Milchviehhalter in Sorge: Geringere Erzeugerpreise und gestiegene Kosten

22. Juni 2020

Beringmeier: „Unsere Bauern brauchen auskömmliche Preise, die ihre Arbeit wertschätzen“

Münster <wlv> Rund 3.500 Milchviehbetriebe gibt es in Westfalen-Lippe. Täglich produzieren die Landwirtinnen und Landwirte auf ihren Höfen qualitativ hochwertige Milch, die in nahegelegenen Molkereien zu Frischmilch, Butter, Joghurt, Quark und Käse weiterverarbeitet wird. Seit Jahresanfang hat sich der Kieler Börsenmilchwert, der frühzeitig zu erwartende Milchpreise prognostiziert, deutlich nach unten entwickelt. Während er im Februar für das restliche Jahr durchschnittlich bei 35,4 Cent pro Kilogramm lag, rutschte er zwischenzeitlich auf 25,3 Cent ab. Diese Entwicklung findet sich nun mit Verzögerung auch in den Erzeugerpreisen wieder, den die Milchbetriebe für die abgegebene Milch erhalten. Der durchschnittliche  Auszahlungspreis in Westfalen-Lippe lag im Mai bei 32,4 Cent pro Kilogramm. Hinzu kommen die Auswirkungen der vergangenen zwei Dürresommer, durch die die Milchviehhalter Futtermittel nun teuer zukaufen müssen.

„Sorge bereitet unseren Milchviehhaltern die veränderte Situation am Markt. Während es durch Corona zu einer massiv erhöhten Nachfrage bei haltbaren Produkten gekommen ist, sind im Export- und im Gastronomiebereich deutliche Einbrüche zu verzeichnen. Gleichzeitig machen sich nun die Auswirkungen der vergangenen Dürresommer bemerkbar, in denen die Landwirte keine Rücklagen schaffen konnten“, sagt WLV-Präsident Hubertus Beringmeier. „Umso mehr ärgert es uns, dass die großen Handelsketten regelmäßig die Preise drücken und den Betrieben im gleichen Zuge ständig neue Erzeugerkriterien auferlegen. Wenn die Milch auch in Zukunft aus der Region kommen soll, brauchen unsere Bauern auskömmliche Preise, die ihre Arbeit wertschätzen. Ich rufe den Lebensmitteleinzelhandel auf, mit uns zusammen zu arbeiten, damit wir gemeinsam den Wünschen der Verbraucher Rechnung tragen“, so Beringmeier.  

Milchviehhalterin Bettina Hueske aus Südlohn hat in den vergangenen Jahren erheblich in ihren Familienbetrieb investiert, um insbesondere Tierwohlkriterien noch stärker zu berücksichtigen. „Wir haben hohe Investitionen getätigt, die sich auszahlen müssen. Momentan macht uns insbesondere die Witterung einen Strich durch die Rechnung und wir haben Mehrkosten, die wir durch die aktuellen Milchpreise nicht auffangen können“, erklärt die 28-jährige Milchbäuerin aus dem Kreis Borken, die auf ihrem Hof gemeinsam mit ihren Eltern 130 Kühe hält. „Trotzdem bin ich optimistisch, dass nicht zuletzt durch Corona die Bedeutung der regionalen Wertschöpfung wieder mehr ins Bewusstsein rückt. Dadurch können unsere Betriebe gestärkt werden, sodass wir weiterhin regional Produkte mit bester Qualität produzieren können“, ist die Junglandwirtin überzeugt.

WLV-Vizepräsident Wilhelm Brüggemeier und Vertreter der Milchbauern in Westfalen-Lippe unterstreicht: „Die Wichtigkeit einer nachhaltigen und regionalen Erzeugung von Basislebensmitteln – unter Einbeziehung der gesamten Kette von der Erzeugung bis zur Verarbeitung –  rückt bei vielen wieder mehr in den Fokus.“ Gerold Böggering, Sprecher der Milchbauern im Kreis Borken, weiß um die Sorgen seiner Berufskollegen: „Kostendeckendes Wirtschaften ist dabei die notwendige Voraussetzung für unsere Arbeit. Momentan ist das nicht gewährleistet und teure Futterkosten verschärfen die Situation zusätzlich. Bereits in der Vergangenheit führte dies zur Aufgabe von manch einem Betrieb. Wenn die Preislage andauert, könnten weitere folgen.“

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