Hände weg von der Tierhaltung!

10. Januar 2019

WLV-Präsident Röring: „Wir müssen diese wichtige Säule des Wohlstands der Region erhalten!“

Münster <wlv> Trotz einer uneinheitlichen Einkommensentwicklung in der Landwirtschaft und aktuell heftiger Attacken gegen die heimische Nutztierhaltung blicken die Bauern in Westfalen-Lippe mit verhaltenem Optimismus auf das neue Jahr. Diese Einschätzung gab Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), heute anlässlich des Havichhorster Presseabends des Verbandes auf Gut Havichhorst bei Münster. Das Augenmerk des Verbands gilt 2019 und in den Folgejahren vor allem dem Erhalt der regionalen Tierhaltung als Säule des Wohlstands der Region. Mit Initiativen will der WLV zudem eigene Akzente zum stärkeren Schutz von Boden, Wasser und Luft setzen und seine 2017 gestartete „Offensive Nachhaltigkeit“ weiter vorantreiben.

„Die Stimmung auf den landwirtschaftlichen Betrieben ist momentan je nach Produktionsrichtung sehr unterschiedlich. Alle Betriebe hatten und haben z. T. weiter mit den Folgen der Dürre des letzten Jahres zu kämpfen, doch die Erzeugerpreise für unsere Hauptprodukte Milch und Fleisch haben sich 2018 sehr unterschiedlich entwickelt. Für das kommende Jahr erhoffen wir uns vor allem für die Schweinehalter eine spürbare Wende zum Besseren“, so Röring.

Nach vorläufigen Zahlen der landwirtschaftlichen Buchstellen stieg der durchschnittliche Gewinn der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Westfalen-Lippe im Wirtschaftsjahr 2017/18 (01.07.2017 – 30.06.2018) um 8 Prozent auf ca. 64.000 Euro. Allerdings gab es zwischen den Produktionsrichtungen erhebliche Unterschiede. Während die Ackerbauern ein Ergebnis in etwa auf Vorjahresniveau verzeichnen konnten, mussten die Schweinehalter Einbußen von 28 Prozent verkraften. Deutlich besser schnitten die Milchbauern ab, die nach schwierigen Vorjahren ein deutliches Plus von 67 Prozent verzeichneten. Der Anteil der öffentlichen Transfers am Unternehmensergebnis bei allen Betriebsformen lag im Durchschnitt aller Betriebsformen bei 25 Prozent.

Mit Blick auf 2019 herrscht bei den Milchbauern verhaltener Optimismus. Nach wie vor unklar sind die Auswirkungen der Dürre des letzten Jahres auf die Höhe der Milchanlieferungen. Deutlich spürbar sind jedoch die Belastungen durch die dürrebedingten zusätzlichen Futterkäufe. Die Ackerbauern in Westfalen-Lippe erwarten für das neue Jahr keine größeren Preisausschläge, da die Getreidelager weltweit gut gefüllt sind. Hoffnung auf bessere Erzeu-gerpreise gibt es bei den Schweinehaltern der Region, da die Tierbestände vor allem durch Betriebsaufgaben vieler Sauenhalter spürbar zurückgegangen sind.

Seine wichtigste Aufgabe der kommenden Monate sieht der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband darin, die Tierhaltung als Rückgrat des regionalen Wohlstands zu erhalten. Die heute vom Land Berlin beim Bundesverfassungsgericht eingereichte Klage gegen die Mindeststandards in der Schweinehaltung stellt für den Verband einen Frontalangriff auf die Lebensgrundlage vieler Bauernfamilien und die von der Schweinehaltung abhängigen Wirtschaftsbereiche in Westfalen-Lippe insgesamt dar. Dazu WLV-Präsident Röring: „Es ist verantwortungslos, dass Teile der Gesellschaft glauben, immer mehr Grundlagen unseres Wohlstands zerstören zu müssen. Nach der Energiewirtschaft und der Dieseltechnologie gerät nun die heimische Tierhaltung ins Visier. Wir müssen diese wichtige Säule des Wohlstands unserer Region erhalten. Ich kann nur sagen: Hände weg von der Tierhaltung!“

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband will 2019 eigene Vorschläge erarbeiten, um landwirtschaftliche Produktionsverfahren so zu verbessern, dass Wasser, Boden und Luft künftig besser geschützt werden. Der Verband setzte dabei vor allem auf eine bessere Kombination von Ordnungsrecht, freiwilligen Kooperationen, Beratungs- und Informationsmaßnahmen und spezifischen freiwilligen Maßnahmen, um Emissionen spürbar zu senken.

Unverändert mit großer Sorge verfolgen die Tierhalter in Westfalen-Lippe die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die im Jahr 2018 mit Belgien erstmals ein westeuropäisches Nachbarland erreicht hat. Durch die Schaffung einer „Wildtierseuchenvorsorgegesellschaft“ hat der WLV in dieser Woche gemeinsam mit anderen Verbänden und Unternehmen die Voraussetzungen geschaffen, um im Falle eines Ausbruchs der ASP in NRW den Erreger in heimischen Wildschweinbeständen entschlossen zu bekämpfen.

Daneben sieht der Verband beim Ausbau von Leitungstrassen für Nordseestrom unverändert Handlungsbedarf und verlangt den Verzicht auf einen Naturschutzausgleich für Trassenführungen für erneuerbare Energien sowie die Einführung wiederkehrender Entschädigungszahlungen für Grundbesitzer.

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