenden Sonntag feiern wir das Erntedankfest. „Ernte­dank, das heißt Dank zu sagen für die Früchte des Feldes, innezuhalten und zu­rückzublicken auf die Zeit von der Aussaat bis zur Ernte“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe (Kreis Unna, Dortmund, Bochum, Hamm und Herne) Hans-Heinrich Wortmann.

„2019 zeigte uns erneut, wie abhängig wir von der Natur sind“, sagt Wortmann. Im zweiten Jahr in Folge sei die Vegetationsperiode von deutlich zu geringen Niederschlägen geprägt gewesen. Die Bodenfeuchten seien extrem niedrig gewesen, vielfach so gering wie noch nie seit Beginn der Messungen im Jahr 1961.Trotz Trockenheit und Hitze könnten die Bauern in der Region Ruhr-Lippe aber eine größtenteils positivere Erntebilanz ziehen, als in vielen anderen Gegenden Deutschlands. „Wie auch im letzten Jahr weisen die Ernteergebnisse bedingt durch Bodenverhältnisse und lokale Witterung eine große Bandbreite auf“, sagt der Vorsitzende und führt weiter aus: „Auf den guten Böden im Kreisgebiet können wir zufrieden sein, auf den leichteren oder flachgründigeren Böden, die Wasser nicht lange speichern können, haben die Pflanzen deutlich stärker gelitten.“

„Besonders in Erinnerung werden uns die Feldbrände im Sommer 2019 bleiben“, sagt der Landwirt. Bei der Trockenheit hätte der kleinste Funke gereicht, um ganze Felder in Brand zu stecken.

Problematisch sei das Jahr 2019 für die Landwirtsfamilien gewesen, die Futter für ihre Tiere wie Rinder, Pferde und Schafe benötigten. Auf dem Grünland sei nach dem zweiten Grasschnitt kaum noch etwas nachgewachsen. Die knappe Futter­situation treffe die Landwirte auch deshalb besonders hart, weil sie ein zweites Jahr in Folge da sei und so im Frühjahr keine Futterreserven aus dem letzten Jahr vorrätig gewesen seien.

Vorbei sei die Ernte mit dem Erntedankfest allerdings noch nicht, so Hans-Heinrich Wortmann. Aktuell würden noch verschiedene Früchte geerntet, so beispielsweise Mais. Je nach Verwendungszweck werde er zu unterschiedlichen Zeiten eingebracht. Der als Rinderfutter dienende oder in Biogasanlagen eingesetzte Silomais sei größtenteils schon im Silo. Die Erträge hätten hier von ‚zufriedenstellend‘ bis ‚schlecht‘ geschwankt. Das sogenannte Corn-Cob-Mix (CCM) - zu deutsch Korn-Spindel-Gemisch – werde aktuell geerntet. Hierbei werde nur der energiereichere Kolben genutzt. Reife der Mais noch weiter ab, würden nur noch die Körner verwendet.

Die Ernte der Zuckerrüben laufe in der Region seit rund zwei Wochen. „Tendenziell scheinen die mengenmäßigen Ergebnisse besser zu sein, als wir erwartet haben“, sagt Wortmann. Die Zuckergehalte seien bedingt durch die sonnige Witterung gut, kämen aber nicht an die hohen Werte des Sonnensommers 2018 heran.

Ebenfalls beschäftigt sind die Bauern im Kreis Ruhr-Lippe mit der Kartoffelernte. Hier habe die Trockenheit ihre Spuren hinterlassen, sagt Wortmann. Die Kartoffeln seien kleiner und die Pflanzen hätten auch weniger Knollen angesetzt, sagt der Landwirtevorsitzende.

Auch verschiedene Gemüsearten würden derzeit noch von den Landwirten geerntet.

Extreme Anspannung

„Trotz aller witterungsbedingten Beschwernisse des Jahres sind wir mehr als dankbar für die Früchte der Felder, aber ich kann mich an kein Erntedankfest erinnern, an dem die Stimmung unter den Landwirten so angespannt war, wie an diesem“, sagt der Bauernvorsitzende. Permanent neue Auflagen, die nicht auf fachlicher, sondern auf rein politischer Ebene entstünden, prasselten auf die Landwirtschaft ein. Besonders kleine und mittlere Höfe, die  die Auflagen finanziell nicht stemmen könnten würden so aus der Landwirtschaft gedrängt. „Wer auf der einen Seite die Märkte immer weiter öffnet und auf der anderen Seite die Auflagen so hoch schraubt, dass wir auf dem Weltmarkt überhaupt nicht mehr wettbewerbsfähig sind, der muss sich nicht wundern, wenn ein Hof nach dem anderen aufgeben muss“, sagt Wortmann.  Wenn beispielweise das Agrarpaket, das Umweltministerin Svenja Schulze und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner Anfang September vorgestellt hätten, so komme, würden die Auswirkungen für die Bauern in vielen Regionen katastrophal sein, sagt er. „Unsere Berufskollegen in Holland haben in dieser Woche ihrer Existenznot mit Tausenden von Treckern auf den Straßen und daraus resultierenden langen Staus Ausdruck verliehen“, so der Landwirt. Auch hier sei die Stimmung mehr als angespannt.

Presse-Kontakt

Landwirtevorsitzender Hans-Heinrich Wortmann sagt: "Dankbarkeit und extreme Anspannung prägen das Erntedankfest 2019."

Festlich geschmückt sind zum Erntdakfest die Kirchen iin der Region

Daten werden geladen …