Rukwied: "Kommunikation ist zentrale Herausforderung der Branche"

03. Februar 2014

Die gesellschaftspolitische Diskussion über die Landwirtschaft hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Davon ist Bauernpräsident Joachim Rukwied überzeugt.

Beim Kreisverbandstag in Ahlen war der DBV-Präsident angetreten, um die „Zukunftsfragen einer modernen Landwirtschaft“  zu beleuchten. Und so skizzierte der Hauptredner einen Aufgabenkatalog, den es über Jahre hinweg auf verschiedenen Ebenen abzuarbeiten gilt.

Vorneweg die gesellschaftspolitische Diskussion, insbesondere um Bestandszahlen, die innerhalb des Berufsstandes als Intensivtierhaltung diskutiert und von der Gesellschaft als Massentierhaltung beschimpft werde: „Mit rationalen Antworten kommen wir da nicht weiter. Wir können die Menschen emotional nicht erreichen mit Erklärungen, dass unsere Tierbestände im EU-Durchschnitt liegen und Tierwohl nicht von Bestandszahlen abhängen“, ist der Bauernpräsident überzeugt. Vielmehr müsse dringend die Kommunikation verbessert werden. Kommunikation der Landwirtschaft sei – auch nach Einschätzung führender Journalisten – die zentrale Herausforderung der gesamten Branche im Hinblick auf ihre Zukunftsfähigkeit.

 Drängende Zukunftsfragen eine Frage des Blickwinkels

Welches die drängenden Zukunftsfragen einer modernen Landwirtschaft seien, hänge allerdings entscheidend vom Blickwinkel des Betrachters ab: Landwirte gäben darauf eine andere Antwort als beispielsweise Personen der vor- oder nachgelagerten Branchen. Außerhalb der Landesgrenze werde in weiten Teilen der Welt die Ernährungssicherung der wachsenden Weltbevölkerung als Primäraufgabe gesehen. Unter Aspekten des Klimaschutzes hingegen werde die Effizienzsteigerung der Landwirtschaft diskutiert. Aus wirtschaftlicher Perspektive liege das Augenmerk auf der Wettbewerbsfähigkeit und den Wachstumsmärkten sowie der drängenden Frage, mit welchen Produkten höhere Marktanteile zu generieren seien. „Agrobusiness und Ernährungswirtschaft stellen 11 % der Arbeitsplätze in Deutschland. Zusammen sind wir die drittstärkste Branche in der Bundesrepublik. Nur mit der Sicherung dieser 4,5 Mio. Arbeitsplätze erreichen wir Zukunftssicherung für die unverzichtbaren ländlichen Räume“, so Rukwied.

 GAP: Verlust in 1. Säule nicht durch 2.Säule zu kompensieren

Klare Worte fand der Bauernpräsident auch hinsichtlich der GAP und kritisierte den Verlust von 12 % in der ersten Säule, von denen zwar 4,5 % in der zweiten Säule generiert werden könnten, aber eben nicht 1:1. Denn immerhin müssten  90 Cent an Aufwand betrieben werden, um 1 Euro zurückzuholen. Die weitere Ausgestaltung der zweiten Säule sei daher von entscheidender Bedeutung. Die jetzige GAP eröffne viel mehr nationale Regulierungsmöglichkeiten, wodurch der falsche Weg  der Renationalisierung beschritten werde. „Aber die Schlacht ist noch nicht geschlagen! Denn entscheidend ist die Ausgestaltung des Greenings!“, ist Rukwied überzeugt.

Flächenverlust befürchtet

Es sei nicht auszuschließen, dass Deutschland durch die Vorgaben der EU-Kommission nicht verhindern könne, dass Flächen nicht mehr produktiv genutzt werden können und es quasi zu Flächenstilllegungen komme. „Es ist aber unbestritten, dass nur gesunde und funktionierende Familienbetriebe die Grundvoraussetzung sind für Wirtschaftskraft und Stabilität, soziale Ruhe und die Zukunftsfähigkeit einer Region. Bundeslandwirtschaftsminister Friedrich hat sich hier ganz klar positioniert. Und wir werden ihn tatkräftig unterstützen!“, versicherte der Bauernpräsident.

 Kein Verständnis für Novellierung der Düngeverordnung

Kein Verständnis zeigte Rukwied für die Novellierung der Düngeverordnung: „Wir in Deutschland haben die Gülleverordnung flächendeckend umgesetzt. Wir haben - von einigen Hotspots abgesehen, wo Stickstoffgehalte angestiegen sind -  massive Rückgänge der Nitratwerte im Grundwasser erreicht. Wir haben viel geleistet.“ Als „nicht Ziel führend“ bewerte er daher Vorschläge,  wonach künftig 170 KG N/ha als Höchstgrenze gelten soll. „Das ist nicht mehr am Bedarf orientiert, hier wurde eine Zahl willkürlich festgesetzt!“ zeigte sich Rukwied verärgert.

Insektizidfreie Zone wäre keine Lösung!

Dass Brüssel auch beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln neue Wege gehen will, hält Rukwied ebenfalls für falsch: Immer den schlimmsten möglichen Fall angenommen sollen künftig bei Neuzulassungen neue Kriterien Anwendung finden mit der Folge, dass Mittel, die bereits zugelassen sind und vom Bundesinstitut für Risikobewertung als unbedenklich eingestuft wurden, dennoch vom Markt genommen werden müssten. „Die Folge wäre, dass wir 2016 eine Insektizid freie Zone sind und unsere Pflanzen nicht mehr gegen Schädlinge schützen können“, so der Präsident. Er kündigte Gespräche mit Brüssel an.

 TWI: Handel muss Lippenbekenntnissen Taten folgen lassen

Mit Blick auf die Tierwohlinitiative betonte der DBV-Präsident die Entschlossenheit des Verbandes.  Jetzt liege es beim Handel, zu zeigen, ob er bei Lippenbekenntnissen bleibe, oder die Ideen umsetze. „Ich glaube, das ist ein Lösungsansatz, um  die Zukunftsfragen einer modernen Landwirtschaft im Kontext gesellschaftspolitischer Diskussionen als Gesamtbranche zu beantworten. Das ist ein guter Ansatz. Denn eine gut erbrachte Lösung mit allen Branchenvertretern ist allemal besser als jegliche gesetzliche Vorgabe“, versicherte Rukwied.

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