Bauern und Schüler machen es bunt im Kreis Soest

05. Juli 2019

Es blüht in Schulgärten und entlang der Felder

Kreis Soest (wlv). Wer durch die Landschaft fährt, dem fällt auf: Am Rande vieler Felder blüht es. Heimische Landwirtinnen und Landwirte haben einen Streifen ihrer Äcker nicht mit Früchten bestellt, sondern dort eine Mischung aus verschiedenen Blumen und Kräutern ausgesät. Aber nicht nur an den Feldrändern ist es bunt, auch viele Schulen haben in diesem Jahr im Kreis Soest an der Aktion „Blühendes Band“ mitgemacht.

Die blühenden Streifen sehen schön aus, das ist aber nicht der wichtigste Grund, warum die Bauern im Kreis Soest die Blühpflanzen ausgesät haben. „Wir verzichten hier auf einen Teil des Ertrages, weil wir Insekten und anderen Wildtieren Lebens­raum und Nahrung geben möchten“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest Josef Lehmenkühler. Rund 500 Kilometer haben die Landwirte im Kreis Soest entlang ihrer Felder mit blühenden Pflanzen bestellt, die Länge der Blühsteifen ist so groß, dass man damit mehr als den Weg von Soest nach Berlin säumen könnte. „Damit es aber nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt summt und brummt, haben wir die heimischen Schulen mit ins Boot genommen“, sagt Lehmenkühler und erklärt: „Jeder Schule im Kreis Soest, die ein Stück vom Schulgarten, etwas Rasenfläche oder eine geschotterte Fläche für eine Blühfläche frei machen wollte, haben wir Landwirte entsprechendes Saatgut geschenkt. Dazu gab es eine kleine Anleitung zur Aussaat und Pflege und das Versprechen der Bauern, bei Problemen zu helfen.“

„Wir haben uns enorm über die Resonanz gefreut: 35 Schulen, drei Kindergärten und ein Sportverein haben sich beteiligt. Viele Lehrer, Schüler und Hausmeister haben sich die Arbeit gemacht und eine Blühfläche angelegt“, sagt Lehmenkühler.

Wer die Natur aufmerksam beobachte, der sehe, dass sich die Blühflächen wandeln würden, sagt Lehmenkühler, denn bei der Auswahl der Mischung hätten die Landwirte besonders darauf geachtet, dass viele Pflanzen mit unterschiedlichen Blühzeitpunkten enthalten seien und somit ein langer Blühzeitraum von Frühjahr bis Herbst entstehe. Nur so könne den Tieren ein kontinuierliches Nahrungsangebot geliefert werden. Die bunte Farbenpracht biete Nektar für Schmetterlinge, Bienen und viele weitere Insekten. Hier fänden Bodenbrüter Brutflächen und Wildtiere Rückzugsgebiete, so Lehmenkühler. Die Samen seien zudem Nahrung zahlreicher Vögel. Von Reptilien und kleinen Säugetieren werde der Blühstreifen als Wohn- und Nistplatz genutzt, die zudem dort auch Deckung vor Greifvögeln fänden.

 

Was blüht denn hier?

Schnellkeimende Arten, wie der Buchweizen stellen bereits wenige Wochen nach der Aussaat ein Angebot an attraktiver Nahrung für Wildtiere inklusive Pollen und Nektar in annähernd 1800 Einzelblüten pro Pflanze für Insekten zur Verfügung.

Phacelia und Kulturmalve sind besonders bei Hummeln sehr beliebt, da sie sehr reichhaltige Pollen- und Nektarquellen darstellen.

Arten, wie Ringelblume oder Öllein wirken bei Feldhase oder Reh beim Verzehr antibakteriell und regen zudem das Immunsysmen an. Ihr Blühzeitraum sei zudem recht lang und biete bei mehrmaliger Blüte im Jahr auch im Spätsommer Nahrung für bestäubende Insekten.

Auch die Versorgung von Jungtieren wird durch eine protein- und eiweißhaltige Nahrung beispielweise über Kleesorten begünstigt, da die Muttermilch nahrhafter wird und Jungtiere effizienter ernährt werden können. Der Blühmischung sind aus diesem Grund auch Rot- und Inkarnatklee beigemischt. Beide Kleearten sind zudem für Insekten, zum Beispiel Hummeln sehr attraktiv, da sie an den Blüten in kurzer Zeit große Nektarmengen aufnehmen können.

Weitere Pflanzen von Fenchel über Koriander sind seit jeher in der Naturheilkunde verbreitet und tragen zur aktiven Gesunderhaltung vieler Wildtiere bei. Alle verwendeten Pflanzen produzieren zudem eine Vielzahl an Samen und Körnern, welche von Singvögeln ab dem Spätsommer auf dem Vogelzug aufgenommen werden. Die Beimischung von Rauhhafer dient ebenfalls der Samenproduktion für Singvögel, jedoch werden auch andere Pflanzenteile von vielen Tierarten gern gefressen. Die Anlage von möglichst vielfältigen Blühstreifen trägt somit aktiv zum Singvogelschutz bei und eröffnet vielen Vögeln eine zusätzliche Nahrungsquelle in der Kulturlandschaft.

Presse-Kontakt

Blühstreifen bieten Hummeln und anderen Insekten Nahrung.

Wie hier in Borgeln blüht es inzwischen auch in den Gärten vieler anderer Schulen im Kreis Soest.

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