Erträge unterdurchschnittlich – Qualitäten erfreulich - Preise gut

19. September 2018

WLV-Präsident Röring zieht Erntebilanz 2018

Münster <wlv> Die Bauern in Westfalen-Lippe blicken zurück auf eine Getreide- und Rapsernte, die stark geprägt war von der extremen Dürre und Hitze der zurückliegenden Monate. Im Landesdurchschnitt war die Ernte deutlich kleiner als in den Vorjahren, brachte jedoch vielerorts erfreuliche Qualitäten, die zu aktuell guten Preisen vermarktet werden können. Insgesamt fällt die Erntebilanz 2018 für die Landwirtschaft sehr durchwachsen aus. Dieses Fazit zog Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV), anlässlich der zentralen Erntepressekonferenz des Verbands heute bei Paderborn.

„Die Bedingungen bei der Aussaat des Getreides im regenreichen letzten Herbst waren oft schwierig. Zum Teil mussten die Bauern die Aussaat bis ins Frühjahr 2018 verschieben. Nach einem weitgehend durchschnittlichen Witterungs- und Vegetationsverlauf hatten wir dann ab April faktisch Hochsommer und kaum noch Niederschläge, was sich vor allem auf sandigen Böden negativ auf viele Kulturen auswirkte. Während Sonderkulturen, wie Erdbeeren, Spargel, Obst und Gemüse davon profitierten, hat die Dürre vor allem das Grünland und den Maisanbau getroffen. Auch dieses Jahr hat wieder gezeigt: Wir bleiben in der Landwirtschaft abhängig von den Unwägbarkeiten der Natur“, so Röring.

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband schätzt den durchschnittlichen Ertrag 2018 bei Getreide (ohne Körnermais) in Westfalen-Lippe auf ca. 70 dt/ha. Die Ernte liegt damit etwa 4 Prozent unter dem Ergebnis von 2017 und ca. 10 Prozent unter dem Mittelwert der Jahre 2012 bis 2017. Die Erträge bei Winterraps lagen bei 34 dt/ha, was im Vergleich zu 2017 und zum langjährigen Durchschnitt einem Minus von 9 bzw. 13 Prozent entspricht. Drastische Rückgänge mussten die Bauern bei Körner- und Silomais verkraften. Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2017 werden hier Ertragseinbußen in einer Größenordnung von 30 bis 35 Prozent erwartet.

Die Qualität der Getreideernte 2018 in Westfalen-Lippe war fast überall sehr erfreulich, da die lange Trockenheit nicht nur für einen außergewöhnlich frühen Erntebeginn sorgte sondern auch Pilzbefall im Getreide verhinderte. Angesichts der kleineren Erntemenge und guter Qualitäten zogen die Erzeugerpreise für Futtergetreide spürbar an. So liegen die Preise für Futterweizen, Futtergerste und Triticale aktuell zwischen 100 und 205 Euro pro Tonne und damit ca. 30 bis 40 Prozent über dem Vorjahr.

Insgesamt hat sich die Stimmung in der Landwirtschaft aus Sicht des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands seit Mitte 2017 deutlich eingetrübt. Hierfür gibt es aus Sicht des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands mehrere Gründe: Aktuell ungeklärte Fragen zu künftigen Standards in der Schweinehaltung und das Vordringen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) Richtung Deutschland werden von vielen Betrieben als existenzielle Gefahren für die eigene Existenz wahrgenommen. Zudem führen die unterdurchschnittliche Ernte und niedrige Erzeugerpreise vor allem auf den Fleischmärkten dazu, dass die viele Landwirte spürbar weniger in Wirtschaftsgebäude und Maschinen, Hof- und Stalltechnik oder erneuerbare Energien investieren.

Die vor allem im Osten und Norden Deutschlands aufgetretenen Dürreschäden und die extremen Wetterverhältnisse der letzten Monate haben in Medien, Politik und Gesellschaft kontroverse Debatten ausgelöst. Im Zentrum stehen dabei Fragen nach der Rolle der Landwirtschaft in Bezug auf den Klimawandel und der richtigen Form der Unterstützung der Bauern.

Hierzu stellte WLV-Präsident Röring fest: „Risiken – und damit auch Wetterrisiken – gehören zum landwirtschaftlichen Unternehmertum. Als Bauern wollen wir keine „Nothilfen von Vater Staat“ sondern bessere Möglichkeiten für eine eigenbetriebliche Risikovorsorge, z.B. durch Verbesserungen im Steuerrecht. Zudem appelliere ich an die politisch Verantwortlichen, sich angesichts der aktuellen Notsituation auf vielen Betrieben mit kostentreibenden Vorschlägen zum Um- oder Neubau z.B. von Siloanlagen, zurückzuhalten.“

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