Bauern stellen die Grundsatzfrage: „Will die Gesellschaft uns noch?“

04. April 2019

WLV-Präsident Röring: „Wir stehen in der Pflicht und wollen sauberes Wasser!“

Münster <wlv> „Bauern brauchen Zukunft – Zukunft braucht Bauern!“ – Unter diesem Motto versammelten sich heute auf dem Domplatz in Münster ca. 6.000 Bäuerinnen und Bauern aus ganz Deutschland zu einer Kundgebung, um gegen die geplante Verschärfung des Düngerechts zu protestieren und auf Ihre steigenden Existenzängste aufmerksam zu machen. Die Organisatoren der Kundgebung, der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) und der Rheinische LandwirtschaftsVerband (RLV), konnten zu der Veranstaltung neben Delegationen aus Niedersachsen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern auch hochrangige Gäste aus der Politik begrüßen. Zu den Kundgebungsteilnehmern sprachen Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, und Ursula Heinen-Esser, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen.

„Die jetzt vorgeschlagenen Maßnahmen bringen drastische Einschnitte, die fachlich wenig oder gar nicht überzeugen. Zudem macht uns die Art und Weise, wie diese Maßnahmen über die Köpfe der Betroffenen hinweg beschlossen wurden, wütend und fassungslos. Angesichts immer neuer Auflagen verlieren viele Bauernfamilien – vor allem unsere jungen Leute – mittlerweile den Glauben an eine erfolgreiche Zukunft in der Landwirtschaft“, fasste WLV-Präsident Johannes Röring zu Beginn der Kundgebung die Stimmung innerhalb der Landwirtschaft zusammen.

Im Mittelpunkt der Kritik der Kundgebungsteilnehmer stand die Ende Januar von der Bundesregierung auf Druck der EU-Kommission vorgeschlagene Regelung, die maximal zulässige Düngung in Gebieten, in denen das Grundwasser einen erhöhten Nitratwert aufweist, pauschal um 20 Prozent zu reduzieren. Die Brüsseler Behörde hatte hier höhere Anstrengungen Deutschlands gefordert und auch die 2017 beschlossene Verschärfung des deutschen Düngerechts als nicht ausreichend kritisiert.

Nach Ansicht des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands ist zudem das derzeitige System der Berechnung und Ausweisung von nitratbelasteten Grundwasserkörpern in NRW wenig transparent und stark verbesserungswürdig. Aktuell werden über 50 Prozent aller Acker- und Gründlandflächen in Nordrhein-Westfalen als belastet ausgewiesen, auch wenn weite Teile innerhalb dieser Grundwasserkörper dies faktisch nicht sind.

WLV-Präsident Röring forderte die anwesenden Ministerinnen auf, die starke Kürzung der maximal erlaubten Düngemenge zurückzunehmen und die offenkundigen Schwächen in der Ausweisung von belasteten Gebieten zu beheben. Zugleich wies er aber darauf hin, dass sich auch die Landwirtschaft in der Pflicht sehe, flächendeckend eine Trendwende hin zu sinkenden Nitratwerten zu schaffen.

„Auch wir Landwirte wollen sauberes Wasser und stehen in der Pflicht, hierzu unseren Beitrag zu leisten. Es wäre unredlich so zu tun, als hätte die Nitratbelastung des Grundwassers in einigen Gebieten unseres Landes nichts mit der Landwirtschaft zu tun. In einigen Regionen werden wir daher fachlich gebotene Auflagen akzeptieren müssen“, so Röring.

Grundsätzlich sieht der WLV-Präsident die Belastung der landwirtschaftlichen Betrieb jedoch an einem Punkt angekommen, an dem sich Politik und Gesellschaft entscheiden müssen, ob sie auch künftig noch eine von bäuerlichen Familienbetrieben getragene, flächendeckend produzierende Landwirtschaft in NRW und in Deutschland wollen.

Röring wörtlich: „Wenn diese Gesellschaft tatsächlich regional erzeugte Lebensmittel will, muss sie ihren Bauern auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen zugestehen, die eine rentable regionale Erzeugung möglich machen. Wir brauchen als Bauern endlich eine klare Richtung und eine ehrliche Diskussion, ob wir noch erwünscht sind!“

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