WLV-Präsident Beringmeier: „Blühstreifen auf 10 Millionen Quadratmetern“

09. Juli 2020

Gemeinsame Aktion „Wir können Artenschutz“: Aufruf zur digitalen Abstimmung

Münster <wlv> Es brummt und summt auf den Feldern in Westfalen-Lippe: In den von Landwirtinnen und Landwirten angelegten Blühstreifen tummeln sich in diesen Tagen Honig- und Wildbienen, heimische Insekten und viele Wildtiere, die hier Nahrungs- und Rückzugsorte finden. Im Rahmen des Projektes „Blühendes Band durch Bauernhand“ hatten die Landwirtsfamilien bereits im April überall in der Region bunte Blühstreifen ausgesät, die jetzt in der Blüte stehen.

„Das für die Blühstreifen bereitgestellte Saatgut war innerhalb kürzester Zeit vergriffen, die Nachfrage durch unsere Landwirtsfamilien war riesig. Jetzt wachsen die Pflanzen auf einer Gesamtfläche von zehn Millionen Quadratmetern in Westfalen-Lippe. Die Blühstreifen sind ein eindrucksvolles Beispiel für gelebten Artenschutz der heimischen Landwirtschaft“, freut sich WLV-Präsident Hubertus Beringmeier. „Wir arbeiten bei zahlreichen Maßnahmen für den Artenschutz eng zusammen mit der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft. Die Mischung für das Blühende Band wurde so zusammengestellt, dass sie Insekten und Wildtieren über einen möglichst langen Zeitraum Nahrung bietet, weil die verschiedenen Pflanzen bis in den Herbst hinein blühen und auch später noch  Samen tragen“, sagt Hubertus Beringmeier im Rahmen eines Pressegesprächs in Bielefeld.

Landwirt Frank Hilgenkamp wirtschaftet zwischen Herford und Bielefeld und hat bereits seit mehreren Jahren auf seinen Feldern die bunte Blühmischung ausgesät. „Naturschutz und Artenreichtum sind mir enorm wichtig, mit den Blühstreifen mache ich mich dafür stark. In der Blühmischung ist jetzt richtig was los. Zahlreiche Insekten werden durch die Pflanzen angelockt und finden hier Nahrung“, erzählt Frank Hilgenkamp. Neben der Aussaat von Blühstreifen auf 5.000 Quadratmetern Fläche engagiert er sich auch mit Feldvogelinseln für Kiebitze, Nistplätzen für Rauchschwalben, Zwischenfrüchten und durch die Zusammenarbeit mit einem Imker für den Artenschutz.

Das Blühstreifen-Projekt wurde initiiert durch die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft. In der Blühmischung finden sich unter anderem Malve, Rotklee, Phacelia, Sonnenblume, Ölrettich, Dill und Inkarnatklee. „Mit unserer Blühmischung ziehen wir zahlreiche Insektenarten und Wildtiere an. Zusätzlich zu dem breiten Angebot an Nahrung und Rückzugsräumen, das die Streifen bereithalten, bereichern sie das Landschaftsbild“, weiß Landschaftsökologe Hendrik Specht, der das Projekt bei der Stiftung betreut. Hermann Dedert ist Vorsitzender des WLV-Ausschusses für Natur- und Umweltschutz und berät mit seinen Berufskollegen über Artenschutzmaßnahmen: „Wir leben als Landwirte in der Natur und mit der Natur. Deshalb verzichten wir freiwillig auf einen Teil unserer Ernte und leisten mit Blühstreifen einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.“

Die Blühstreifen sind eine von zahlreichen Maßnahmen, die der landwirtschaftliche Berufsstand zum Umwelt-, Natur- und Artenschutz unternimmt. Trotzdem haben Landwirtinnen und Landwirte oft das Gefühl, mehr oder weniger allein für den Artenschwund in Deutschland verantwortlich gemacht zu werden. Vor diesem Hintergrund haben sich der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband, die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft und das Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben zusammengeschlossen und den Wettbewerb „Wir können Artenschutz“ ins Leben gerufen. In den vergangenen Wochen haben Landwirtinnen und Landwirte auf der Internetseite www.wochenblatt.com/artenschutz insgesamt fast 150 Fotos mit Maßnahmen eingereicht, die sie einzelbetrieblich auf ihren Höfen umsetzen.

„Ob Blühstreifen, Lerchenfenster oder Nisthilfe, Insektenhotel, Streuobstwiese oder Wildtierschutz – Landwirte engagieren sich mit vielfältigen Maßnahmen und Aktionen für den Artenschutz. Darüber informieren wir mit unserem Wettbewerb, bei dem nun die Bevölkerung aufgerufen ist, über das tollste Fotomotiv abzustimmen“, sagt Hubertus Beringmeier, der auch Vorsitzender der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft ist.

„Mit dieser Aktion machen wir die vielfältigen Umweltmaßnahmen der Landwirtschaft sichtbar. Das möchten wir möglichst vielen Menschen zeigen, um das gegenseitige Verständnis zwischen Landwirten und Bevölkerung zu fördern“, sagt Patrick Liste, stellvertretender Chefredakteur des Wochenblattes. Er motiviert alle Bürgerinnen und Bürger, noch bis zum 26. Juli am digitalen Voting auf www.wochenblatt.com/artenschutz teilzunehmen. „Das lohnt sich doppelt: Zum einen gibt es einen Überblick über die kreativen Artenschutzmaßnahmen, die zum Nachmachen animieren. Zum anderen verlosen wir unter allen Teilnehmern der digitalen Abstimmung einen Gutschein für einen Urlaub auf dem Bauernhof“, so Liste.

Prof. Dr. Hans-Ulrich Hensche begleitet die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft bereits seit ihrer Gründung in 2006 als Vorstandsmitglied. „Unser Ansinnen ist es, gemeinsam mit Naturschutz und Landwirtschaft neue Wege zur Bewahrung und Entwicklung der Kulturlandschaft in Westfalen-Lippe zu gehen. Die eingereichten Bilder zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig das Engagement der Landwirte ist. Durch den Wettbewerb kann sich davon jeder einen Eindruck verschaffen“, macht Prof. Hans-Ulrich Hensche den gemeinsamen Antritt zur Aktion deutlich.

Drei Siegerfotos können bis zum 26. Juli von der Bevölkerung ausgewählt werden. Unter den Teilnehmern des digitalen Votings wird ein Gutschein für einen Urlaub auf dem Bauernhof verlost.

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