Trockenheit auf westfälischen Feldern bereitet den Landwirten Sorgen

07. Mai 2020

WLV-Präsident Beringmeier: „Flexiblere Bewirtschaftungsformen könnten Betrieben helfen“

Münster <wlv> Aktuell sind die Landwirtinnen und Landwirte in Westfalen-Lippe auf ihren Feldern und Wiesen unterwegs. Durch Bodenbearbeitung, Aussaat und Düngung werden die Voraussetzungen für die spätere Ernte von Getreide und Mais in diesem Sommer und Herbst geschaffen. Bei Futterbaubetrieben steht derzeit der erste Grünlandschnitt an. Auf vielen landwirtschaftlichen Flächen in der Region ist es auch nach den Niederschlägen in der vergangenen Woche noch zu trocken, der Berufsstand hofft weiterhin auf Regen.

Sowohl Getreide als auch Grünland-Standorte – vor allem im Mittelgebirge – sind von der anhaltenden Trockenheit betroffen: „Seit Frühjahrsbeginn hat es bei mitunter ungewöhnlich warmen Temperaturen für diese Jahreszeit zu wenig Niederschläge gegeben. Gleichzeitig ist das genau der Zeitraum, in dem unsere Pflanzen für das Wachstum dringend Wasser brauchen, denn die Feuchtigkeit ist für den Graswuchs und das Keimen der Saat dringend notwendig“, weiß WLV-Präsident Hubertus Beringmeier. Eine Lockerung des strikten Grünlandumbruchverbots sei eine Möglichkeit, um flexibler auf Trockenheit zu reagieren. "Das wäre ökologisch sowie ökonomisch sinnvoll", so Hubertus Beringmeier, der mit seinem Besuch in Wenden zum ersten Mal in seiner Amtszeit eine Pressekonferenz in Südwestfalen abhält.

Das Austrocknen der oberen Bodenschichten trifft insbesondere die Pflanzen, deren Wurzeln nicht tief in den Boden wachsen – etwa Grünland, das in Südwestfalen überwiegend in den Hanglagen vorzufinden ist. Biobauer Bernd Eichert aus Wenden im Kreis Olpe nutzt das Gras zur Fütterung seiner Mutterkühe, die sechs bis sieben Monate im Jahr auf der Weide gehalten werden. „Normalerweise machen wir drei Grasschnitte pro Jahr. In den vergangenen zwei Dürrejahren waren die Auswirkungen der Trockenheit bereits deutlich spürbar, sie führten zu weniger Grasschnitten und in der Folge zu einer Verknappung bei unseren Futtermitteln. Generell stehen Biobetrieben geringere Nährstoffmengen für ihre Flächen zur Verfügung und ernten in der Folge weniger als konventionelle Betriebe. Hinzu kommt, dass der Zukauf für Öko-Futter ebenfalls teurer ist“, erläutert Bernd Eichert.

Die Hanglage im Ebbegebirge führt dazu, dass kräftige Regenschauer nicht tief in den Boden hinabsickern, sondern dass das Wasser vielmehr den Hang runter läuft: „Ein langsames regelmäßiges Einregnen wäre für unsere Flächen besser. Aktuell sind die kurzen Regengüsse nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wichtig ist für uns daher, über Alternativen nachzudenken, die langfristig eine optimale Bewirtschaftung der Felder auch in Trockenphasen gewährleisten“, sagt der Wendener Landwirt. Eine Option ist seiner Einschätzung nach die Flexibilisierung des Grünlandumbruchverbots: „Das Umbruchverbot verbietet es grundsätzlich, Grünland in Ackerland umzuwandeln. Eine Lockerung dieser Regelung würde den Betrieben ermöglichen, durch den Anbau von Kleegras, Hafer und Leguminosen alternative Futtermittel für die Tiere bereit zu stellen, die einerseits trockenresistenter sind und andererseits eine vielfältige Fruchtfolge garantieren“, so Bernd Eichert.

Diese Forderung unterstreicht WLV-Präsident Hubertus Beringmeier: „Flexiblere Bewirtschaftungsformen könnten unseren Betrieben – gerade in Südwestfalen – helfen, Trockenperioden zu begegnen und gleichzeitig mehr Biodiversität auf den Feldern zu gewährleisten. So könnten wir flexibler als bisher auf zu geringe Niederschläge reagieren.“

Michael Richard, selbst Milchviehhalter aus Lennestadt-Petmecke und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Olpe, erklärt, dass die Trockenheit für die Betriebe mit Milchkühen, die im Kreis überwiegen, gravierende Auswirkungen hat. „In Zeiten des Klimawandels muss es möglich sein, die Bewirtschaftung unserer Felder durch Fruchtfolgen zu bereichern. Aus unserer Perspektive muss auch darüber diskutiert werden, die landwirtschaftliche Wiederbewirtschaftung bisheriger Forstflächen zu ermöglichen, die aufgrund von Kalamitäten wie dem Borkenkäfer und Stürmen langfristig wegfallen. Eine solche Umsetzung wäre ökonomisch und ökologisch sehr sinnvoll“, so Michael Richard. Im Rahmen der Wasserkooperation könnten durch Förderungen (etwa von Technik, Lagerkapazitäten für Gülle und Festmist und Pflegekapazitäten für Grünland) zusätzliche Anreize geschaffen werden, die dem Schutz von Wasser und Boden zugutekommen. „Auch auf Landesebene sollten wir erörtern, welche Fördermöglichkeiten es gibt, die den Landwirtsfamilien bei extremer Trockenheit eine wichtige Hilfestellung sein können“, so WLV-Präsident Hubertus Beringmeier.

Die Landwirte versuchen, durch besonders schonende Bodenbearbeitung möglichst die noch im Boden verbliebene Feuchtigkeit zu halten. Auf einigen Feldern, beispielsweise mit Gemü-seanbau, laufen auch Beregnungsanlagen, um Abhilfe zu schaffen. Der Großteil der Betriebe hat jedoch nicht die Möglichkeit, Beregnungsanlagen einzusetzen - auch, da diese sehr kostenintensiv sind. Pflanzen bestehen je nach Art und Vegetationsstadium zum überwiegenden Teil aus Wasser, das für die Nährstoffaufnahme und Stoffwechselaktivitäten von grundlegender Bedeutung ist.

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