Uni Münster: 7 Fachbereiche machen Milchviehbetrieb zum Forschungszentrum

11. April 2014

Warum wurde einst dem Bischof Meldung gemacht, ob Frauen auf dem Land ihre Kinder stillen? Wie entwickeln sich Milchmärkte weltweit und warum haben manche Menschen eine Laktose-Intoleranz? Fragen rund um die Milch, denen sich gleich mehrere Fachbereiche der Uni Münster widmen möchten – und zwar auf dem Hof Gerd-Holling in Everswinkel.

Eine sechsköpfige Delegation der Arbeitsstelle Forschungstransfer an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hat unter der Leitung von Dr. Wilhelm Bauhus den Milchviehbetrieb von Christoph Gerd-Holling besucht und vor Ort Pläne geschmiedet für einen Wissenschaftstag:  „Seit vier Jahren sorgen wir im Rahmen der Expedition Münsterland für Wissenstransfer aus der Uni in das Münsterland hinein – und zurück. Wir sind überzeugt, dass die Menschen und Unternehmen in der Region vom universitären Wissen profitieren und ebenso die Studenten an Arbeitsfeldern in ihrer Region lernen können“, erklärt Dr. Bauhus das Konzept.

Expedition Münsterland kommt nach Everswinkel

Seit 2010 werden im Rahmen der Expedition Münsterland einzigartige Wissens-Schauplätze erlebbar gemacht. Dann verwandeln sich eher unbekannte Orte in Zentren geballter Wissensvermittlung. So auch der Milchviehbetrieb Gerd-Holling in Everswinkel. Hier soll – da sind sich Forschungsteam und Betriebsleiter Christoph Gerd-Holling einig - an 10 bis 12 Stationen spannendes, überraschendes oder auch kurioses Wissen vermittelt werden: „Wir werden das Thema Milch voraussichtlich mit sieben Fachrichtungen beleuchten. Der Fachbereich Oecotrophologie wird sensorisch erlebbar machen, wie Milch schmeckt. Volkskundlich von Bedeutung ist etwa das Stillen als Wohlstandsanzeige der Bevölkerung. Die Evolutionsbiologie erklärt, warum der Mensch als einzige Lebewesen auch im erwachsenen Alter Milch trinkt, während die Wirtschaftswissenschaften die globalen Zusammenhänge des Weltmilchmarktes und die Preisentwicklung darstellen. Interessant sind natürlich auch die lebensmittelchemischen Aspekte und die Hygieneforschung und vieles mehr“, schwärmt der Wissenschaftler.

 "Der Hof Gerd-Holling ist ideal!"

„Früher gab es in jedem Dorf eine Molkerei, eine Brauerei und eine Kornbrennerei. Wir suchten nun eine Gemeinde, in der heute noch alles zu finden ist“, erklärt Bauhus. Und weil in Everswinkel die DMK Deutsches Milchkontor GmbH als größte deutsche Genossenschaftsmolkerei ansässig ist, wandte sich das Forschungsteam an Bürgermeister Ludger Banken mit der Bitte um weitere Kontakte in Everswinkel. „Für mich war schnell klar, dass wir einen Milchviehbetrieb zeigen müssen. Da bietet sich der Hof Gerd-Holling ideal an“, freut sich der Bürgermeister um die sofortige Zusage des Landwirtes. Der Hof, der 1499 erstmalig urkundlich erwähnt wird und dessen stattliches Haupthaus 1698 errichtet wurde, hat eine lange Tradition und wird vom heutigen Betriebsleiter gerne interessierten Besuchern gezeigt und alle Betriebsabläufe erklärt. In den Ställen stehen 100 Milchkühe mit Nachzucht und 700 Mastschweine.  90 ha Ackerbau und Grünland garantieren den eigenen Futtermittelanbau.

Nach dem angeregten Vorgespräch gehen die Mitarbeiter der Forschungsstelle nun ans Werk, die Stationen rund um das Thema Milch zu planen und im nächsten Jahr bei einem Wissenschaftstag auf dem Hof Gerd-Holling in Everswinkel gemeinsam mit den universitären Forschungsrichtungen  der Bevölkerung zu präsentieren.  

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