Nutztierstrategie bietet gute Diskussionsgrundlage

12. Februar 2020

Münster <wlv> Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) begrüßt die heute von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner der Öffentlichkeit vorgestellten Vorschläge zur Erarbeitung einer nationalen Nutztierstrategie. Der Verband sieht darin eine gute Grundlage, um einen neuen gesellschaftlichen Konsens über die Form der landwirtschaftlichen Tierhaltung herzustellen, kritisiert aber deutlich das Fehlen schlüssiger Umbaukonzepte für bestehende Ställe. Ohne solche Konzepte wird die gesamte Nutztierstrategie nach Ansicht des WLV bei den Tierhaltern deutlich weniger Akzeptanz finden.

„Nach Jahren unbefriedigender Debatten liegt jetzt endlich eine nationale Nutztierstrategie vor, die diesen Namen auch verdient. Mein Dank gilt Bundesministerin Julia Klöckner und dem „Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung“ unter der Führung von Ex-Landwirtschaftsminister Jochen Borchert für sehr konkrete Empfehlungen, die uns in der Sache wirklich voranbringen können. Dies ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einem umfassenden Gesellschaftsvertrag über die Landwirtschaft der Zukunft! Noch sind wichtige Fragen offen, aber ich bin der Überzeugung, dass es auf dieser Basis gelingen kann, einen neuen gesellschaftlichen Konsens über die künftige Form unserer Nutztierhaltung in Deutschland zu erarbeiten. Ich lade Politik, Wissenschaft, Medien und die Interessenvertretungen des Tier- und Umweltschutzes dazu ein, jetzt die Debatte zu führen, für die bisher eine hinreichend konkrete Basis fehlte“, sagte WLV-Präsident Johannes Röring heute in Münster.

Nach Ansicht des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands enthält das vorgelegte Konzept eine ehrliche Bestandsaufnahme der aktuell bestehenden Zielkonflikte zwischen den legitimen Forderungen des Tier- und Umweltschutzes und den Bedürfnissen der Bauernfamilien, die auch künftig von ihrer Arbeit leben können müssen.

Der Verband begrüßt die vorgestellte Transformationsstrategie als schlüssig, da sie zu Recht langfristig angelegt sei, eine gelungene Kombination von Ordnungsrecht und Förderpolitik enthalte und auch Vorschläge für eine tragfähige Finanzierungsstrategie biete.

Dazu WLV-Präsident Röring: „Unsere aktuelle Form der Nutztierhaltung in Deutschland steht erkennbar in der Kritik, und immer stärker bestimmen auch Gerichte über die rechtlichen Rahmenbedingungen unserer Tierhaltung. Wir müssen feststellen, dass Forderungen nach höheren Standards in der Tierhaltung in unserer Gesellschaft breite Unterstützung finden, die große Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbrauchern aber nicht bereit ist, die erheblichen Kosten höherer Tierwohlstandards auch in vollem Umfang an der Ladenkasse zu bezahlen. Wir brauchen daher eine abgestimmte Antwort auf die Frage, woher das Geld für die gesellschaftliche gewünschte Transformation unserer Tierhaltung kommen soll.“

2017 hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) den Rahmen für eine Nutztierstrategie vorgestellt und am 1. April 2019 zur weiteren Unterstützung des Vorhabens das „Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung“ unter der Leitung des ehemaligen Bundeslandwirtschaftsministers Jochen Borchert eingesetzt. Die heute vorgestellten Empfehlungen des Netzwerks gehen davon aus, dass ein flächendeckender Umbau der deutschen Nutztierhaltung bis 2040 grundsätzlich möglich ist. Das Konzept enthält Kostenkalkulationen und diskutiert eine Reihe von Finanzierungsoptionen.

„Wir stehen erst am Anfang einer überfälligen Debatte. Damit der skizzierte Umbau der Nutztierhaltung von den Bauernfamilien aber auch tatsächlich in Angriff genommen werden kann, muss sichergestellt sein, dass die noch fehlenden Umbaukonzepte für bestehende Ställe nachgereicht werden. Außerdem muss die finanzielle Förderung des Umbaus und der
späteren Tierhaltung langfristig angelegt und verlässlich sein. Dies geht nur mit einer umfassenden Finanzierungsvereinbarung, die von einer breiten politischen Mehrheit im Bundestag und in den Länderparlamenten über mehrere Legislaturperioden hinweg getragen wird. Dies wird nicht einfach, aber mit gutem Willen auf allen Seiten kann es gelingen“, so WLV-Präsident Röring.

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