Ein großes Plus für die biologische Vielfalt

07. Juni 2019

Naturnahe Umgestaltung des Wüstegrabens im Harskamp

-wlv/mg- Wettringen/Ochtrup. Großer Bahnhof für ein kleines Gewässer: Vertreter der Bezirksregierung, des Kreises Steinfurt, der Biologischen Station, des Unterhaltungsverbandes Oster & Brechte und des WLV-Kreisverbandes machten sich jetzt ins Naturschutzgebiet Harskamp auf, um den Wüstegraben in seinem neuen Gewässerbett zu bewundern. In den vergangenen Monaten ist auf einer Länge von 360 Metern in sechs Aufweitungen aus dem unscheinbaren Graben ein mäandrierendes Gewässer mit einer ansehnlichen Sekundäraue entstanden. Möglich wurde die rasche Umsetzung des ökologischen Gewässerumbaus, weil die Untere Wasserbehörde des Kreises Steinfurt die Finanzierung der sogenannten „Kleinstmaßnahme“ übernommen hat.

„Bislang wurde der Wüstegraben in ein geradliniges Trapezprofil gezwängt und intensiv unterhalten“, erklärten Rainer Kappelhoff und Marc Krümpel, Wasserberater beim WLV-Kreisverband, der interessierten Runde. Sie waren für die Planungen der Maßnahme zuständig und betreuten die umfangreichen Bauarbeiten. Es wurden Uferabflachungen vorgenommen, Flutmulden angelegt und Totholz eingebracht. So wird dem Gewässer Raum gegeben zur eigenen Entwicklung und bei einem möglichen Starkregenereignis kann es in diese Retentionsräume „ausweichen“. Träger dieser Maßnahme im Rahmen der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Kreis Steinfurt ist der Unterhaltungsverband Oster & Brechte. „Die naturnahe Umgestaltung der Gewässer  ist für die Wasser- und Bodenverbände im Kreis Steinfurt eine große Aufgabe“, macht Verbandsvorsteher Heiner Niehues deutlich und freut sich, dass auch im weiteren Verlauf des Wüstegrabens schon in Kürze weiter gebaut werden kann.

„Die Arbeiten hier am Wüstegraben sind kein Einzelfall, sondern sollen Beispiel sein für alle Wasser- und Bodenverbände im Kreis, die sich auf den Weg machen, die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen“, betonen Michael Kettrup (Bezirksregierung Münster als Eigentümer der Flächen am Wüstegraben) und Werner Wenker (Untere Wasserbehörde Kreis Steinfurt als genehmigende und finanzierende Behörde). „Lassen Sie uns gemeinsam noch mehr machen an diesem Gewässer.“

Das fordert auch Dr. Peter Schwartze (Biologische Station Kreis Steinfurt), der die Maßnahmen am Wüstegraben fachlich begleitet. „Die biologische Vielfalt zeigt sich nicht nur im Gewässer, sondern besonders auch in der Sekundäraue“, so Schwartze. Erwartet wird, dass sich in den kommenden Jahren standorttypische Pflanzengesellschaften am Ufer etablieren werden und Klein- und Jungfische den Wüstegraben wieder als ihren Lebensraum entdecken. „Zu meiner Jugendzeit haben wir hier Aale gefangen“, berichtet Heiner Niehues und ist zuversichtlich, dass der Wüstegraben im neuen Gewand bald wieder zu alter Güte zurückfindet. Denn die ersten Gäste sind bereits da: Unbeeindruckt vom großen Bahnhof und vom witterungsbedingt niedrigen Wasserstand tanzen schon zarte Libellen im Sonnenlicht.

Wie am Wüstegraben so sollen im ganzen Kreis Steinfurt sogenannte „berichtspflichtige“ Gewässer umgestaltet werden. Bis zum Jahr 2027 müssen die Bachläufe nach EU-Vorgaben in einen guten ökologischen Zustand überführt werden.

 

Foto:

Werner Wenker (Untere Wasserbehörde Kreis Steinfurt), Rainer Kappelhoff (Wasserberater WLV-Kreisverband Steinfurt), Heiner Niehues (Wasser- und Bodenverband Oster & Brechte), Michael Kettrup (Bezirksregierung Münster), Dr. Peter Schwartze und Nicole Heinrichs (Biologische Station Kreis Steinfurt) und Marc Krümpel (Wasserberater WLV-Kreisverband Steinfurt) im aufgeweiteten Gewässerbett des Wüstegrabens im Harskamp.

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