DBV-Vizepräsident zu globalen Herausforderungen am Milchmarkt

31. Oktober 2012

Rund 30 Mio. Tonnen Milch liefern die deutschen Bauern in diesem Jahr bei den Molkereien ab – und liegen damit trotz Steigerungen zum Vorjahr nur im europäischen Mittelfeld: EU-weit wird für 2012 mit einer Milchanlieferung von 144 Mio. Tonnen gerechnet. „Wir rechnen damit, dass Indien in den nächsten 10 Jahren deutlich zulegen wird von derzeit 118 Mio. Tonnen auf rund 164 Mio. Tonnen in 2021. Die europäischen Bauern werden dann ihre Führungsposition abgeben“, so Udo Folgart. Der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes stellte beim Milchausschuss des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes die globalen Herausforderungen am Milchmarkt dar.

Die nationale Situation am Michmarkt beleuchtete Dr. Rudolf Schmidt, Geschäftsführer der Landesvereinigung Milchwirtschaft: Angesichts des weltweiten Bevölkerungswachstums sei die Nahrungsmittelversorgung eine globale Herausforderung: Auf immer weniger Fläche müsse immer mehr Nahrung produziert werden. In den vergangenen 10 Jahren ist die Zahl der Milcherzeuger allein in NRW um 37 Prozent gesunken – die Zahl der Milchkühe geringfügig auf inzwischen 400.000 Tiere angestiegen. Mit dem „Qualitätsmanagement Milch“ (QM Milch), das bereits im Jahre 2002 entwickelt und in diesem Jahr auch von der Deutschen Akkreditierungsstelle als Zertifizierungsgrundlage anerkannt worden ist, existiere ein bundeseinheitliches Qualitätssicherungssystem, das Tiergesundheit und Arzneimitteleinsatz ebenso erfasst wie Umweltaspekte, Kennzeichnungen und Bestandsregister.

„Die Gesellschaft stellt immer höhere Ansprüche an die landwirtschaftliche Milchproduktion, insbesondere hinsichtlich Tierhaltung, Tiergesundheit und Umweltschutz. Gleichzeitig entfremdet sich die Gesellschaft immer weiter von modernen Produktionsprozessen“, so Dr. Schmidt. Die Erwartung, höchste Qualität zu günstigen Preisen zu bekommen, sei nur eines von vielen Beispielen. „Es ist an der Zeit, dass sich die Verbraucher mit moderner Landwirtschaft und moderner Milchproduktion auseinandersetzen“, so der Fachmann. Denn die moderne Milchwirtschaft in Deutschland gehe mit freiwilligen Standards längst über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Der Geschäftsführer der Landesvereinigung Milchwirtschaft skizzierte dazu die Aufgaben des Landeskontrollverbandes NRW, der neben seinen üblichen Milchleistungs- und Milchgüteprüfungen hinaus am EU-Projekt OptiMIR teilnimmt: Gemeinsam mit 11 anderen europäischen Landeskontrollverbänden und 7 Forschungseinrichtungen werden in diesem Projekt neue Untersuchungsmethoden erforscht mit dem Ziel, mehr Informationen aus der Milch zu bekommen: Zusatzinformationen zu den bekannten Parametern wie Fettgehalt, Laktose oder Eiweiß sollen den Landwirt bei seinem Herdenmanagement unterstützen. Künftig sollen auch Krankheiten, Trächtigkeitsstatus oder die Menge des Methanausstoßes messbar sein. „Dass für derartige Forschungen Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung eingesetzt werden, halte ich für wichtig: Die Gesellschaft stellt mit Recht hohe Anforderungen an die Milchwirtschaft – und die werden wir erfüllen. Dank moderner Forschung“, so Kreisverbandsvorsitzender Hermann-Josef Schulze-Zumloh.

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