Trockenheit und Existenznot

27. Dezember 2019

Landwirte ziehen Jahresbilanz

Ruhr-Lippe (wlv). „Politische Rahmenbedingungen, die die Landwirte zu Tausenden auf die Straße treiben und ein Sommer mit wiederum viel zu wenig Niederschlägen - 2019  wird uns Bauern in Erinnerung bleiben“, sagt Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe (Kreis Unna, Dortmund, Bochum, Hamm und Herne).


„Wir Bauern arbeiten unter freiem Himmel und 2019 zeigte uns erneut, wie abhängig wir von der Natur sind“, sagt Landwirt Wortmann. Im zweiten Jahr in Folge sei die Vegetationsperiode von deutlich zu geringen Niederschlägen geprägt gewesen. Die Bodenfeuchten seien extrem niedrig gewesen, vielfach so gering wie noch nie seit Beginn der Messungen im Jahr 1961.Trotz Trockenheit und Hitze könnten die Bauern in der Region Ruhr-Lippe aber eine größtenteils positivere Erntebilanz ziehen als in vielen anderen Gegenden Deutschlands. „Wie auch im letzten Jahr weisen die Ernteergebnisse bedingt durch Bodenverhältnisse und lokale Witterung eine große Bandbreite auf“, sagt der Vorsitzende und führt weiter aus: „Auf den guten Böden im Kreisgebiet können wir zufrieden sein, auf den leichteren oder flachgründigeren Böden, die Wasser nicht lange speichern können, haben die Pflanzen deutlich stärker gelitten.“ Problematisch sei die Ertragssituation fast überall auf dem Grünland gewesen. Nach dem zweiten Grasschnitt sei auf den Wiesen kaum noch etwas nachgewachsen. Für die Landwirtsfamilien, die Futter für ihre Tiere wie Rinder, Pferde und Schafe benötigten, sei in 2019  die Futtersituation deshalb  angespannt und teilweise müsse teuer Futter zugekauft werden.


„Besonders in Erinnerung werden uns die Feldbrände im Sommer 2019 bleiben“, sagt der Landwirt. „Bei der Trockenheit reichte der kleinste Funke, um ganze Felder in Brand zu stecken“.


Mehr als das Wetter, habe die Landwirte in 2019 die Politik getroffen. „Wir haben den Eindruck bei politischen Entscheidungen die Sündenbockfunktion einzunehmen“, sagt Wortmann. Viele Auflagen, die nicht auf fachlicher, sondern auf rein politischer Ebene entstünden, seien auf die Landwirtschaft eingeprasselt. Das Fass zum Überlaufen gebracht hätten bei den Bauern die Entwürfe zur Düngeverordnung und das Agrarpaket, das Umweltministerin Svenja Schulze und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner Anfang September vorgestellt hätten. Innerhalb kurzer Zeit hätten sich  Bauern und Bäuerinnen über soziale Medien als „Land schafft Verbindung“ vernetzt und Treckerdemos organisiert, auch in unserer Region „Die pure Existenznot hat besonders unsere jungen Leute auf die Straße getrieben“, sagt Wortmann und führt weiter aus: „Mit viel Liebe zur Landwirtschaft, einem hohen Maß an Engagement und einer guten fundierten Ausbildung sind diese Menschen gerade erst auf unseren Höfen gestartet.“ Für teure Investitionen bräuchten sie Planungssicherheit, um langfristig Perspektiven zu haben und ihre Familien ernähren zu können. Besonders kleine und mittlere Höfe, die  die Auflagen finanziell nicht stemmen könnten würden so aus der Landwirtschaft gedrängt. „Wer auf der einen Seite die Märkte immer weiter öffnet und auf der anderen Seite die Auflagen so hoch schraubt, dass wir auf dem Weltmarkt überhaupt nicht mehr wettbewerbsfähig sind, der muss sich nicht wundern, wenn ein Hof nach dem anderen aufgeben muss“, sagt Wortmann.


„Es geht nicht darum, dass wir Landwirte nichts verändern wollen. Auch wir müssen uns - wie alle Wirtschaftsbereiche - neuen Herausforderungen stellen“, sagt der Landwirtevorsitzende. Es gebe viele Bestrebungen innerhalb der Landwirtschaft zum Insekten-, Klima- und Umweltschutz sowie zum Tierwohl. „Wir vermissen bei unserem Engagement die Unterstützung der Politik“, so Wortmann. Anstelle dessen, gebe es permanent neue Auflagen, die nicht zu stemmen und deren Erfolg aus fachlicher Sicht mehr als fraglich sei. „Auflagen werden fast ausschließlich auf Kosten der Landwirtschaft gemacht, da die geringe Anzahl an Bauernfamilien, die es noch gibt, als Wählerklientel nicht mehr die Rolle spielt“, sagt er.


Für das neue Jahrzehnt wünscht sich  Landwirtevorsitzender Hans-Heinrich Wortmann, dass die Landwirtschaft stärker in politische Überlegungen und Entscheidungen einbezogen wird. „Wir können nur dann unsere bäuerlichen Familienbetriebe in unserer Region erhalten, wenn die Auflagen sinnvoll und zu stemmen sind“, sagt er.


Presse-Kontakt

Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes blickt auf das Jahr 2019 zurück.

Auch die Bauern und Bäuerinnen der heimischen Region versuchten sich politisches Gehör zu verschaffen; hier in Münster bei einer Kundgebung mit Ministerin Julia Klöckner.

Im Herbst machten die Landwirte der Region mit Treckerdemos auf ihre Existenznot aufmerksam. Hier beim nächtlichen Sammelpunkt in Unna auf dem Weg nach Bonn.

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