„LEPUS NRW“: Landwirte, Jäger und Naturschützer im Schulterschluss für Rebhuhn, Feldhase & Co.

24. Juni 2020

<WLV> Rebhuhn, Braunkehlchen, Feldlerche & Co. geht es seit Jahren an den Kragen. Europaweit. Um alarmierende 94 Prozent ist die Rebhuhn-Population eingebrochen. Anderen Offenlandarten geht es nicht viel besser. Das soll sich jetzt ändern: Am Freitag haben die beiden Stiftungen Westfälische Kulturlandschaft und Stiftung Rheinische Kulturlandschaft unter Beteiligung des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) auf dem Betrieb von Hubert Anxel in Beckum das landesweite Projekt „LEPUS NRW – Lebensräume erhalten, planen und schützen“ an den Start gebracht. „Wir gehen mit Landwirten, Grundbesitzern, Jägern und Naturschutz neue Wege, um dem Artenverlust entgegen zu wirken, die Lebensraumbedingungen für Meister Lampe & Co. zu optimieren und die Biodiversität in der Kulturlandschaft zu erhalten“, so Eckhard Uhlenberg, Präsident der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege, die das Projekt exklusiv mit 703.000 EUR fördert.

Der Maßnahmenkatalog, den die Projektmitarbeiter interessierten Landwirten oder Revierinhabern anbieten können, ist umfangreich und reicht von der Aufwertung von Waldrändern und Heckenkomplexen über die Gestaltung und Pflege von Kleingewässern und Gräben bis hin zur Anlage von Blühflächen, quasi dem „gedeckten Tisch“ im Offenland. Wenn alles gut läuft, schließt sich der Nahrungskreislauf von Insekten, Bodenbrütern und Niederwild, finden alle genug Unterschlupf und gute Lebensbedingungen für wachsende Populationen. Die Ziele sind hoch gesteckt. „Aber wir schaffen das!“, ist Hubertus Beringmeier, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft, überzeugt.

Getragen wird das Projekt von der Arbeitsgemeinschaft der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft sowie der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft. Projektpartner sind neben dem WLV der Rheinische Landwirtschaftsverband e.V., der Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe e.V., der Rheinische Verband der Eigenjagdbesitzer und Jagdgenossenschaften e.V. sowie der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen e.V..

Drei Jahre haben die LEPUS-Mitarbeiter nun Zeit, gemeinsam mit Landwirten, Revierpächtern und ehrenamtlichen Naturschützern die Lebensbedingungen heimischer Tierarten zu verbessern, die Landschaft aufzuwerten und mehr Struktur- und Artenvielfalt zu schaffen. Als erstes wird mit Grundeigentümern und Landwirten gesprochen, die auf ihren Flächen Agrarumweltmaßnahmen oder Vertragsnaturschutz umsetzen wollen, mit Jägern und Revierpächtern, die über tatsächliche Bestandszahlen verfügen und praktische Hilfe bei der Umsetzung der Maßnahmen leisten können. Je nach Revier werden passende Maßnahmen umgesetzt. So können auf Ackerflächen Blühstreifen als Futterquelle angelegt, Getreideflächen bei der Ernte als Rückzugsgebiet stehen gelassen oder an Gewässern Uferrandstreifen als zusätzliche Nahrung und Deckung zur Brutzeit angelegt werden. Im Grünland bieten Weiden vielen Tier- und Insektenarten Rückzugsräume, Wegsäume sind Lebensadern in der freien Feldflur. Und auch mit Heckenpflege, Waldrandgestaltung oder Durchforstung lassen sich neue Lebensräume schaffen und vorhandene aufwerten. An und in Gewässern geben Gräben, Blänke und Uferrandstreifen ein enormes Potenzial zur Lebensraumverbesserung sämtlicher Tierarten.

„Das Interesse an dem Projekt LEPUS NRW ist groß und weitere Beteiligungen sind ab jetzt möglich. Wir erarbeiten für jedes Revier und jede Fläche die bestmögliche Maßnahme, von der Landwirte, Revierpächter und Tiere gleichermaßen profitieren werden“, so Projektleiter Hendrik Specht, der bereits seit einigen Jahren Projekte zu diesem Thema mit Landwirten und Jägern erfolgreich geleitet hat. Eine win-win-Situation für Mensch und Tier. Obwohl sich die Projektkulisse am Verbreitungsgebiet des Rebhuhns als dem größten Verlierer der letzten 30 Jahre orientiert, werden auch Feldhase, Kiebitz, Fasan, Grauammer, Goldammer und Wiesenschafstelze von den Maßnahmen profitieren. 

"Die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft widmet sich intensiv der Bewahrung und Entwicklung unserer Kulturlandschaft, die vielen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bietet. Ich freue mich, dass die langjährige und gute Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Jägern immer wieder in wegweisenden Projekten ihren Ausdruck findet. Unser neues Projekt zeigt einmal mehr, wie wichtig allen Beteiligten die Fürsorge und der Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenarten sind. Ich bin überzeugt, dass wir mit LEPUS NRW einen wichtigen Beitrag leisten, damit bald wieder mehr Rebhühner, Feldhasen & Co. bei uns heimisch sind“, so der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft, Hubertus Beringmeier.

Der Ort des Projektstartes war nicht zufällig gewählt: Ein unermüdliches Summen und Brummen in einem riesigen Blumenmeer empfing die Projektteilnehmer auf den Feldern von Hubert Anxel in Beckum: Der Landwirt hat bereits rund 40 Maßnahmen zum Artenschutz umgesetzt: „Ob Blühstreifen, die Anlage neuer Teiche oder die Pflanzung der Obstbäume: Der Zuspruch aus der Bevölkerung ist enorm und auch Landwirte und Jäger kommen oft hierher und lassen sich beraten“, so Anxel, der auf 14 ha Wildblumen für die Biogasanlage gesät hat.    

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