Bewusstsein für den Wert der Lebensmittel schärfen

07. Oktober 2019

Bauernverband und Landeskirche feierten gemeinsam Erntedank

Münster/Herford <wlv> Ein respektvoller Blick auf die Gaben Gottes und die Verantwortung für kommende Generationen sind das gemeinsame Anliegen von Kirche und Landwirtschaft. Das wurde deutlich bei einer Veranstaltung zum Erntedank am gestrigen Freitagabend, zu welcher der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) zusammen nach Herford-Elverdissen eingeladen hatten.

„Es ist unbedingt nötig, dass wir von Ihren Problemen erfahren. Und dass Sie uns sagen, wo Sie uns an Ihrer Seite brauchen“, ließ Präses Dr. h. c. Annette Kurschus die zahlreich erschienenen Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaft wissen. Deshalb „sollten wir weniger übereinander, sondern mehr miteinander sprechen“, so die leitende Theologin der EKvW. Genau das geschah an diesem Abend. Die Bewahrung der Schöpfung sei für die Kirchen seit Jahrzehnten ein zentrales Thema. „Wir waren schon frühzeitig auf dieser Spur, und es hat sich gelohnt, dass wir konsequent dran geblieben sind.“ Denn es gehe um Verantwortung auch für die nachfolgenden Generationen, so die Präses.

Für WLV-Vizepräsident Wilhelm Brüggemeier gibt es kein besseres Beispiel für nachhaltiges Wirtschaften als die Land- und Forstwirtschaft – und das seit Jahrhunderten. Er gab zu bedenken, dass vor knapp 50 Jahren vier und heute weltweit acht Milliarden Menschen ernährt werden müssten. Das gehe nicht ohne moderne Produktionstechnik. Dieser Sachverhalt, aber auch das Konsumverhalten müsste viel stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. Die Landwirte würden die Öffentlichkeit gerne über Haltungs- und Nutzungsbedingungen informieren.

Hermann Dedert, Vorsitzender des WLV-Kreisverbandes Herford-Bielefeld, wies darauf hin, dass die Kirche aus seiner Sicht dazu neige, ein wenig differenziertes Bild von der Landwirtschaft zu pflegen. Die Bauern seien dazu bereit, über gestiegene Ansprüche der Gesellschaft in Sachen Tierwohl zu sprechen, aber: „Es muss wirtschaftlich machbar sein.“

Volker Rotthauwe, Leiter des Fachbereichs Nachhaltige Entwicklung am Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW, verwies auf die Schwierigkeit, die bestehenden Zielkonflikte zwischen Ökonomie und Ökologie in der Landwirtschaft zu lösen. Die Kirche müsse das Bewusstsein für den Wert der Lebensmittel „als Mittel zum Leben“ noch stärker schärfen und selber mit gutem Beispiel vorangehen.

Beim Gottesdienst in der Friedenskirche Elverdissen hatte Präses Annette Kurschus zuvor in ihrer Predigt deutlich gemacht: Wer Gott für die guten Gaben seiner Schöpfung dankbar sei, der werde sich auch dafür einsetzen, dass andere genug zum Leben hätten. Sie erinnerte an die zwiespältigen Folgen einer guten Ernte: sinkende Preise – zur Freude der Verbraucher und zum Nachteil der Landwirte. Kurschus erinnerte auch an die schädlichen Folgen industrieller Fleischproduktion, an die Impulse von „Brot für die Welt“ für eine gerechtere Landwirtschaft weltweit und an das „Höfesterben“ hier in Westfalen-Lippe. Vor diesem unübersichtlichen Hintergrund sei jeder einzelne Mensch wichtig und werde gebraucht. Jeder werde von Gott gehört und zur Verantwortung gerufen.

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