Praktikanten aus Afrika lernen auf hiemischen Betrieben

19. Dezember 2019

Im nächsten Jahr möchte Ritah Lutaaya Najjemba aus Afrika einen Schweinestall bauen. Die Chancen dafür stehen gut. Das noch fehlende Knowhow vermittelt ihr derzeit Landwirt Andreas Westermann aus Ennigerloh.
Sechs junge Menschen aus Uganda machen derzeit ein dreimonatiges Praktikum auf landwirtschaftlichen Betrieben in der Region. Und alle sechs haben große Pläne: Sie möchten die Landwirtschaft in ihrer Heimat voranbringen. Ein ehrgeiziges Ziel. Denn weltweit hungern 815 Mio. Menschen. Das sind 11 % der Weltbevölkerung. Nirgendwo ist der Anteil der Hungernden größer als in Afrika. „Es fehlen Strukturen, Handelsbeziehungen, Straßennetze, Lagerkapazitäten. Die Korruption ist hoch. Aber die klimatischen Bedingungen sind gut: Zwei Regenzeiten garantieren in der Regel zwei Ernten im Jahr“, so der stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende Andreas Westermann. Er selbst war 2 Wochen in Äthiopien und hat sich ein Bild von der Landwirtschaft gemacht. Auch seine Berufskollegen haben nicht lange gezögert, bei diesem Praktikantenaustausch mitzumachen.
Im Rahmen der Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“ fördert das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung den Praktikantenaustausch mit Uganda. Organisiert wird es von der Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes und der Andreas Hermes Akademie. Die Initiative setzt an den strukturellen Ursachen von Hunger an, um mit einer nachhaltigen Landwirtschaft eine ländliche Entwicklung und Wege aus der Armut zu schaffen.
Die Praktikanten bemühen sich in ihrer Heimat auf unterschiedlichste Weise, Landwirtschaft zu verbessern und Wissen zu vermitteln. „Eine Ausbildung im Bereich Landwirtschaft gibt es in Uganda nicht. Learnin by doing lautet die Devise“, so Landwirt Benedikt Sprenker. Zwei Praktikanten engagieren sich in Uganda als private Lehrer, einer von ihnen organisiert eine Art Junglandwirte-Verband. Henry Ssemteza hat Sozialwissenschaften studiert, bevor er in die Landwirtschaft ging. Neben Ackerbau und Viehhaltung widmen sich drei von ihnen sogar der Erzeugung von Biogas. „Allerdings nur für den Eigenbedarf“, so Martin Post, der auf seinem Hof in Ahlen Paul Okurut aufgenommen hat. „In Uganda gelangen 40 Prozent der Früchte nicht zur Marktreife, so hoch sind die Lagerverluste. Die Früchte kommen dann in die Biogasanlagen. Da können wir noch einiges an Wissen vermitteln“, so Post. Auch Matthias Hoffmeier ist überzeugt: „Wir können und müssen helfen, dass Menschen aus armen Ländern nicht flüchten müssen, sondern ihnen das nötige Wissen zu vermitteln, in ihren Ländern für bessere Lebensbedingungen sorgen zu können. Und da können wir als Landwirte einen wichtigen Beitrag leisten!“.
Alle Betriebsleiter sind beeindruckt von der Wissbegier und Lebensfreude ihrer Praktikanten. Sie freuen sich, an diesem sinnvollen Projekt teilzunehmen und wollen ihre Praktikanten auch über diese Zeit hinaus unterstützen. „Wir müssen die Werbetrommeln rühren, damit sich demnächst noch mehr Betriebe diesem für beide Seiten bereicherndem Austausch anschließen“, so Westermann. Im Gegenzug können junge Berufseinsteiger und Studierende im Bereich Landwirtschaft und Gartenbau aus Deutschland für drei Monate nach Uganda gehen.

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